Straußenfarn

Straußenfarn

Prähistorische Delikatesse

Die Straußenfarn-Exemplare im Botanischen Garten von Gütersloh sind mit einem halben Meter Wuchshöhe relativ klein – die Beete hier sind zu gepflegt und das Wetter, auch wenn man es kaum glauben möchte, meist zu trocken. Der Straußenfarn liebt sumpfige, modrige Plätze in Gewässernähe. Dort kann er bis zu 1,70 Meter hoch werden.  

Woher stammt der Name „Straußenfarn”?

Straußenfedern waren im 18. Jahrhundert bei modebewussten Damen der letzte Schrei. Wer etwas auf sich hielt, trug als schmückendes Accessoire (mindestens) eine Straußenfeder am Hut. Die Omnipräsenz der Federn in europäischen Städten hatte zwei Auswirkungen:

  1. Der Bestand der Laufvögel in Afrika ging bedrohlich zurück.
  2. Als der Botaniker Carl von Linné 1753 einen passenden Namen für eine Farnart suchte, erinnerten ihn deren charakteristische Farnwedel an Straußenfedern.

Der botanische Name des Straußenfarns lautet „Matteuccia struthiopteris“. Die Gattung ist nach ›Carlo Matteucci (1811–1865) benannt, und das ist insofern etwas Besonderes, als dass der italienische Physiker mit Farnen so herzlich wenig zu tun hatte, dass er wahrscheinlich einen Straußenfarn nicht von einer Straußenfarm hätte unterscheiden können. Das ihm dennoch die Ehre zuteil wurde, liegt daran, dass er zum passenden Zeitpunkt starb – just als sein Landsmann Agostino Todaro, Direktor des Botanischen Gartens Palermo, die Gattung der Straußenfarne ersonnen hatte und einen Namen dafür brauchte.

Der Artname „struthiopteris“ ist eine schwedisch-lateinisch-griechische Co-Produktion: Der alte Schwede Carl von Linné kombinierte das spätlateinische „struthio“ für Strauß und das griechische „pteris“ für Farn.

Straußenfarn

Woher stammt der Straußenfarn?

Straußenfarne wachsen in Auwäldern der Nordhalbkugel. In Europa liegt das Verbreitungsgebiet eher nördlich und eher östlich. Heißt: In Skandinavien wachsen sie zahlreich, in der italienische Poebene finden sich letzte vereinzelte Exemplare. In Mitteleuropa bildet der Rhein die Westgrenze, dafür ist er bis zum Schwarzen Meer anzutreffen. In Deutschland gilt er als gefährdet – ein Grund mehr, sich die Art im Botanischen Garten anzuschauen bzw noch besser: sie im eigenen Garten zu pflanzen.

Wo finde ich Straußenfarn im Botanischen Garten Gütersloh?

Im Beet entlang Kleßmanns Wiese zwischen Sonnen- und Naturnahem Garten.

Wie pflanze ich Straußenfarn im eigenen Garten?

Traditionell – das bedeutet im Fall der Farne: seit mehr als 300 Millionen Jahren – lieben es die meisten Farne feucht und schattig. Der Straußenfarn verträgt auch sonnige Standorte, wenn die Wasserversorgung entsprechend erhöht wird. Ansonsten ist das urtümliche Gewächs pflegeleicht. Allerdings kann es sprichwörtlich „Füße“ bekommen. Heißt: Der Farn entwickelt fleißig Ausläufer und verbreitet sich rasch in alle Richtungen.

Straußenfarn

Wer hätt´s gedacht?

Kann man Farne essen? Eigentlich nein. Nahezu alle der rund 12.000 Farnarten sind leicht und einige sogar stark giftig – nicht umsonst wurde Wurmfarn früher gegen Bandwurmbefall eingesetzt, und beim Adlerfarn kann das Einatmen der Sporen krebserregend wirken. Aber – Sie ahnen es aufgrund der Kategorieüberschrift – Straußenfarne sind essbar! Die noch zusammengerollten Triebspitzen gelten in Japan und Kanada als Frühlingsdelikatesse. Sie schmecken nach einer Mischung aus Spargel und Spinat und werden z.B. mit Butter und Salz serviert. Allerdings darf man sie, ähnlich wie Bohnen, nicht roh essen.

Sie sind das Gegenteil von „leksch“ und wollen eingelegte Farnspitzen probieren? Schön – die Ernte sollten Sie aber lieber Fachleuten überlassen. Die Verwechslungsgefahr ist einfach zu hoch: Farne bilden weder Blüten noch Früchte und sind für den Laien höchstens über ihre Wedel zu unterscheiden – und es wäre Ihrer Gesundheit wenig förderlich, wenn sie einen Straußen- mit einem Adlerfarn verwechseln. Botaniker versuchen Farnarten zunächst anhand der Farben und Anordnung der Sporenkapseln zu identifizieren. Auch das funktioniert oft genug nicht, denn nicht immer sind Sporen vorhanden.

Unsere Empfehlung wäre, die Farnspitzen („Fiddleheads“) über das Internet zu kaufen. Mit ein bisschen Glück dienst diese Kolumne ja auch dem Palmenhaus-Café als Anregung, Straußenfarn auf die Speisekarte zu nehmen. Nur für den Fall: Die Exemplare aus dem Beet schräg gegenüber sind tabu!   


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