Mönchspfeffer

Mönchspfeffer im Apothekergarten Gütersloh

Der Strauch der keuschen Mönche

Mit zartblau-violetten Blütenähren schmückt der Mönchspfeffer die spätsommerlichen Beete und verbreiten einen angenehm-würzigen Duft. Doch das ist nicht der Grund, warum der Strauch in so vielen Klostergärten gepflanzt wurde …

Woher stammt der Name „Mönchspfeffer“?

Der Mönchspfeffer trägt seinen Namen zu Recht. Die mittelalterlichen Klostergemeinschaften nutzen die scharf schmeckenden Früchte zum Würzen ihrer Speisen oder mischten sie ins Kräuterbier. Den Mönchspfeffer konnten sie im Oktober im eigenen Beet ernten – zu einer Zeit, als Schwarzer Pfeffer gemeinhin aus Indien nach Europa transportiert wurde und entsprechend teuer war. Der alternative Trivialname der Pflanze lautet „Keuschbaum“ und gibt eine Ahnung, dass Mönche und Nonnen die Samen nicht allein des Geschmacks wegen konsumierten. Mehr dazu weiter unten …

Unter „Vitex agnus-castus“ findet man die Pflanze im Botaniklexikon. Der Gattungsname „Vitex“ geht auf die lateinische Bezeichnung für die Pflanze zurück, darin steckt die Wortwurzel für „winden, biegen“. Die Zweige sind biegsam und leicht zu Flechtwerk zu verarbeiten; in italienischen Weinbaugebieten werden vereinzelt auch heute noch Rückenkörbe aus Vitexruten verwendet. Der Artname „agnus-castus“ bedeutet übersetzt „keusches Lamm“. Mehr dazu weiter unten …

Woher stammt der Mönchspfeffer?

Aus dem Mittelmeerraum, weshalb sich frühe Erwähnungen über die ungewöhnliche Wirkung der Pflanze in ägyptischen, griechischen und römischen Schriften finden. Mehr dazu weiter unten …

Wo finde ich Mönchspfeffer im Botanischen Garten Gütersloh?

Im Apothekergarten – und das zu Recht. Mehr dazu weiter unten …

Wie pflanze ich Mönchspfeffer im eigenen Garten?

Auch ohne grünen Daumen. Mönchspfeffer ist pflegeleicht und robust. Er mag es, das ist seiner ursprünglichen Heimat geschuldet, gerne sonnig, stellt aber ansonsten keine Ansprüche. Häufigster Fehler beim Pflanzen ist das Unterschätzen des Platzbedarfs: Der Strauch wird auch in unseren Breiten problemlos drei Meter hoch (am Mittelmeer auch fünf) und ausladend – ähnlich wie der in Gütersloher Gärten häufiger anzutreffende Schmetterlingsflieder. Und ähnlich wie dieser duftet er und dient vielen Insekten als Futterquelle – zwei weitere Argumente für eine Pflanzung.

Wer hätt´s gedacht?

Was hat es denn nun mit der Beliebtheit des Mönchspfeffers in der Klosterküche auf sich? Schon in der Antike nutzte man die Pflanze, um die Libido zu drosseln. So nachzulesen in Aufzeichnungen des Griechen ›Dioskurides aus dem 1. Jahrhundert. Dieser war der führende Pharmakologe seiner Zeit und zugleich Militärarzt in römischen Diensten. Er riet den Offizieren der kaiserlichen Legionen, sie mögen ihren Soldaten angesichts des Frauenmangels im Heerlager Mönchspfeffer zu essen geben, um „den Drang zum Beischlaf zu mäßigen“ und überschüssige Energie allein auf dem Schlachtfeld abzubauen.

Im zölibatären Klosterleben war jede enthaltsamkeitsfördernde Hilfe hochwillkommen. Der Mönchspfeffer, daher auch Keuschbaum oder Keusch-Lamm genannt, wurde gezielt als lustdämpfendes Anaphrodisiakum eingesetzt, auf dass die Klosterbewohner keine sündigen Gedanken fassten.

Tatsächlich greift der Wirkstoff in den Früchten in den menschlichen Hormonhaushalt ein. So senkt er nachweislich den Prolaktinspiegel, der zusammen mit Östrogen die Hauptrolle in den biochemischen Prozessen des weiblichen Zyklus spielt. Bis heute werden Mönchspfeffer-Präparate daher auch gegen hormonell bedingte Frauenleiden angewendet. Die lusthemmende Wirkung dagegen ist wissenschaftlich umstritten.

Dabei war es lange Zeit Volksglaube, dass schon das Verstreuen von Mönchspfefferblättern und -blüten im Bett ausreicht, die „Begierde zum Venushandel“ zu nehmen, wie es der Botaniker ›Mattioli Mitte des 16. Jahrhunderts formulierte. Wie viele Mönche – und Nonnen – wohl im Laufe der Jahrhunderte aus sündigen Träumen und daher von schlechtem Gewissen gepeinigt in ihrer mit Mönchspfefferlaub bedeckten Schlafstätte erwachten?



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