Schwarzer Senf

Schwarzer Senf

Leben wie ein Rockstar

Jesus erwähnte ihn, Hildegard von Bingen lobte ihn und das Leben von Amy Winehouse und Jim Morrison erinnert an ihn – der Schwarze Senf hat viele prominente Referenzen vorzuweisen.

Woher stammt der Name „Schwarzer Senf“?

Senf wurde schon in den frühen Zivilisationen als Nutzpflanze angebaut. Der Name lässt sich noch über das lateinische „sinapis“ bis ins Altgriechische zurückverfolgen, aber dann verliert sich die Spur. Heißt: Die Bedeutung ist unbekannt. 

Die Arten Schwarzer, Weißer und Brauner Senf sind nach der jeweiligen Farbe ihrer Samenkörner benannt. Wobei die Samen des Schwarzen Senfs nicht immer schwarz sind, sondern auch grau oder dunkelbraun sein können. „Von-grau-über-braun-bis-schwarzer-Senf“ wäre als Name also auch korrekt gewesen, allerdings weit weniger griffig.

Der botanische Name Brassica nigra heißt übersetzt „Schwarzer Kohl“. Tatsächlich gehört Senf wie auch Raps, Steckrüben, Kohlrabi, Broccoli, Herbstrüben und viele andere Gemüsesorten zur Gattung Kohl. „Nigra“ ist, wie alle ›Trier-Touristen wissen, das lateinische Wort für „schwarz“. 

Woher stammt der Schwarze Senf?

Man muss mindestens 2.000 Jahre zurückschauen, um das Ursprungsgebiet des Schwarzen Senfs festzumachen: Kleinasien, Nordafrika, der östliche Mittelmeerraum.

Im Neuen Testament vergleicht Jesus im ›„Gleichnis vom Senfkorn“ das Himmelreich mit einem Senfkorn: Aus etwas sehr Kleinem erwachse etwas unübersehbar Großes. Botanikerinnen und Botaniker, die sich mit den rund 110 ›in der Bibel erwähnten Pflanzen beschäftigen, gehen davon aus, dass er den Schwarzen Senf meinte. Aus einem anderthalb Millimeter kleinen Samen kann bei optimalen Bedingungen ein bis zu drei Meter hoher Stängel erwachsen.  

Die Römer verbreiteten den Schwarzen Senf über Handelsrouten und Feldzüge und kultivierten ihn. Mit zunehmender Mobilität der Menschen in der frühen Neuzeit entwickelte er sich zu einem Neophyten, d. h. einer Pflanze, die mit meist unbeabsichtigter menschlicher Unterstützung fremde Lebensräume „erobert“ und dauerhaft besiedelt. Seit dem 16. Jahrhundert wird er auch in Deutschland als Teil der heimischen Flora wahrgenommen.

In östlicher Richtung geschah dasselbe, so dass Schwarzer Senf auch im Kaukasus, in Indien und China zu finden ist.

Wo finde ich Schwarzen Senf im Botanischen Garten Gütersloh?

›Hildegard von Bingen – in den Jahrhunderten vor ›Dr. Eckart von Hirschhausen die höchste medizinische Instanz in deutschen Landen –  lobte den Schwarzen Senf für seine durchblutungsfördernden Wirkung. Entsprechend findet man die Pflanze im Apothekergarten.  

Wie pflanze ich Schwarzen Senf im eigenen Garten?

Das ist nicht schwer – Senf ist eine der anspruchslosesten Nutzpflanzen überhaupt. Eher sonnigen Standort wählen, sparsam gießen, niemals düngen – mehr lässt sich zur Senfpflege nicht raten.

Wer hätt’s gedacht?

Der Schwarze Senf ist ein Therophyt. Was das heißt? Nichts anderes als „Sommerpflanze“, aber wer „Therophyt“ sagt, erntet neben Senfkörnern auch bewundernde Blicke für seine vermeintlichen Altgriechisch-Kenntnisse.

Therophyten wie der Schwarze Senf führen ein Leben wie ›Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Amy Winehouse, nämlich kurz und intensiv, bevor sie in der Erde verschwinden. Der Schwarze Senf durchlebt als einjährige Pflanze seine gesamten Entwicklung innerhalb weniger Monate: Er keimt im Frühjahr und blüht und fruchtet im Sommer desselben Jahres.

Sein Ziel ist es, sich zu „versamen“: Im September steckt er sämtliche Energie in die Produktion tausender Samen. Trocken, wie diese sind, sind sie auch frostresistent und werden den Winter überdauern. Wie die Rockstars ist der Schwarze Senf somit letztlich unsterblich … 

Schwarzer Senf


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