Hohe-, Purpur- und Pracht-Fetthenne

Hohe Fetthenne im Steingarten

Letzte Chance: Plastikblumen

Wir befinden uns an Tag 1 nach dem dreiwöchigen Sommerurlaub. Der ganze Garten ist vertrocknet … Der ganze Garten? Nein! Ein von blühenden Fetthennen bewachsenes Beet hört nicht auf, der Trockenheit zu trotzen. Als hätten die Pflanzen einen Zaubertrank intus, der sie unbesiegbar macht, haben sie die Wochen ohne Regen oder Rasensprenger unbeschadet überstanden. Mit Hitzeperioden nehmen sie es so locker auf wie Asterix mit den Römern.

Wobei eine Fetthenne nicht nur optisch eher ›Obelix ähnelt. So wie der stattliche Gallier als Kind in den Kessel gefallen und genügend Zaubertrank für den Rest seines Lebens geschluckt hat, so hat sich die Pflanze beim letzten Regenschauer mit Wasser vollgesogen. Auf Extraportionen aus der Gießkanne kann sie bis auf weiteres verzichten.    

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Woher stammt der Name „Fetthenne“?

Ein gutes westfälisches Suppenhuhn ist dick und rund und fett – wie die „aufgeplusterten“ fleischigen Blätter der Fetthenne. Diese Wasserspeicher lassen die Pflanze auch auf steinigen und mageren Böden wachsen.

Der botanische Gattungsname der Fetthenne lautet „Hylotelephium“ – allerdings erst seit 1977, als ihr eine eigene Gattung spendiert wurde. Zuvor wurden sie der Gattung „Sedum“ zugeordnet, und in den meisten Gärtnereien findet man sie auch noch unter diesem Namen. Der aktuellere Name leitet sich von den griechischen Worten „hyle“ für Wald und „telephion” ab, einem Trivialnamen der Pflanze nach Telephos, dem Sohn des Herkules. Die Hohe- und die Purpur-Fetthenne, beides Unterarten der Großen Fetthenne, bekamen den Herkulessprössling gleich doppelt verpasst: „Hylotelephium telephium“. Im Botanischen Garten wachsen außerdem Pracht-Fetthennen, Artname „spectabile“ = „eindrucksvoll“ – prächtig eben.

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Woher stammt die Fetthenne?

Die Hohe- und die Purpur-Fetthenne aus Osteuropa, die Pracht-Fetthenne aus Ostasien. Sie gedeihen an Felshängen, auf Geröllflächen, an Gebüsch-, Acker- und Wegränder – überall dort, wo andere Pflanzen sich schwertun.

Wo finde ich Fetthenne im Botanischen Garten Gütersloh?

Die Hohe Fetthenne, Sorte ‚Herbstfreude‘, wächst im Steingarten (Foto unten). Im Apothekergarten ist Purpur-Fetthenne gepflanzt. In den Beeten um die Wiese gegenüber dem Kugelahorn mit seiner Rundbank finden sich Pracht-Fetthennen (Foto oben). Die Sorte heißt aus vermarktungstechnischen Gründen ‚Brillant‘, wobei die Vermarktung noch nicht allzu brillant verlief. Sie wird trotz ihrer schönen karminroten Blüten recht selten in heimischen Gärten gepflanzt – umso schöner, dass sie im „Botanischen“ zu bewundern ist. Alle drei Sorten ziehen nicht nur Parkspaziergänger, sondern auch und besonders Bienen und Schmetterlinge an.

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Wie pflanze ich Fetthenne im eigenen Garten?

Selbst ohne allzu großen grünen Daumen erfolgreich. Die Pflanze ist robust, standorttolerant, hitzeverträglich, trocken-, ja dürreresistent, winterhart, anspruchslos, pflegeleicht. Sie muss weder gegossen noch gedüngt werden. Wem selbst Fetthenne eingeht, sollte auf Plastikblumen umsteigen.

Wer hätt´s gedacht?

Die dicken Blätter der Fetthenne weisen ein besonders günstiges Verhältnis von Volumen und Oberfläche auf. Günstig heißt, sie besitzen relativ viel Stauraum für Wasser bei relativ geringer Oberfläche, über die das wertvolle Wasser verdunsten kann. Zudem fühlen sich die Blätter ledrig bis wachsartig an – die Oberfläche versiegelt das Blatt und schützt es vor Verdunstung.

Fetthenne

Pflanzen, die in Wurzel, Stamm oder Blättern relativ große Mengen Wasser speichern können, bezeichnet der Botaniker als „Sukkulente“ (=Saftreiche, von lateinisch sucus = Saft). Fetthennen sind blattsukkulent. Dank ihrer Wasserspeicher gedeihen die Durstkünstler auch bei längeren Trockenperioden prächtig. Sie wachsen sogar umso besser, je ungünstiger, d.h. wasser- und nährstoffärmer der Standort ist, weil sie dort besonders konkurrenzstark sind.

Die Fetthennen des Botanischen Gartens dürften sich wie im Schlaraffenland wähnen. Ob Regenwasser, Erde, Dünger, Pflege oder Aufmerksamkeit – sie bekommen von allem mehr als genug.

 


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