Japanische Prachtspieren

Japanische Prachtspieren

Von Tokio über Wuppertal nach Gütersloh

Obwohl aus Ostasien stammend, sind Prachtspieren hierzulande längst keine Exoten mehr und auch in vielen Privatgärten anzutreffen. Zur ihrer weltweiten Verbreitung trug schon vor fast 130 Jahren ein deutscher Staudenzüchter bei.

Woher stammt der Name Prachtspieren?

Prachtspieren kann man im Jahresverlauf leicht übersehen, mit ihren farnartigen Blättern sind sie eher unscheinbar. Während ihrer Blütezeit aber wird deutlich, warum sie ihren deutschen Namen tragen: Dann bilden sich große, leuchtende Blütenrispen, die die Pflanze wie Fackeln bis zu einem Meter hoch emporreckt. Ein alternativer deutscher Trivialname lautet „Purpurlanzen“.

Mindestens ebenso geläufig wie der deutsche ist der botanische Name der Pflanze: Astilbe. Hieße sie nur „Stilbe“, wäre es viel logischer, denn das ist griechisch für „Glanz“, und den bringen die Astilben zweifellos in den Garten. Nun hat aber irgendein antiker Botaniker dem Glanz die verneinende Vorsilbe „a-“ vorangestellt, womit sich der Pflanzenname ins Gegenteil verkehrt: Astilbe heißt Nicht-Glanz. Zugegeben, die Stauden haben keine Blütenkronen, sondern nur winzig kleine Blüten. Aber davon eben tausende, so dass die prachtvollen Rispen entstehen. Es bleibt rätselhaft.

Woher stammt die Pflanze?

Alle Astilben stammen aus Ostasien. Wildbestände finden sich je nach Art irgendwo zwischen China und Indonesien, wo sie an feuchten Berghängen wachsen. Im Botanischen Garten wächst eine Sorte, die auf der Grundlage von Japanischen Prachtspieren gezüchtet wurde, botanisch „Astilbe japonica“. Das ist eine weitere der vielen Pflanzenarten, die a) in Japan endemisch sind, d.h. ursprünglich ausschließlich dort vorkommen und die sich b) heute im Botanischen Garten Gütersloh bewundern lassen. Allein in dieser Serie stellten wir Ihnen bereits die Japanische Wachsglocke, den Japanischen Blauregen und die Japansegge vor. Freuen dürfen sie sich noch auf den Japanischen Fächerahorn.

Japanische Prachtspieren

Wo finde ich Prachtspieren im Botanischen Garten?

Zwischen Hyazinthenwiese und Asterngarten, am Eingang „Badstraße“.

Wie pflanze ich Prachtspieren im eigenen Garten?

Wahrscheinlich problemlos. Die Pflanzen sind pflegearm und auch deshalb bei Gartenbesitzern so beliebt, weil sie auch dort üppig blühen, wo es anderen Stauden zu dunkel, kalt und feucht ist. Heißt aber auch: Allzu sonnig sollte der Standort nicht sein, und wenn er es doch ist, muss häufiger gegossen werden.

Wer hätt´s gedacht?

Astilben kommen ursprünglich aus Ostasien, waren aber als Zierpflanze schon im 19. Jahrhundert in Gärten und Parks auf der ganzen Welt zu finden. Die meisten Astilben-Sorten kamen und kommen, woher sonst, aus – Wuppertal. Dort gründete Georg Arends 1888 auf einem Berghang, der seitdem als „Ronsdorfs blumige Höh“ bekannt ist, eine Gärtnerei. Arends gilt als einer der Urväter deutscher Staudenzüchter, ihm verdankt der Handel rund 350 neue Sorten (darunter die Fetthenne ’Herbstzauber‘).

Japanische Prachtspieren

Das nicht gerade sonnenverwöhnte, bisweilen klimatisch raue Bergische Land war eine bewusste Standortwahl gewesen, hatte sich Arends doch auf winterharte Stauden spezialisiert. So hatte er die Gewissheit: Was hier gedieh, würde überall in Deutschland wachsen. Die Staudengärtnerei ›besteht bis heute und wird mittlerweile von Arends Urenkelin geführt. Besichtigen kann man auf dem Gelände neben historischen Gebäuden (darunter die „Villa Wellblech“, ein 1925 in Fertigbauweise errichtetes Wohnhaus für Saisonarbeitskräfte), Gewächshäusern und verwinkelten Gartenräumen natürlich die Mutterpflanzenquartiere.

Den größten Erfolg feierte Arends, und sonst würden wir das alles hier nicht erwähnen, mit seinen Astilben-Sorten. So sind auch die weißblühenden und natürlich frostharten Astilben im Botanischen Garten eine Züchtung aus Wuppertal-Ronsdorf und im Handel als „Arends Garten-Prachtspiere ’Irrlicht‘“ erhältlich (in amerikanischen Gartencentern auch unter dem Sortennamen ’Moonlight‘ angeboten, damit potenzielle Käufer nicht an der Aussprache scheitern). Von Tokio über Wuppertal nach Gütersloh – das ist die ungewöhnliche Biographie der Prachtspiere, an denen nur Nicht-Leser dieser Seite weiterhin unwissend vorbeigehen werden.


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