Schwanenblume

Schwanenblume

Den Deichen muss sie weichen

Sie sieht aus wie von einem Designer entworfen: Auf zierlichen Stängeln, die sich zwischen den schlanken Blättern der Schwanenblume entwickeln, thronen dekorative Blütendolden, die sich weiß und rosa- bis pinkfarben im Wasser spiegeln.

Woher stammt der Name?

Der Griffel der Schwanenblume ist gebogen wie ein Schwanenhals – fertig ist der deutsche Trivialname.

Komplizierter verhält es sich mit ihrem botanischen Namen „Butomus umbellatus”. Den Gattungsnamen verdanken wir – mal wieder – dem alten Griechen ›Theophrast, der für die Naturforschung das war, was Henry Ford für die Autoindustrie oder Reinhard Mohn für Bertelsmann war – er hat´s nicht erfunden, aber groß gemacht. Theophrasts veröffentlichte eine zehnbändige „Naturgeschichte der Gewächse“, von denen neun überliefert sind, was aber ausreicht, um einen Überblick über die Flora vor 2.300 Jahren und das botanische Wissen der Griechen zu erhalten. Die Schwanenblume beschreibt er als „Botumos“, und die Wissenschaftler sind sich einig, dass darin die griechischen Wörter für „Rind“ und „geschnitten“ stecken.

Das lässt Fragen offen. Hielt er – irrtümlicherweise – die Blätter für so scharfschneidig, dass sich Rinder an ihnen verletzen? Welche Rinder überhaupt? Schwanenblumen sind Sumpfpflanzen – da kämen am ehesten Wasserbüffel in Frage. Aber Wasserbüffel in Griechenland? Vielleicht hat Theophrast all diese Fragen und Ungereimtheiten im zehnten Band aufgeklärt. Das nützt uns aber nichts, denn dieser wurde ja verschlürt.

Immerhin können wir den Artnamen der Pflanze auflösen: „umbellatus“ heißt „doldenblütig“, vom lateinischen Wort für „Schirm“ (vergleiche das englische „umbrella“). Und tatsächlich: Zwischen Juni bis August bildet die Schwanenblume einen schirmförmigen Blütenstand aus bis zu 30 weißen oder rosa Einzelblüten.

Woher stammt die Pflanze?

Spezialisiert hat sich die Schwanenblume auf Moore, flache Ufer und Wiesen, die regelmäßig überschwemmt werden. Hochwässer bringen ihr Sand, Schlick, abgestorbene Pflanzenteile und damit wertvolle Nährstoffe. Das Wasser dient ihr auch zur Fortpflanzung, und das gleich zweifach: Ihre Samen können schwimmen und so zu neuen Ansiedlungsorten treiben, und ihre Brutknospen schlagen im Schlamm Wurzeln. Das war evolutionstechnisch jahrtausendelang eine Erfolgsmodell und sicherte ihr eine Verbreitung in ganz Eurasien und Nordafrika. Zusätzlich profitierte sie von der Besiedlung der Neuen Welt durch die Europäer und breitete sich mit ihnen ab dem 16. Jahrhundert auch in Nordamerika aus.

Doch mittlerweile leidet sie mehr unter dem Menschen als dass sie von ihm profitiert; heute ist die Schwanenblume in ihrem Bestand gefährdet. Schuld ist der intensive Hochwasserschutz, sind Entwässerungsmaßnahmen und Flussausbauten. Wo früher Flüsse über die Ufer traten, baute der Mensch Deiche, wo früher Gräben Marschgebiete durchzogen, verfüllte oder verrohrte er diese. Bestes bzw. schlechtestes Beispiel war die Dalke, die in den 1960er Jahren aus Hochwasserschutzgründen in ein Korsett aus Stahlspundwänden gezwängt wurde.

Schwanenblumen

Wo finde ich die Schwanenblume im Stadtpark?

Derzeit nur im Naturteich des Botanischen Gartens. Die Hoffnung besteht, dass sie sich durch die Renaturierung auch an der Dalke ansiedelt, z.B. an den Dalkeauen im Stadtpark.

Wie pflanze ich Schwanenblumen im eigenen Garten?

Schwanenblumen brauchen dauernasse Böden. Ein Garten im Oderbruch wäre da vorteilhaft. So sie in Ostwestfalen bleiben wollen, empfehlen wir einen Gartenteich. In einer Wassertiefe von 10 bis 30 Zentimetern gedeihen die ansonsten pflegeleichten Pflanzen am besten.

Wer hätt´s gedacht?

An anderer Stelle berichten wir über die Schneeglöckchen-Sammler, die angesichts von mehr als 2.000 Arten und immer neuen Züchtungen sowohl den Überblick als auch ihr letztes Erspartes verlieren. Wesentlich günstiger kommt der Sammelsüchtige weg, der sich auf Schwanenblumen spezialisiert. Die komplette Pflanzenfamilie der Schwanenblumengewächse besteht aus einer einzigen Gattung, und diese wiederum nur aus einer Art: Butomus umbellatus. Und auch eine komplette Sammlung aller mit menschlicher Unterstützung entstandenen Zuchtformen passt in in jeden Blumentopf: Im Staudenkatalog finden sich allein die Sorten ’Schneeweißchen‘ (häufig und – wer hätt´s gedacht – weißblühend) und ’Rosenrot‘ (seltener, mit lilaroten Blüten).

Grün-weiß gekleidet, tief im Sumpf steckend und maximal aus einem Mitglied bestehend – so gesehen wäre die Schwanenblume die ideale Symbolpflanze für einen ›Volker-Graul-Fanclub in Gütersloh …


Mehr Pflanzenporträts …

… finden sich im humorvollen Stadtpark-Führer „Ab in die Botanik“ unserer Mitglieder Matthias Borner und Daniela Toman. Das ebenso informative wie unterhaltsame Buch mit mehr als 200 Fotos können Sie auf der Seite ›www.guetersloherisch.de erwerben und sich versandkostenfrei zuschicken lassen.


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