Wiesen-Flockenblume

Wiesen-Flockenblume

Für flockig-herben Biergenuss

Zwischen Juni und Oktober übersäen Wiesen-Flockenblumen einen Teil der Dalkeaue mit leuchtenden, rosaroten Flocken. Nicht für das klassische Staudenbeet, aber für naturnahe Pflanzungen werden die Wildstauden auch bei Hobbygärtnern immer beliebter.

Woher stammt der Name „Wiesen-Flockenblume“?

Ihren deutschen Namen verdankt die Wiesen-Flockenblume ihrem bevorzugten Lebensraum sowie ihren zerzupft aussehenden Blüten und den borstigen Fruchtanhängseln – das lässt sich auch ohne Pflanzenlexikon herleiten (und genau das macht einen guten Namen aus).

Nicht auf Anhieb nachvollziehbar ist ihr botanischer Name „Centaurea jacea“. Der Gattungsname führt uns in die griechische Mythologie. Dort tummeln sich kuriose Mischwesen, die jedes moderne Genlabor vor Neid erblassen lassen: ein Mann mit Stierkopf (›Minotauros), Vögel mit Frauenköpfen (›Harpyien) oder ein Wesen halb Fisch, halb Pferd (›Hippokamp – heute als ›Surf and turf auf den Speisekarten hipper Szenerestaurants zu finden). Und noch ein Wesen begegnet dem Leser antiker Mythen, wie auch den Fans von Harry Potter, den „Chroniken von Narnia“ oder Michael Endes „Die unendliche Geschichte“: der Kentaur.

›Kentauren haben den Kopf, dem Rumpf und die Arme eines Mannes und den Körper und die Beine eines Pferdes. Sie werden als aufbrausend und lüstern, aber auch als heilkundig beschrieben. Letzteres dürfte der Link zum Pflanzennamen sein: Viele der 260 Flockenblumen-Arten werden als Heilkräuter in der Volksmedizin eingesetzt. Die Bitterstoffe der Wurzel wirken harntreibend und verdauungsfördernd.

Auf die Heilkraft bezieht sich auch der Artname „jacea“, wohl eine Verbindung der griechischen Wörter für „Veilchen“ und „heilen“. Offenbar sahen die Griechen die Flockenblume als „heilendes Veilchen“.

Woher stammt die Wiesen-Flockenblume?

Wiesen-Flockenblumen wachsen in Europa, dem Mittelmeerraum und in Vorderasien. Anderenorts wurde sie eingeschleppt, so dass man sie heute rund um den Globus in allen Ländern der gemäßigten Klimazone findet.

Wo finde ich Wiesen-Flockenblumen im Stadtpark?

Am ehesten als Mitglied des ›Tennis Turnier Clubs Gütersloh, dessen acht Sandplätze an den Dalkeauen am Karl-Rogge-Weg liegen. Die Wiese zwischen den Tennisplätzen und der Dalke ist vom öffentlich zugänglichen Stadtpark aus nur schwer einzusehen. Aber glauben Sie uns einfach: Es ist quasi eine Flockenblumen-Weise voller Wiesen-Flockenblumen! Die Fläche hatte der Fachbereich Grünflächen vor rund zehn Jahren mit Landschaftsrasen angesät. Wiesen-Flockenblumen wuchsen dort von Beginn an, haben sich aber von Jahr zu Jahr ausgebreitet und nun eine beachtliche Populationsgröße erreicht.

Wie pflanze ich Wiesen-Flockenblumen im eigenen Garten?

Wiesen-Flockenblumen sind anspruchslose Sommerblumen. Sie wollen die volle Sonne. Je schattiger sie stehen, desto kümmerlicher ist ihr Wuchs. Ihre volle wildromantische Blütenpracht bringen sie in der Gruppe zur Geltung, wobei Sie die krautige Staude gut mit anderen Arten kombinieren können. Dabei haben Sie reichlich Auswahl, es gibt mehr als 250 Flockenblumen-Arten – und das, obwohl die Gattung als „noch unzureichend erforscht“ gilt. Übrigens: In einer früheren Systematik gehörte auch die bekanntere Kornblume zur Gattung der Flockenblumen, die sich also gut als Nachbar im Beet macht.

Wer hätt´s gedacht?

Flockenblumen dienen Bienen und anderen Insekten als ergiebige Nahrungsquelle – und bisweilen auch dem Menschen. Blätter, Triebspitzen und Blüten der Wiesen-Flockenblume sind essbar, allerdings wegen der darin zahlreich enthaltenen Bitterstoffe nichts, was man sich als Kuchenersatz auf den Kaffeetisch stellen würde. Schmerzbefreite Smoothie-Liebhaber verwenden sie dennoch für Grünsmoothies.

Und für ein weiteres Getränk ist der herbe Geschmack genau richtig: In früheren Zeiten nutzten Bierbrauer die Blätter als Hopfenersatz. Gütersloher Bier aus den Wiesen-Flockenblumen des Stadtparks – würde das nicht die Getränkekarte des ›Gütersloher Brauhauses bereichern? Wobei „Flockiges Bier“ zwar ein passender, aber kein allzu verkaufsfördender Name wäre …


Mehr Pflanzenporträts …

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