Elfen-Krokus

Elfen-Krokus-Wiese

Mit der Zauberkraft der Elfen

Der Elfen-Krokus zeigt seine Knospen bereits im Februar und blüht damit am frühesten von allen Krokusarten. Um diese Führungsposition zu halten, hat er mehrere Tricks auf Lager.

Woher stammt der Name „Elfen-Krokus“?

Rund 90 Krokus-Arten gibt es. Sie alle tragen ihren Gattungsnamen, weil die alten Griechen eine ganz besondere unter diesen Arten „krókos“ nannten: Safran. Diesen Luxusartikel nutzten sie als Gewürz, Heilmittel, Duftstoff, Badezusatz und als Droge. Hohe Dosen Safran, mit Wein vermischt, haben eine berauschende Wirkung (hohe Dosen Wein, mit Safran vermischt, allerdings auch).

Ein solcher Rausch war vielleicht auch nötig, um auf den Artnamen „Elfen-Krokus“ zu kommen. Dieser spielt auf den Volksglauben an, in den geschlossenen Blüten würden sich Naturgeister versteckt halten. Zudem sollen die zarten, sanftgefärbten, fast zerbrechlich wirkenden Blüten den Flügeln von Elfen gleichen (das ist wissenschaftlich nicht belegt, allerdings kann auch niemand das Gegenteil beweisen).

Elfen-Krokus

Der botanische Name der Pflanze lautet „Crocus tommasinianus“. Er ehrt Mutius Joseph Spiritus Ritter von Tommasini (welch ein Name!), einen österreichisch-ungarischen Beamten und Lokalpolitiker, dessen Leidenschaft allerdings der Botanik galt. Wohin auch immer ihn die Versetzungen im k.u.k.-Beamtenapparat verschlugen, ob nach Split, Zadar, Montenegro oder Triest, Tommasini erforschte die nähere und weitere Umgebung. Seine außerberuflichen Exkursionen zwischen 1817 und 1860 machten ihn zu dem Experten für die Pflanzenwelt der kroatischen Adriaküste bzw., wie seine Zeitgenossen es formuliert hätten, des ›Österreichischen Küstenlandes und ›Dalmatiens. Unter anderem dort, in Dalmatien, ist der Elfen-Krokus beheimatet, weshalb dieser auch unter dem Namen „Dalmatiner Krokus“ im Handel zu finden ist.

Woher stammt der Elfen-Krokus?

Wildvorkommen des Elfen-Krokus finden sich in Laubwäldern und an Felshängen im südöstlichen Europa, in Ungarn, Bulgarien und den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens. Um 1850 wurde der Elfen-Krokus als Zierpflanze in ganz Europa eingeführt.

Elfen-Krokus

Wo finde ich Elfen-Krokusse im Botanischen Garten?

Wenn der Frühling kommt, praktisch überall …

Wie pflanze ich Elfen-Krokusse im eigenen Garten?

Zusammen mit Winterlingen, Schneeglöckchen, Frühlings-Christrosen und anderen Krokusarten, die den Frühling ankündigen. Um die Zwiebeln möglichst natürlich im Beet und auf dem Rasen zu verteilen, empfiehlt der ›Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG), sie einfach aus der Hüfte heraus zu werfen und dort einzupflanzen, wo sie liegenbleiben.

Denselben Trick wendet übrigens die niederländische Gartendesignerin Jacqueline van der Kloet an. Sie war es, die 2017 zusammen mit den Stadtgärtnern die viel fotografierten Tulpenbeete rund um den Kugelahorn im Botanischen Garten in „lockerer Wurftechnik“ mit 10.700 Blumenzwiebeln bestückte. Jeder Besucher kann bestätigen, dass aus dieser Technik ein besonderer Effekt resultiert: Die Bepflanzung wirkt nicht arrangiert oder künstlich, sondern wie zufällig gewachsen.

Pflege braucht der Elfen-Krokus keine. Einmal gepflanzt, vermehrt er sich fleißig und sie werden von Jahr zu Jahr einen größeren Elfen-Krokus-Teppich in Ihrem Garten bewundern können – ob Sie wollen oder nicht. Tatsächlich ist kaum ein anderer Vorfrühlingsblüher besser zur Verwilderung geeignet.

Wer hätt´s gedacht?

Wer so früh im Jahr blüht wie der Elfen-Krokus, muss auf kühle Temperaturen, ja sogar auf Eis und Schnee gefasst sein. Kein Problem: Der Elfen-Krokus ist – wie auch das Schneeglöckchen – seine eigene Heizung. Ist sein Stoffwechsel durch die Nährstoffe in der Blumenzwiebel erst in Gang gekommen, produziert der Sprössling pflanzeneigene Biowärme. Damit bringt er beim Austreiben den Schnee in seiner unmittelbaren Umgebung zum Schmelzen und gelangt ungehindert an die Oberfläche. Der Krokus produziert beim Austreiben eine Wärme von bis zu zehn Grad. Doppelt praktisch: Durch die „Schneeschmelze“ bewässert er gleichzeitig seine Wurzeln.

Die fertig ausgebildete Pflanze gibt uns zudem ein Vorbild in Sachen Energiesparen. So wie kein Mensch auf die Idee kommen sollte, bei Eiseskälte alle Fenster aufzureißen, öffnet auch der Elfen-Krokus seine Blüten nur bei geeigneter Temperatur- und Wetterlage. Bei Kälte und Regen bleibt die Blüte zu – dann kommt ohnehin kein Insekt vorbei. Wärmende Sonnenstrahlen bewirken – vielleicht mit ein wenig Unterstützung der sich gegen die Blütenblätter stemmenden Elfen im Innern der Blüte –, dass sich diese wieder öffnet und den Besuchern des Botanischen Gartens bei ihrem Spaziergang ein violetter Augenschmaus bietet.



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