Kleines Schneeglöckchen

Schneeglöckchen

Ein Traum in Blau-Grün

Willkommen im Parallel-Universum der Schneeglöckchensammler! Sie kennen keine Schneeglöckchensammler? Lernen Sie welche kennen: Einmal im Jahr steigt in Nettetal am Niederrhein Deutschlands größtes Schneeglöckchen-Festival. Um mitreden zu können, sollten Sie sich vorher die Exemplare im Botanischen Garten angesehen haben.

Woher stammt der Name „Schneeglöckchen“?

„Wir haben 100 Leute gefragt: Nennen Sie uns einen Frühblüher!“ Als Kandidat der Quiz-Show „Familienduell“ sollte man in dieser Spielrunde „Schneeglöckchen” sagen, wenn man die Top-Antwort erraten möchte. „Zweiblättrige Meerzwiebel“ und „Rote Pestwurz“ wären zwar auch korrekt, den Tagessieg können Sie damit aber vergessen. Nein, Schneeglöckchen sind die Frühblüher schlechthin, ein Symbol für das nahende Ende des Winters. Sogar ihre Blüten sind frosthart und lugen dann nickend, wie kleine Glocken, durch die Schneedecke, was den Namen erklärt. Im Englischen heißt die Pflanze Snowdrop = Schneetropfen.

Den botanischen Namen „Galanthus nivalis“ ersann Botanik-Übervater Carl von Linné 1735, indem er die beiden griechischen Wörter „gála“ für „Milch“ und „ánthos“ für „Blüte“ sowie das lateinische „nivalis” für „Schnee-, schneeweiß“ zusammenführte.

Woher stammt das Kleine Schneeglöckchen?

Das Kleine Schneeglöckchen kommt in einem breiten Streifen quer durch Europa vor, von den Pyrenäen bis zur Ukraine. In Nordamerika gelang ihm etwas, was heute längst nicht mehr jeder schafft: Es wurde eingebürgert. Für diese Zwecke ist es von Vorteil, weiß zu sein; damit dürft es auch noch heute eine Green Card erhalten.

Wo finde ich Schneeglöckchen im Botanischen Garten?

An mehreren Stellen, z.B. im Heckengarten, oder auch an dem Zaun vor dem Garten entlang der Parkstraße.

Wie pflanze ich Schneeglöckchen im eigenen Garten?

Statt konkreter Pflanztipps ein Warnhinweis: Schneeglöckchen können süchtig machen! Das glauben sie nicht? In Großbritannien – ausgerechnet in Großbritannien, wo Schneeglöckchen ursprünglich gar nicht heimisch waren – hat sich der Begriff der „Galanthophilie“ für die Manie des Schneeglöckchensammelns etabliert. Es gibt zwar nur 20 Schneeglöckchen-Arten, aber rund 2.000 Sorten. Als Sammler will man natürlich komplett sein und trifft sich auf Snowdrop Festivals, die Pflanzenmärkte und gesellschaftliche Ereignisse zugleich sind. Die ersten Schneeglöckchen-Enthusiasten wirkten Mitte des 19. Jahrhunderts, ihr Spleen breitete sich rasch aus. Heute gibt es auf der Insel Hunderte sogenannter ›Snowdrop Gardens, in denen weiße Schneeglöckchen-Teppiche den Boden bedecken („Top spots for snowdrops“).

Und die Manie hat schon auf Deutschland übergegriffen: Am Niederrhein, auf den ›Nettetaler Schneeglöckchentagen, präsentieren die wichtigsten britischen Schneeglöckchengärtnereien ihre Schätze. Mit 3.000 Besuchern aus ganz Europa ist die Veranstaltung eines der größten Schneeglöckchenfestivals außerhalb des Königreichs. Wer den Nervenkitzel nicht scheut und riskieren will, der Galanthophilie anheimzufallen, sollte einmal dort gewesen sein.

Wer hätt´s gedacht?

„Der ostfriesische Soldat hisst im Kampf stolz die ostfriesische Nationalflagge: ›weißer Adler auf weißem Grund“, witzelte Otto Waalkes in den 1970er Jahren. Nun befinden sich auch Schneeglöckchen im Kampf – im Konkurrenzkampf der Natur um die Bestäubung durch Insekten. Sehen Schneeglöckchen im Schnee nicht aus wie die ostfriesische Nationalflagge? Und auch ohne Schnee (die ersten Ausflüge im Frühling machen Bienen erst, wenn es ca. 10 Grad warm ist): Haben die unscheinbaren Blüten überhaupt eine Chance gegen die knallgelben Blüten der Winterlinge oder die violetten des Krokus´?

Sie ahnen die Antwort: ja, haben sie. Denn uns Menschen scheinen Schneeglöcken zwar reinweiß. Doch Menschen sind den Schneeglöckchen herzlich egal (sorry, liebe Snowdrop-Maniacs!). Kernzielgruppe sind vielmehr Bienen und Hummeln. Diese Tiere nehmen Farben ganz anders wahr als wir und können Ultraviolett-Licht (UV) sehen. Für sie heben sich die stark UV-absorbierenden Schneeglöckchen-Blüten deutlich vom Hintergrund ab. Den blendet die Biene quais aus: Ab einer Geschwindigkeit von 5 km/h sieht sie schwarzweiß, das Farbsehen setzt erst ein, wenn sie ein Muster erkennt – wie eine Schneeglöckchen-Blüte. Das Blattgrün scheint ihr dann grau, die Blüte hingegen in einem leuchtenden Blau-Grün. Davon wusste Carl von Linné offenbar nichts, als er der Pflanze den Namen „Schneeweiße Milchblüte“ verpasste …


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