Garten-Reitgras 'Karl Foerster'

Garten-Reitgras im Botanischen Garten Gütersloh

Aus dem Garten für den Garten

Reitgräser sind nicht bei allen Berufsgruppen gleichermaßen beliebt. Das Land-Reitgras zum Beispiel treibt Förstern Sorgenfalten auf die Stirn, das Wald-Reitgras bringt Gärtner zum Verzweifeln. Doch über die Kreuzung aus beiden Arten, das Garten-Reitgras, lässt sich branchenübergreifend nur Gutes sagen. 

Woher stammt der Name „Garten-Reitgras“?

Das Garten-Reitgras heißt Garten-Reitgras, weil es speziell für die Verwendung als Ziergras in Gärten gezüchtet wurde. Das „Reit-“ im Reitgras stammt vom Wort „Rodung“. Viele Reitgras-Arten gelten als „Kahlschlagpflanzen”, die schnell und gut auf gerodeten Flächen wachsen und zu den ersten Pflanzen gehören, die ein solches freiwerdendes Gebiet besiedeln. 

Das „ד im wissenschaftlichen Name „Calamagrostis × acutiflora“ zeigt an, dass es sich um eine Hybride, eine Kreuzung zweier Pflanzenarten handelt. Der Gattungsname  „Calamagrostis” beinhaltet die griechischen Wörtern „kalamos“ für „Rohr, Schilf“ und „agrostis“ für „Gras, Quecke“. Der lateinische Artname „acutiflora“ bedeutet „spitzblättrig“.

Garten-Reitgras Karl Foerster

Woher stammt das Garten-Reitgras?

Das Garten-Reitgras ist eine Züchtung, die in einem Garten für einen Garten erschaffen wurde. Grundlage der Kreuzung waren das Wald- und das Land-Reitgras. Beide Arten kommen in den gemäßigten Zonen Eurasiens vor; das Land-Reitgras auch bei uns in der Westfälischen Bucht, das Wald-Reitgras eher in den höheren Lagen der Mittelgebirge zwischen Harz und Erzgebirge. 

Die spezielle Sorte im Botanischen Garten Gütersloh trägt den Namen ‘Karl Foerster’ und ehrt damit jemanden, der sich besonders gut mit Pflanzenzüchtung und -kreuzungen auskannte: den „Staudenpapst“ Karl Foerster. Den erwähnten wir in unseren Pflanzenporträts schon mehrfach, weil er viele Sorten erschuf, die den Botanischen Garten verschönern – siehe den Langblättrigen Ehrenpreis ‘Blauriesin’, den Wald-Geißbart ‘Zweiweltenkind‘ oder die Elfenblume.

Foerster ist für die poetisch-kreativen Namen bekannt, die er seinen Züchtungen gab; seine Asternsorten z. B. nannte er Koboldkugel, Blütenschirm, Nachsommerschatz oder Dauerblau (wobei letzteres auch ein ›Mallorca-Hit von Mickie Krause sein könnte). So phantasielos und selbstverliebt, dass er eine Pflanze nach sich selbst benannt hätte, war er nicht. Tatsächlich wurde die Reitgras-Sorte ‘Stricta’ (lateinisch für “dicht, straff”) nach seinem Tod 1970 zu seinen Ehren umbenannt. 

Wo finde ich Garten-Reitgras im Botanischen Garten Gütersloh?

Zusammen mit der Rutenhirse in den Beeten entlang der Rasenfläche, gegenüber vom Kugelahorn.

Garten-Reitgras

Wie pflanze ich Garten-Reitgras im eigenen Garten?

Im sonnenbeschienenen Beet. Denn je schattiger es steht, desto wahrscheinlicher knicken die eigentlich stattlichen, mannshohen Halme ein. Bei ausreichender Lichtzufuhr hingegen bleiben selbst die vertrockneten Halme standhaft, weshalb das Gras auch als ganzjähriger Sichtschutz eingesetzt wird. 

Das Garten-Reitgras ist derart robust und genügsam, dass es an 364 Tagen keinerlei Pflege erfordert. Am 365. sollten Sie es schneiden, um Platz für die neuen Triebe zu schaffen. Wann dieser Tag ist? Irgendwann im Frühjahr. Ihn genau abzupassen, darin liegt die einzige echte Herausforderung des Garten-Reitgras-Besitzers.

Wobei es nicht schlimm ist, wenn er einige Tage zu früh dran ist, denn schlimmstenfalls beraubt er sich so für einige Tage der schönen Gräserkulisse. Einige Tage zu spät ist ärgerlicher, denn dann haben sich die frischen Triebe mit den vertrockneten Halmen vermischt und der Schnitt wird eine recht mühsame und kaum erfolgreich zu meisternde Angelegenheit. 

Wer hätt’s gedacht?

Schauen wir noch einmal auf die Eltern des Garten-Reitgrases. Das Land-Reitgras besticht durch seinen aufrechten Wuchs und seine Standfestigkeit. Allerdings neigt es zum Wuchern. Und das ist noch untertrieben: Das konkurrenzstarke Gras bildet derart dichte und weitreichende Wurzelausläufer, dass es als „Forstunkraut“ gilt. Ganze Areale überzieht es mit seinen Halmen, die das Wachstum anderer Pflanzen auf Jahre be-, wenn nicht verhindern. Eine Studie wies nach: Der Artenreichtum auf einer Fläche nimmt um 75% ab, sobald sich Land-Reitgras dort breitmacht. Erst wenn sich Bäume entwickelt haben, wendet sich das Blatt bzw. das Gras. Denn im Schatten knickt das Heer der Halme ein. 

Das Wald-Reitgras dagegen wächst horstartig und bilder kürzere Ausläufer, seine Ausbreitung ist längst nicht so aggressiv und im Beet deutlich besser zu kontrollieren. Allerdings sind seine Halme windbruchanfällig und knicken in den Wintermonaten ein. 

Was passiert nun, wenn man beide Pflanzen kreuzt? Im schlechten Fall wäre dabei ein Gras entstanden, das die unschönen Eigenschaften der Mutterpflanzen vereint und jede Freifläche in eine Grassteppe voll umknickender Halme verwandelt hätte. Doch zum Glück setzten sich die positiven Eigenschaften durch: Das Garten-Reitgras vereint den zierenden Wuchs des Land- mit dem eindämmbaren Ausbreitungsdrang des Wald-Reitgrases – und schmückt daher den Botanischen Garten Gütersloh.



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