Davids-Glanzmispel

Davids-Glanzmispel

Das Feuerbrandopfer

Die „Gütersloher Schweiz“ war ein hügeliges Gelände in Pavenstädt, dessen Dünen für den Bau des Flugplatzes und der Autobahn in den 1930er Jahren fast vollständig abgetragen wurde. Seitdem gilt an der Dalke schon der Rodelhügel an der Großen Wiese als alpin. Wer als Gütersloher echte Berge sehen möchte, muss in die Schweiz. Dafür haben wir etwas, dass die Schweizer nicht haben: eine legal gepflanzte Davids-Glanzmispel im Botanischen Garten.

Woher stammt der Name „Davids-Glanzmispel“?

Das deutsche Wort „Mispel“ lässt sich bis zum griechischen Namen der Pflanze „méspilon“ zurückverfolgen. Dann aber verliert sich die sprachgeschichtliche Spur. Einfacher erklärt sich der Artname: Glanzmispeln zeichnen sich durch glänzende Blätter aus.

Der David in Davids-Glanzmispel ist der französische Naturforscher und Geistliche ›Armand David, der in den 1860er- und 1870er-Jahren in China lebte. Er scheiterte an der Christianisierung des Landes, leistete dafür aber wertvolle Pionierarbeit bei der Erforschung der ostasiatischen Tier- und Pflanzenwelt. Mehrere wissenschaftliche Namen von Tieren und Pflanzen sind ihm deshalb gewidmet, z. B. Buddleja davidii und Davidia involucrata.

Alternativnamen, unter denen man den Strauch bisweilen im Handel findet, sind Lorbeermispel und Funkenblatt.

Der Gattungsname „Stranvaesia“ ehrt ›William Fox-Strangways (1795-1865). Der 4. Earl of Ilchester war vielseitig interessiert und hatte zudem die Kontakte, das Geld und die Zeit (er blieb kinderlos), zahlreichen Hobbys nachzugehen. In diplomatischen Diensten stehend, sammelte er Gemälde italienischer Meister, erlernte slawische Sprachen, kartografierte russische Böden sowie, und allein das ist hier relevant, beschäftigte sich mit der europäischen Pflanzenwelt.

Der vollständige botanische Name der Davids-Glanzmispel lautet „Stranvaesia davidiana“, auch der wissenschaftliche Artname verweist also auf Armand David.

Woher stammt die Davids-Glanzmispel?

Wie alle Arten der Gattung aus Ostasien. Die Davids-Glanzmispel wächst in Tibet und im Himalayagebiet.

Wo finde ich eine Davids-Glanzmispel im Botanischen Garten Gütersloh?

Ein Exemplar steht zwischen den Holzlauben im Asterngarten.

Wie pflanze ich eine Davids-Glanzmispel im eigenen Garten?

Die Davids-Glanzmispel gilt als pflegeleicht, schnittverträglich, halbwegs winterhart und äußerst dekorativ. Das immergrüne Gehölz schmückt sich im Mai und Juni mit weißen Blütenrispen und ganzjährig mit einem gemischtfarbigen Blattwerk aus glänzend-grünem und rotem Laub.

Was also spricht dagegen, es einmal im eigenen Garten mit einer Davids-Glanzmispel zu versuchen? Antwort: der nächste Absatz.

Wer hätt’s gedacht?

1957 trat in England und damit erstmals in Europa eine Pflanzenkrankheit auf, die Obstbauern und Baumschulenbesitzer verzweifeln ließ: Feuerbrand. Für den Menschen ist das ursächliche Bakterium ungefährlich, befallene Pflanzen sterben jedoch ab. Die Blätter werden schwarz und welken, das Gehölz wirkt wie verbrannt – daher der Name. Um 1800 zum ersten Mal in Nordamerika beobachtet, ist Feuerbrand seit Ende der 2000er-Jahre in weiten Teilen Europas zum Problem geworden.

Besonders heftig traf es die Schweiz, wo sich die Krankheit im Jahr 2007 landesweit ausbreitete. In einigen Kantonen waren mehr als zwei Drittel aller Plantagen betroffen. Ein wirksames und vor allem naturverträgliches Mittel gibt es bis heute nicht.

Die Schweiz erließ daher eine Verordnung, die die Produktion und den Handel mit Pflanzen verbietet, die als besonders anfällige Wirtspflanzen des Erregers bekannt sind. Und mit am anfälligsten für Feuerbrand-Befall hat sich welche Pflanze erwiesen? Die Glanzmispel! Schweizer Gartenbesitzer wurden aufgerufen, ihre vorhandenen Sträucher zu roden und zu verbrennen. Befallene Sträucher mussten gemeldet werden. Neue Glanzmispeln zu pflanzen wurde verboten.

Wie erfolgreich diese Strategie war? Halberfolgreich. Auf ›www.feuerbrand.ch ist der aktuelle Status nachzulesen. Dort heißt es: „Der Erreger kann in der Schweiz nicht mehr getilgt werden; daher wird es ein Leben mit dem Feuerbrand geben.“ Die Meldepflicht für feuerbrandbefallene Pflanzen wurde zum 1. Januar 2020 aufgehoben, das Pflanz- und Vermehrungsverbot für Glanzmispeln blieb aber bestehen. Davids-Glanzmispeln werden Sie in der Schweiz daher nicht in größerer Zahl finden. 

Ostwestfalen blieb von einer seuchenartigen Feuerbrand-Verbreitung bislang verschont. In Gütersloh darf die Davids-Glanzmispel weiter ihr ostasiatisches Flair im Asterngarten verbreiten.



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