Brennende Liebe

Brennende Liebe

Vorabendserie im Blumenbeet

„Als Gartenschmuck das schönste, was man sehen kann“ – zu dieser Einschätzung kam Goethe während eines Kuraufenthaltes in Wiesbaden angesichts der Blütenpracht, die die Staude „Brennende Liebe“ entfaltet.

Nun hat sich der ausgewiesene Pflanzenfreund im Laufe seines Schaffens zu einer ganzen Reihe von Gewächsen wie der Artischocke oder dem Ginkgo ähnlich euphorisch geäußert, doch das ändert nichts an der Richtigkeit seines Urteils. Dass der 65-jährige Goethe in Wiesbaden just Marianne von Willemer kennengelernt hatte und tatsächlich so etwas wie brennende Liebe empfand, während er seiner Gattin in Weimar von südsibirischen Stauden vorschwärmte, lassen wir, um die Romantik nicht vollends zu zerstören, einfach unerwähnt.

Woher stammt der Name „Brennende Liebe“?

Brennende Liebe – das klingt wie eine ARD-Vorabendserie oder ein Albumtitel von Andrea Berg. Ihre auffällig rot gefärbten Blüten werden den Volksmund zu dieser Bezeichnung veranlasst haben. Ein Alternativname der Brennenden Liebe ist „Scharlachs-Lichtnelke“. So dürfen wir bei der Erläuterung des botanischen Namens „Lychnis chalcedonica“ auf unserer Porträt der Kuckucks-Lichtnelke verweisen. Mit den Fasern von Lichtnelken wurden schon in der Antike Dochte für Öllampen hergestellt – daher der deutsche Name sowie der botanische Gattungsname „lychnis”, griechisch für Leuchte.

Brennende Liebe

Der Artname „chalcedonica“ bezieht sich auf die in der Antike gegründete Hafenstadt Chalkedon, heute ein Stadtteil von Istanbul. Am Bosporus liegt zwar nicht das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Pflanze. Doch die Meerenge war schon immer gleichsam Grenze wie Brücke zwischen Asien und Europa. Über sie gelangte die Pflanze ins christliche Abendland – zu einer Zeit, als aus Istanbul (damals Konstantinopel) viele wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Impulse nach Europa kamen. Das ist lange her und datiert im Fall der Brennenden Liebe auf die Mitte des 16. Jahrhunderts.

Woher stammt die Brennende Liebe?

Wildwachsende Exemplare der Brennenden Liebe finden sich im Nordosten Asiens – von Russland über Südsibirien und der Mongolei bis nach Nordchina. Die Tataren verwendeten die Blütenstände der Pflanze als Seife. Über Handelswege des Osmanischen Reiches und im weiteren Verlauf der Republik Venedig gelangten die Pflanzen auch in unsere Breiten. Der Züricher Arzt, Naturforscher und Humanist Conrad Gessner war 1560 der erste, der nachweisbar Brennende Liebe in Mitteleuropa kultivierte.

Wo finde ich Brennende Liebe im Botanischen Garten Gütersloh?

In den Beeten zwischen dem Apothekergarten / dem Zentrum des Sonnengartens und dem Ausgang zur Dalkeinsel.

Wie pflanze ich Brennende Liebe im eigenen Garten?

Man sollte meinen, eine Pflanze aus Sibirien – und wenn es nur Südsibirien ist – wäre gegen Kälte, Wind und Nässe gefeit. Das stimmt insofern, als dass die Brennende Liebe durchaus robust und vollkommen winterhart ist. So kalt kann es in Ostwestfalen gar nicht werden, als dass es der alten Bauerngartenpflanze etwas anhaben könnte. Was den Sommer betrifft, so unterschätzt man leicht die Temperaturentwicklung jenseits des Urals. Zwischen Juni und August herrscht in Sibirien meist bestes T-Shirt-Wetter, speziell im Juli klettert das Termometer regelmäßig über 30 Grad. So mag es auch die Brennende Liebe hell, warm und windgeschützt.

Wer hätt´s gedacht?

Das Malteserkreuz ist ein uraltes Symbol. Schon im 6. Jahrhundert verwendeten die Byzantiner das achtspitzige Kreuz als schmückendes Element in Architektur und Kunsthandwerk. Eine europaweite Verbreitung fand es als „Logo“ des Maltester-, des Johanniter- und des Lazarus-Ordens. Als solches wurde es symbolisch aufgeladen. So stehen die acht äußeren Spitzen für die acht Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt (nach Matthäus), die vier nach innen zeigenden Spitzen symbolisieren die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Das Rot des Kreuzes steht für das Blut und damit das Leben, des Jesus mit seinem Kreuzigungstod für die Menschheit geopfert hat, und für die brennende Liebe zu Gott, das Weiß des Hintergrundes für Reinheit und Unschuld.

Das alles kann, aber muss man nicht wissen, wenn man die Brennende Liebe im Botanischen Garten sieht. Aber nicht nur gebürtige Malteser werden im Angesicht der Blüten, ihrer Form und Farbe, an ein klassisches Malteserkreuz erinnert. Weshalb die Staude im Handel auch bisweilen unter dem Namen „Malteserkreuz“ verkauft wird – das sollte man berücksichtigen, wenn man Brennende Liebe im Gartencenter sucht.



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