Europäische Eibe

Eibe

Den Bogen überspannt

Früher konnte man in vielen Regionen Europas durch Eibenwälder spazieren – oder mindestens durch mit Eiben durchsetzte Mischwälder. Wer ist daran Schuld, dass wir das heute nicht mehr können, weil die Eibe im Bestand stark gefährdet ist? Die Engländer! Bzw. wenn man die Engländer fragt: die Schotten! Bzw. der EU-Binnenmarkt! Und ist der nicht letztlich an allem Schuld? Doch der Reihe nach …

Woher stammt der Name „Europäische Eibe“?

Die Europäische Eibe trägt Europa im Namen, weil sie von allen zehn Eibenarten die einzige ist, die in unseren Breiten wächst. „Eibe“ kommt vom Althochdeutsche „Iwa“, und damit bezeichneten die Menschen vor 1200 Jahren sowohl den Baum selbst als auch einen Pfeilbogen aus Eibenholz. Denn zum einen wurden die besten Bögen aus Eibenholz hergestellt, zum anderen hatte der Grundsatz „Baum = Bogen“ schon Tradition. Weitere 1200 Jahre zuvor hatten nämlich die Griechen ihren Bogen „toxon” genannt und damit die Basis für den lateinischen Namen der Eibe gelegt: „taxus“. Doch selbst die Griechen waren nicht die ersten gewesen, die den Bogen raus hatten: Schon Ötzis Bogenstab war aus Eibenholz. Der botanische Name „Taxus baccata“ bedeutet frei übersetzt „Beeren tragende Eibe“.

Woher stammt die Europäische Eibe?

Die Europäische Eibe war zu Beginn unserer Zeitrechnung in ganz Europa und darüber hinaus stark verbreitet, von Skandinavien bis Nordafrika, von den Azoren bis in den Iran. Heute gleicht die Bestandskarte einem Flickenteppich. In manchen Regionen, z.B. in der Normandie, im Baltikum und auf Sardinien, wachsen noch ganze Eibenwälder, andererseits gibt es Länder wie Dänemark oder die Niederlande, in denen nur Kleinbestände oder Einzelbäume zu finden sind.

Der Eibenmangel ist selbstverschuldet; der Baum wurde im Mittelalter in vielen Regionen ausgerottet. Ein Grund war seine Giftigkeit. Dass Kaninchen nach dem Verzehr von nur wenigen Nadeln tot umkippen – geschenkt. Dass immer mal wieder Menschen, warum auch immer, 100 Gramm Eibennadeln zu sich nahmen und unter Erstickungsanfällen ins Koma fielen – ein Gottesurteil. Aber dass sogar Pferde innerhalb weniger Minuten an Eibennadeln zugrunde gehen, konnte man der Eibe nicht durchgehen lassen. Pferde waren schließlich die Autos des Mittelalters, und bei Autos versteht der Mitteleuropäer keinen Spaß.

Wo findet man Eiben im Stadtpark?

Eiben waren wegen ihrer Schnitttoleranz schon immer beliebte Heckenpflanzen und werden zur Gartengestaltung genutzt. Im Stadtpark stehen zwei Eibenkegel im Botanischen Garten, und Eibenhecken umgeben den Spielplatz an der Eiswiese, ein Rondel und Sitzplätze auf dem Hügel an der Großen Wiese.

Wie pflanze ich eine Eibe im eigenen Garten?

Ihr Nachbar hat einen Urweltmammutbaum-Hain gepflanzt und versucht ihre Gartenkünste in den Schatten zu stellen? Nehmen Sie die Herausforderung an und pflanzen sie Eiben! Denn Eiben sind die schattenverträglichsten Bäume in Europa, 5% des Tageslichts genügt ihnen. Junge Eiben müssen sogar im Schatten aufwachsen, erst ältere Exemplare kommen auch mit sonnigeren Standorten klar.

Zugleich gilt die junge Eibe als „Eisberg“ unter den Bäumen. Heißt: Was man sieht, ist wirklich nur die Spitze. Zum Beginn ihres Lebens vernachlässigt die Eibe das Höhenwachstum und steckt einen Großteil ihrer Energie in den Aufbau eines Wurzelsystems, das auch dichtesten Boden durchdringt. Während sich der Gärtner angesichts geringer oberirdischer Wachstumsfortschritte ungeduldig fragt, ob sein Baum auf den Namen „Oskar Matzerath“ hört, hat sich die kleine Eibe längst zwei Meter tief ins Erdreich gebohrt.

Ihre Wurzelkraft macht sie zum regenerationsfähigsten heimischen Nadelbaum – sogar zum einzigen, der aus dem Stock ausschlagen kann. Aber Sie wollen den Baum ja nicht fällen, sondern pflegen.

Wer hätt´s gedacht?

Es gab neben der Giftigkeit des Baumes noch einen zweiten Grund, warum die mittelalterliche Menschheit die Eibe so stark dezimierte, dass sich der Bestand bis heute nicht davon erholt hat. Eibenholz war das Baumaterial für eine der wichtigsten Waffen jener Zeit, den Englischen Langbogen. Nun pflegte England damals über Jahrhunderte die schöne Tradition, sich mit Schottland zu bekriegen, und zwar vorzugsweise mit Langbögen. Der Bedarf an Eibenholz war immens. Schon im 13. Jahrhundert hatte England seine Bestände aufgebraucht und war auf Importe vom Festland angewiesen. Im 15. Jahrhundert musste jedes europäische Schiff, das mit England Handel treiben wollte, Eibenholz mitliefern (die Engländer hatten schon immer eine etwas eigenwillige Vorstellung vom EU-Binnenhandel …).

In der Folge wurde auch in Kontinentaleuropa das Eibenholz knapp; in Bayern z.B. fiel die letzte Eibe 1568. Keine drei Jahrzehnte später befahl Königin Elisabeth I. die Umrüstung des englischen Heeres von Langbögen auf Musketen. Einige Historiker sind überzeugt, sie tat das nicht wegen der (nicht vorhandenen) technischen Überlegenheit der Feuerwaffen, sondern allein des Rohstoffmangels wegen. So blieben zumindest einige Exemplare verschont – zu bestaunen im Stadtpark …


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