Akeleiblättrige Wiesenraute

Akeleiblättrige Wiesenraute

Einzigartiges Lockangebot

Feingliedrig, luftig-leicht, grazil, malerisch, anrührend – das sind typische Adjektive, die sich  in fast jedem Artikel zur Akeleiblättrigen Wiesenraute finden (dieser hier ist keine Ausnahme). Ihr schlanker Wuchs trägt ebenso dazu bei wie ihre ungewöhnlichen, ja hierzulande einzigartigen Blütenbüschel.

Woher stammt der Name „Akeleiblättrige Wiesenraute“?

Wenn sie nicht blüht, kann man Wiesenrauten leicht mit der Akelei verwechseln, da sich die Blätter der beiden Pflanzen gleichen wie eine Akelei der anderen. Den ersten Platz im Akeleiblatt-look-alike-Contest gewinnt die Akeleiblättrige Wiesenraute, was die stolze Staude gleich in ihren Namen übernommen hat. Dabei ist der eine Mogelpackung! So sind Wiesenrauten trotz ihres Namens keine Rauten-, sondern Hahnenfußgewächse.

Die sprachliche Ungenauigkeit ist allerdings historisch bedingt: Der irreführende deutsche Name „Akeleiblättrige Wiesenraute“ ist nur die Übersetzung des irreführenden botanischen Namens „Thalictrum aquilegiifolium“. Das griechische „tháliktron“ ist die Übersetzung von „Raute“ und geht auf das griechische Wort für „sprießen“ zurück; der botanische Name der Akelei lautet „Aquilegia“.

Beschwerden wegen der Namenswahl sind an Carl von Linné, Lehrstuhl für Botanik, Universität Uppsala, Schweden, zu richten, werden von ihm aber seit 1778 nicht mehr bearbeitet.

Woher stammt die Akeleiblättrige Wiesenraute?

Wildbestände der Akeleiblättrigen Wiesenraute finden sich auf Bergwiesen und Wäldern in Mittelgebirgen und Gebirgen der gemäßigten Zone Eurasiens – wenn sie sich finden. In Deutschland ist die Pflanze in ihrem Bestand gefährdet. Außerhalb des Botanischen Gartens wäre die Suche am ehesten in den Alpen, im Alpenvorland und im Oberrheintal erfolgreich.

Wo finde ich die Akeleiblättrige Wiesenraute im Botanischen Garten?

Am Teich des Naturnahen Gartens sowie in den Rhododendronbeeten neben der Tulpen-Magnolie.

Wie pflanze ich Akeleiblättrige Wiesenraute im eigenen Garten?

Eine Akeleiblättrige Wiesenraute kann bis zu anderthalb Meter hoch werden. Nicht alle Exemplare bleiben dabei standhaft, einige benötigen Stütze. Ansonsten ist die Wildstaude pflegeleicht.

Wer hätt´s gedacht?

Die Akeleiblättrige Wiesenraute hat etwas – für hiesige Verhältnisse – Einmaliges: einen Schauapparat aus Staubblättern. Ein Schauapparat ist nicht etwa ein altmodisches Wort für Fernseher; vielmehr bezeichnet der Botaniker damit Gesamtheit aller Organe, die eine Blüte für einen Bestäuber optisch attraktiv macht. Kurz: das, was die Bienen auf die Blumen fliegen lässt.

Bei den allermeisten Blumen sind das farbenfrohe Blütenblätter. Bei einigen wenigen Pflanzen – Beispiele sind Weihnachtsstern, Drillingsblume oder, besonders prägnant, Einblatt – sind das Hochblätter, also Blätter oberhalb der normalen Laubblätter, die in ihrer Form oder farblich von diesen abweichen. Und in seltenen Fällen sind das direkt die Staubgefäße. Ein Beispiel, das wir schon in dieser Reihe behandelten, ist der Zylinderputzer aus Australien. Auch bei mediterranen Myrten, ozeanischen Eukalypten und afrikanischen Akazien findet sich das Phänomen. In der mitteleuropäischen Flora sind die Staubbläuter der Akeleiblättrigen Wiesenraute als Hingucker jedoch ein Unikat.

Mit der Blüte im Mai und Juni wirft die Staude ihre grünweißen Kelchblätter ab, enthüllt unzählige weiße, helllila bis rosafarbene Staubblätter und entfaltet damit ihre ganze Pracht in riesigen Blütenpuscheln – ein unwiderstehliches Lockangebot, sowohl für Käfer und andere Insekten als auch für alle Fotografen im Botanischen Garten.  

Wiesenraute



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