Echter Alant

Helenas Tränen, Hildegards Wein

Echter Alant ist mit einer Wuchshöhe von bis zu 3 Metern und ihren goldgelben Blüten nicht zu übersehen. Was angeblich und tatsächlich alles in der Pflanze steckt, blieb aber vielen Besucherinnen und Besuchern des Botanischen Gartens Gütersloh bislang verborgen …

Woher stammt der Name „Alant“?

Wahrscheinlich vom altgriechischen Namen für die Pflanze, „helénion“, aus dem sich im Lateinische der Pflanzenname „inula“ und im Deutschen der „Alant“ entwickelte. Die eigentliche Bedeutung des Namens bleibt damit allerdings im Dunkeln. Vielleicht hatte der griechische Name eine Verbindung zu „helénium“ = „Flechtwerk“ oder es spielte eine Sage um die Zeus-Tochter Helena eine Rolle – so sollen dort, wo ihre Tränen auf den Boden trafen, Alantstängel sprießen. Immerhin zeigt es, dass die Pflanze auch schon in der Antike eine gewisse Rolle spielte.

Der botanische Name „Inula helenium“ ist quasi doppeltgemoppelt und lautet Alant-Alant.

Woher stammt der Echte Alant?

Aus Zentralasien, also die Region, in der heute die „-an“-Ländern liegen: Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kasachstan und Afghanistan. Mittlerweile wird er in ganz Eurasien angebaut.

Wo finde ich Echten Alant im Botanischen Garten?

Im Apothekergarten (vor der Sägepalme). Viel stärker als heute war Alant im Mittelalter als Heilpflanze bekannt und begehrt. Da sie außerdem in der Küche als Gewürz eingesetzt wurde, wurde die Pflanze hoch gehandelt. Ihre medizinische Wirkung wurde bisweilen überschätzt, man setzte sie als Allheilmittel ein, zur Stimmungsaufhellung bei Depressionen ebenso wie bei der Behandlung von Pestgeschwüren. Ihre schleimlösende, magenstärkende und harntreibende Wirkung ist allerdings belegt. Dennoch spielt Alant in der modernen Medizin kaum noch eine Rolle.

Die große Alant-Begeisterung in früheren Jahrhunderten ist umso erstaunlicher, als Alant stark allergen ist, d. h. viele Menschen reagieren allergisch auf die Pflanze; bei Kontakt kommt es zu Juckreiz, Rötungen, bisweilen sogar schweren Ekzemen. Auch darf Alant nicht in zu großen Mengen genossen werden, weil die Inhaltsstoffe dann giftig wirken und es zu Überlkeit und Erbrechen, schlimmstenfalls zu Krämpfen und Lähmungen kommen kann.

Wie pflanze ich Echten Alant im eigenen Garten?

Als Hingucker oder Hintergrund, d. h. entweder als Solitärpflanze an zentraler Stelle oder als Kulisse für andere Pflanzen in den hinteren Teil des Beets oder am Zaun. Die behaarten Stängel wachsen mindestens einen Meter, gerne aber auch zwei Meter hoch, im Einzelfall noch höher. Haben die Pflanzen einen sonnigen Standort, leuchten im Juli und August ihre gelbe Blütenkörbchen in hohen Doldentrauben und ziehen alle Blicke auf sich. Auch die großen, filzartigen Blätter machen die Pflanze zu einer besonderen.

Wer hätt´s gedacht?

Alantwein war bis ins 17. Jahrhundert weit verbreitet. Hildegard von Bingen empfahl sogar, ihn vor jeder Mahlzeit zu sich zu nehmen, allerdings in Maßen, d. h. in einem Schnaps- statt einem Weinglas. Die Herstellung ist denkbar einfach: Man lege 50 Gramm Alantwurzel in einen Liter Wein und lasse die Flasche mindestens eine Woche ziehen. Anschließend siebt man die Wurzel aus und süßt den Wein mit Honig, da die Wurzel sehr bitter schmeckt. Allzu lecker darf es aber auch gar nicht schmecken – siehe Vergiftungsgefahr und Allergien …


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