Duftveilchen

Duftveilchen Blüte

Achtung vor Mogelpackungen – hier gibt´s das Original!

Was nahm Napoleon mit bis in den Tod? Was gilt in Toulouse als Delikatesse? Bei welcher Pflanze dachte Freud an Sex? Und vor allem: Was riecht da so gut im Botanischen Garten? Die Antwort lautet jeweils: Duftveilchen!

Schon die Athener bepflanzten ganze Gärten mit Duftveilchen, um mit der Blütenpracht im März und April Auge und Nase zu verwöhnen.So gesehen können sich die Stadtgärtner bei der Pflege der Duftveilchen im Botanischen Garten auf eine jahrtausendealte Tradition berufen.

Woher stammt der Name „Duftveilchen“?

Das Duftveilchen heißt Duftveilchen, weil – naja, das können Sie sich denken. In der römischen Mythologie schaffte es der hässliche Feuergott Vulcanus, das Topmodel Venus abzuschleppen – aber nur, weil er sich dandyhaft in Veilchenduft gehüllt hatte. Seit Jahrhunderten werden die ätherischen Öle des Duftveilchens als Rohstoff für die Parfümindustrie genutzt, wenngleich heute der süße Duft fast immer synthetisch erzeugt wird. Viele „Veilchenparfüms“ sind auch aus Schwertlilienwurzeln hergestellt, die genauso riechen, aber ergiebiger zu verarbeiten sind als Veilchenblüten. Im Regal steht also manche „Mogelpackung“ – das Original finden Sie im Botanischen Garten!

Das Wort „Veilchen“ kommt über die lateinische „Viola“ von der griechischen „Iole“, kurz Io. Die war in der Mythologie eine bildhübsche Nymphe, in die sich Zeus verguckt hatte (mal wieder – wer diese Kolumne regelmäßig liest, wird feststellen, dass mehrere Dutzend Pflanzennamen auf Frauen zurückgehen, auf die der Göttervater scharf war). Seine Gattin Hera schöpfte Verdacht und Zeus verwandelte Io zur Tarnung in eine Kuh (darauf muss man erst einmal kommen!) und das Gras auf der Weide in eine Veilchenwiese. Denn nur diese wunderschönen Blumen kamen seiner Meinung nach als Futter für seine wunderschöne … äh… Kuh infrage. Blöd: Durch die Veilchenwiese war seiner Hera gleich klar, was da gespielt wird. Sie verjagte die Kuh bzw. die Nymphe. Io floh nach Italien, über das Meer, das seitdem nach ihr „Ionisches Meer“ genannt wird.

„Viola odorata“ ist also keine italienische Schlagersängerin, sondern der vollständige botanische Pflanzenname, den man frei mit „duftend machende kleine Io“ übersetzen könnte.

Woher stammt das Duftveilchen?

Die ursprüngliche Heimat ist das gesamte Mittelmeergebiet mit Ausläufern bis zum Kaukasus. Heute gehört das Duftveilchen zusammen mit den Stiefmütterchen und den Hornveilchen zu den am weitesten verbreiteten der über 500 Veilchenarten und ist in Gärten und Parks auf der ganzen Welt anzutreffen.

Wo finde ich Duftveilchen im Botanischen Garten?

Zusammen mit anderen stark riechenden (keine Angst: zumeist duftenden) Pflanzen wie der Madonnen-Lilie oder dem Japanischen Geißblatt im Geruchstunnel zwischen Apothekergarten und Dalke. Man übersieht sie dort leicht, aber das passt zu ihnen. Nicht grundlos schrieben sich junge Mädchen früher in die Poesiealben: „Dem kleinen Veilchen gleich, das im Verborg´nen blüht, sei immer fromm und gut, auch wenn dich niemand sieht.“ Oder „Sei wie das Veilchen im Moose: sittsam, bescheiden und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Solch botanische Vergleiche liest man von jungen Mädchen heute nur noch selten.

Wie pflanze ich Duftveilchen im eigenen Garten?

Den richtigen Standort vorausgesetzt – ein lichter Schattenplatz in nährstoffreicher, nicht zu trockener Erde – macht das Duftveilchen wenig bis gar keine Arbeit und erfreut dennoch zuverlässig mit seinen Blüten Menschen wie Insekten. Eine dankbare Pflanze für Leute, die Gartenbesitzer, aber keine Gärtner sind.

Duftveilchen - Viola odorata

Wer hätt´s gedacht?

Fünf Fakten über Veilchen:

  1. Nach dem Tod Napoléon Bonapartes fand man in der goldenen Kapsel seiner Halskette zwei getrocknete Veilchen. Seiner großen Liebe Joséphine hatte der kleine Kaiser am Abend ihres Kennenlernens einen Veilchenstrauß zugeworfen.
  2. Das Veilchen steht für Demut und Bescheidenheit, wie die obigen Poesiealbumeinträge belegen. Die Stadtgärtner im Botanischen Garten Gütersloh würden aber ganz andere Sprüchlein auswählen, denn sie wissen, wie durchsetzungsstark die zähe Pflanze in Wirklichkeit ist: Sie verbreitet sich schnell und wurzelt dabei sogar in Rasenflächen.
  3. Vom Beet ins Bett: Für Sigmund Freud standen Veilchen in Träumen als Symbol für Sex; er mutmaßte eine Verbindung zum englischen „violate“ = vergewaltigen (darauf muss man erst einmal kommen!).
  4. Gesichert ist hingegen, warum wir die Veilchenfarbe als „violett“ bezeichnen: „la violette“ heißt die Blume auf Französisch, und violett damit nichts anderes als „veilchenfarbig“. Eine südfranzösische Spezialität sind „Violettes de Toulouse“, gezuckerte Veilchenblüten.
  5. Noch in den 1930er Jahre zogen die Blumenzüchter möglichst langstielige Duftveilchen heran, weil die Pflanzen damals als Schnittblumen verwendet wurden. Heute liegt der Zuchtfokus auf Blütenfarbe und (natürlich) -duft – wie ein Besuch am Dufttunnel beweist.

Lesen Sie als nächstes …

Japanische Prachtspieren

Japanische Prachtspieren

Von Tokio über Wuppertal nach Gütersloh Obwohl aus Ostasien stammend, sind Prachtspieren hierzulande längst keine Exoten mehr und auch in vielen Privatgärten anzutreffen. Zur ihrer weltweiten Verbreitung trug schon vor… Weiterlesen