Raue Hortensie

Raue Hortensie

Rauer Charme aus Nepal

Wikinger gelten als rau – aber Hortensien? Die Raue Hortensie ist in Wirklichkeit eher mimosenhaft und weniger hart im Nehmen. Eigentlich hat sie nur eine Sache mit den furchteinflößenden Nordmännern gemeinsam: den Durst. Warum sie ihren Namen trotzdem zurecht trägt, verraten wir gleich zu Beginn:

Woher stammt der Name „Raue Hortensie“?

„Hortensie“ kommt vom lateinischen „Hortus“ = Garten und heißt „zum Garten gehörig“ – ein sehr passender Name, gedeihen doch mehr Hortensien in Gütersloher Gärten als Miniermotten in einer Rosskastanie. Die hier behandelte Hortensienart hat im Deutschen drei gleichermaßen gebräuchliche Namen, und alle beziehen sich auf die Behaarung ihrer Blätter: Weil deren Unterseite mit einem weiß-grauen Flor überzogen ist, nennt man sie Raue Hortensie, Samthortensie oder Fellhortensie. Der Volksmund hat also offenbar ganz unterschiedliche Assoziationen bei der Berührung des Laubs; für manche fühlen sich die Blätter weich wie ein Babypöter an, andere empfinden sie als so rau wie die Sitten im US-Wahlkampf. Fest steht: Die Haptik dieser Hortensie ist außergewöhnlich (wie auch beim Woll-Ziest).  

Die botanische Bezeichnung lautet „Hydrangea aspera“. Den Gattungsnamen kann man wörtlich mit „Wasserkrug“ übersetzen, im übertragenen Sinn mit „Wasserschlürferin“ – Hortensien haben einen großen Flüssigkeitsbedarf. Das gilt insbesondere für die Raue Hortensie, über deren große, oft drei Handbreit lange Blätter Feuchtigkeit schnell verdunstet.

„Aspera“ heißt „rau“, vielleicht bekannt durch die Redensart >„per aspera ad astra“ = „Durch das Raue zu den Sternen“ = „Der Weg nach oben ist hart und steinig.“

Raue Hortensien im April

Woher stammt die Raue Hortensie?

Die älteste Beschreibung der Pflanze verdanken wir dem schottischen Botaniker >David Don. Er arbeitete 1825 an der Veröffentlichung von „Prodromus florae nepalensis“, einer ausführlichen Darstellung der nepalesischen Pflanzenwelt in lateinischer Sprache. Ob außer dem Lektor jemand dieses Buch komplett gelesen hat, ist fraglich, ein Bestseller wurde es jedenfalls nicht und vermutlich würde auch ein Nachdruck bei Amazon nur einen siebenstelligen Bestellrang einnehmen.

Immerhin bringt uns das Werk aber zum Ursprung der Rauen Hortensie. Wobei Nepal nicht mit dem Himalaya gleichzusetzen ist: Der Staat liegt in drei Klimazonen, die Hortensie wächst in den gemäßigten und subtropischen Regionen. Wildbestände gibt es in einem breiten Band, das sich vom Vorhimalaya und dem Tiefland Nepals über ganz Südostasien bis nach Indonensien zieht.

Wo finde ich eine Raue Hortensie im Botanischen Garten?

Zum Beispiel im Farbgarten vor den Lauben, unweit der Sonnenuhr. Und an der Hyazinthenwiese am Eingang Park-/Ecke Badstraße. Direkt rechts abbiegen Richtung Schutzhütte (die mit den Vogelbestimmungs-Tafeln) und auf das Beet rechts vom Weg achten.

Raue Hortensien im März

Wie pflanze ich eine Raue Hortensie im eigenen Garten?

Die Pflege einer Rauen Hortensie ist nicht schwer – wenn man ihren Durst in den Griff bekommt. Die Herausforderung: Die Pflanze braucht viel Wasser, verträgt aber keine Staunässe. Im Sommer lässt sie oft schon nach zwei regenfreien Tagen ihre Blätter hängen; ist auch weiterhin keine Gießkanne in Sicht, wirft sie Blüten und Knospen ab. Den Schlauch eine halbe Stunde ins Beet zu legen ist aber auch keine Lösung, zumindest nicht bei lehmigen Böden – dann droht Wurzelfäule. Der Boden sollte also idealerweise locker sein oder aufgelockert werden, damit das Wasser abfließen kann.

Auch beim Standort gilt es, ein gesundes Mittelmaß zu finden: In der prallen Sonne verdunstet ihre Flüssigkeit zu schnell, im Schatten bleiben ihre Blüten mickrig. Am besten gedeihen sie im Halbschatten.    

Wer hätt´s gedacht?

Die Raue Hortensie hat vielen anderen Hortensien-Arten in unseren Gärten etwas Wichtiges voraus: Sie ist eine wertvolle Bienenweide. Je schöner und prächtiger die „normalen“ Hortensien beim Blumenhändler blühen, umso wahrscheinlicher handelt es sich dabei um gezüchtete Hybrid-Sorten. An diesen können sich zwar Imker, aber keine Immen erfreuen – die Pflanzen sind geschlechtslos und damit für Bestäuber wertlos.

Ein solch künstlich geschaffener Hortensienhain verwandelt zwar ihren Garten in eine Walt-Disney-alles-so-schön-bunt-hier-Kulisse, aber es ist eben aus Bienensicht nur eine Kulisse. In einem naturnahen Garten finden sich den Insekten zuliebe eher Arten wie die Raue Hortensie. Wenn Ihnen das zu rau und wikingermäßig klingt, sagen sie halt einfach Samthortensie dazu …


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