Rotbuche, Hängebuche, Farnblättrige Buche

Die Nummer 1 im Laubwald

Buchen sollst Du suchen – dieser Verhaltensregel ist bei Gewitter gefährlicher Unsinn. Bei Sonnenschein lohnt sich die Suche nach Rotbuchen im Stadtpark dagegen sehr – zumindest nach zwei besonderen.

Woher stammt der Name?

Vor rund 3.500 hieß die Buche im indogermanischen Sprachraum „bhagós“ – es war die Wurzel für den deutschen Pflanzennamen ebenso wie für die lateinische Bezeichnung „fagus“. Einen Wald bezeichneten die alten Römer mit „silva“. Der botanische Name der Rotbuche „Fagus sylvatica“ bedeutet also Waldbuche. Und das zurecht, wie der nächste Abschnitt zeigt. Die Bezeichnung Rotbuche ist dagegen irreführend, da ihr Holz nur leicht rötlich schimmert. Ein tieferer Rotton entsteht erst in der Holzveredelung durch das Dämpfen.

Woher stammt die Pflanze?

Die Rotbuche kommt in ganz Zentraleuropa vor, vom Süden Skandinaviens bis in den Norden Siziliens. In unseren Pflanzenporträts stellen wir viele Pflanzen aus dem Stadtpark vor, die in freier Natur vom Aussterben bedroht sind. Die Rotbuche gehört nun gerade nicht dazu. In deutschen Wäldern bedeckt sie rund 15% der Fläche (in NRW sogar 18%) und ist damit der am häufigsten anzutreffende Laubbaum. Allerdings droht einzelnen Beständen Gefahr durch den ›Rotbuchenrindenkugelpilz (merken Sie sich den Namen – bringt leichte 42 Punkte beim Scrabblen), dem in den letzten Jahren auch in OWL schon mehrere Hektar Rotbuchenwald zum Opfer fielen.

Hängebuche an Ibrüggers Teich

Hängebuche an Ibrüggers Teich

Wo finde ich Rotbuchen im Stadtpark?

Döppen auf – da steht eine. Woran man eine Buche erkennt, weiß jeder Grundschüler, zur Not fragen Sie einen. An dieser Stelle wollen wir Sie vielmehr auf zwei besondere Ziersorten hinweisen. Direkt an der Kugelkaskade an Ibrüggers Teich wächst eine Trauer- bzw. Hängebuche (Fagus sylvatica pendula), die in ihrer Form an eine Trauerweide erinnert. Und am Dufttunnel im Botanischen Garten hat sich eine Dreier-Gruppe von Farnblättrigen Buchen etabliert (Fargus sylvatica asplenifolia). Nach diesen Ziergehölzen würden sie beim Spaziergang durch den Lutterwald wohl vergeblich suchen – da lohnt der Weg in den Stadtpark (bzw. der lohnt ja immer) sowie der geschärfte Blick auf diese beiden Cultivare.




Wie pflanze ich Rotbuchen im eigenen Garten?

Nicht ohne vorher darüber nachzudenken, wo: Rotbuchen werden sehr alt (300 Jahre und älter), sehr hoch (30 Meter und höher) und sehr ausladend (Die Krone beschattet bis zu 600 qmn. Auf die Grundstücksgrößen Gütersloher Neubaugebiete umgerechnet sind das vier Einfamilienhäuser.)

Wer hätt´s gedacht?

Vier Fakten zu Rotbuchen:

  1. In der Nähe der schottischen Stadt ›Perth reihen sich auf einem halben Kilometer bis zu 36 Meter hohen Rotbuchen (englisch „beech“) dicht an dicht. Als „Meikleour Beech Hedge“ ist diese Pflanzenformation im Guinness Buch der Rekorde als höchste Hecke der Welt verzeichnet. Die würde sich sicher auch im Heckengarten des „Botanischen“ gut machen, allerdings würde es dann im Palmenhaus-Café doch arg dunkel.
  2. Stark und stolz trotzen Rotbuchen Wind und Wetter, überdauern die Jahrhunderte – und reagiert wie empfindliche Mimosen auf leichte Erdanschüttungen im Wurzelbereich. Die Anhebung des Bodenniveaus schon um zehn Zentimeter rund um den Stamm lässt eine Rotbuche mittelfristig absterben.
  3. In der ›Akte X der Rotbuche findet sich ein mysteriösen Phänomen: An Stämmen von ca. 80-jährigen Rotbuchen sind Erscheinungen zu beobachten, die in ihrer Struktur Strömungsrippeln im Wattenmeer oder der Oberfläche eines Waschbretts ähneln. Diese Muster treten an der windabgewandten Seite auf. Doch allein mit Windeinwirkung lässt es sich nicht erklären: Direkt neben den sogenannten Rippelbuchen können gleich alte Exemplare ohne die markanten Muster stehen. Scully und Mulder, übernehmen sie!
  4. „Vor Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen“, so lautet eine Volksweisheit für das Verhalten bei Gewitter. Das ist grober und vor allem gefährlicher Unsinn. Wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald statistisch belegen kann, wird keine Baumart seltener vom Blitz getroffen als andere. Wie kommt der Volksmund auf solche Ideen? Vom Reim abgesehen, ist es so, dass Blitzeinschläge in Eichen sichtbarer sind. Die zerklüftete Eichenborke ist bei Gewitter schnell mit Wasser vollgesogen und empfänglich für elektrische Entladung. Am glatten Buchenstamm jedoch wird der Blitz direkt in den Boden geleitet, ohne dass der Baum sichtbaren Schaden nimmt. Wer allerdings unter dem Baum Schutz gesucht hat, für den geht die Geschichte in beiden Fällen gleich böse aus.


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