Echte Sumpfzypresse

Sumpfzypresse

Das Urzeit-Rätsel

Als Weihnachtsbaum ist sie gänzlich ungeeignet: Die Sumpfzypresse gehört zu den wenigen Nadelbäumen, die im Winter ihre Nadeln verlieren (d.h. sie ›„rärt“, wie der Ostwestfale sagt). Umso bessere Gelegenheit erhält der Betrachter, ihr Astwerk zu bewundern. Der Stamm, unten ungewöhnlich breit, verjüngt sich oft plötzlich, viele Äste sind merkwürdig gedreht und die rissige Rinde löst sich in Streifen ab. Und dann bildet sie nicht selten „Wurzelknie“, die selbst die Wissenschaftler vor Rätsel stellen.

Woher stammt der Name „Echte Sumpfzypresse“?

Warum die Zypresse Zypresse heißt, müsste man die alten Griechen fragen, denn die hatten den Baum „kyparissos“ getauft. Oder auch nicht; Sprachforscher vermuten, dass diese Vokabel von einer noch älteren, vielleicht kleinasiatischen Sprache entlehnt wurde. Weder die alten Griechen (tot) noch die Sprachforscher (ahnungslos) können uns letztlich aufklären.

Dafür ist der restliche Name durchaus erhellend: Die Echte Sumpfzypresse ist eine echte Zypresse (es gibt nämlich auch Scheinzypressen, die nur so aussehen, als ob) und kann bis zu einem Meter tief im Wasser stehen, ohne dass es ihr schadet, weshalb sie in Sumpflandschaften bestens gedeiht.

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Bei Botanikern heißt die Sumpfzypresse „Taxodium distichum“. Der Gattungsname ist eine lateinisch-griechische Koproduktion und lässt sich mit „Eibengestalt“ übersetzen (wenn man ihr Böses will, ist die Sumpfzypresse also nur eine Scheineibe). Der Artname kommt vollends aus dem Griechischen und heißt „zweireihig“. Das bezieht sich auf die Anordnung der Nadeln am Spross.

Woher stammt die Sumpfzypresse?

Aus dem Südosten der USA. Besonders große Wildbestände gibt es in den Everglades von Florida und dem Mississippi-Delta in Louisiana. Alle US-Bundesstaaten werden durch einen Baum symbolisiert, so hat sich Louisiana die Sumpfzypresse als ›Staatsbaum auserkoren. Das älteste bekannte Exemplar steht indes in North Carolina und soll über 1.600 Jahre alt sein.

Auch in Europa war der Baum zu Urzeiten recht verbreitet. Die einst riesigen Bestände befinden sich heute unter der Erde: Neben Mammutbäumen waren Sumpfzypressen nicht unwesentlich an der Bildung unserer Braunkohle beteiligt. Über Tage musste der Baum erst wieder aus Nordamerika reimportiert werden. Seit 1640 kultivieren ihn Gärtner in Europa.

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Wo finde ich eine Sumpfzypresse im Stadtpark?

1972 wurde Ibrüggers Teich im Stadtpark angelegt. Das Gelände war Überschwemmungsgebiet der Dalke und daher immer morastig gewesen. Deshalb ist es nur logisch, dass dort im Baumgarten am Karl-Rogge-Weg, zwischen Teich und den bis heute zeitweise überschwemmten Dalkeauen, ein halbes Dutzend Sumpfzypressen wachsen.

Wie pflanze ich eine Sumpfzypresse im eigenen Garten?

Die Sumpfzypresse ist ein Trendgehölz, so man das von einem Baum behaupten kann, der locker 700 Jahre und manchmal auch doppelt so alt wird und damit wohl jeden Trend überleben wird. Aber tatsächlich wird er immer häufiger in Privatgärten gepflanzt, mit Vorliebe an Gartenteichen. Mögen alle Hobbygärtner die Größe eines ausgewachsenen Exemplars von 35 Meter beachtet haben – gut möglich, dass am Ende der Stammumfang mehr Platz einnimmt als der Gartenteich groß ist. Andererseit ist das ohnehin eher das Problem der Urenkel.

Ansonsten gilt: Die Sumpfzypresse ist robust und trotz ihrer Herkunft aus wärmeren Regionen winterhart. Dass eine Pflanze aus den Sümpfen Floridas anhaltende Bodentrockenheit nicht gut verträgt, kann sich auch der Laie denken. Aber dafür steht sie ja am Gartenteich.

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Wer hätt´s gedacht?

Ältere Sumpfzypressen, die im Wasser oder zumindest in sehr feuchtem Boden wachsen, bilden eigenartige, hohle Wurzelauswüchse, die wie Höcker aus dem Boden ragen – in unseren Breiten eher 20 bis 50 cm hoch, in den Everglades aber sogar bis zu imposanten 2,5 Meter. Sie werden Wurzelknie oder Atemknie genannt. Ob sie tatsächlich der Sauerstoffversorgung der Wurzeln dienen oder nur die Standfestigkeit in sumpfigen Gelände erhöhen sollen, ist nicht abschließend geklärt. Es bleibt eine rätselhafte Urzeitpflanze …

Immerhin: Um sie genauer unter die Lupe zu nehmen, müssen sie als Gütersloher nicht erst durch moskito- und alligatorenverseuchten Sümpfe waten – dem Stadtpark sei Dank!


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