Gewöhnlicher Blutweiderich

Blutweiderich

Pflanzt mehr Unkraut!

Mit seinen langen, leuchtend purpurfarbenen Blütenständen schmückt der Gewöhnliche Blutweiderich jeden Garten und Park – wie den Stadtpark Gütersloh. Doch anderenorts wird die Wildstaude vehement bekämpft. In Nordamerika rückte man dem vermeintlichen Unkraut mit Schädlingen zu Leibe – keine gute Idee. Was uns an dieser Stelle über das Unwort „Unkraut“ philosophieren lässt.

Woher stammt der Name „Blutweiderich“?

Blutweiderich wird in der Volksmedizin traditionell als blutstillendes Mittel angewendet. Diesem Umstand – verstärkt durch die Farbe der Blüten – verdankt er das „Blut” in seinem Namen. „Weiderich“ bedeutet „weidengleich“ und bezieht sich auf die Form der Blätter, die der von Weiden ähnelt.

Der botanische Name lautet „Lythrum salicaria“. Der Gattungsname Lythrum leitet sich vom griechischen „lýthron“ für „schmutziges Blut“ ab. „Salicaria“ kommt von „Salix“, dem lateinischen Wort für Weide. Die Blätter, die Ähnlichkeit – Sie wissen schon…

Woher stammt der Blutweiderich?

Ob europäische Feuchtwiesen, asiatische Flussufer, nordamerikanische Sümpfe oder australische Wassergräben – der Blutweiderich wächst überall, wo es ihm feucht genug ist.

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Wo finde ich Blutweiderich im Stadtpark?

Auch im Mikrokosmos Stadtpark gilt: Blutweiderich wächst überall, wo es ihm feucht genug ist: entlang der Dalke, an der Dalkeinsel und auf den Feuchtwiesen, im Botanischen Garten im Naturteich und entlang des Wasserlaufs zwischen Heckengarten und Palmenhaus-Café.

Wie pflanze ich Blutweiderich im eigenen Garten?

Ohne Probleme: Blutweiderich ist pflegeleicht, robust, winterhart, ungiftig, dank ätherischer Öle resistent gegen Schnecken und Blattläuse, zugleich eine hervorragende Bienenweide, ein Schmetterlingsmagnet, langblühend und schön. Man kann eigentlich nur drei Fehler machen:

  1. einen trockenen Standort wählen – Blutweiderich braucht permanent Wasser, ideal ist am oder im Teich,
  2. ihn unkontrolliert wachsen lassen – dann beginnt er zu wuchern, was einem angesichts seiner Höhe von bis zu zwei Metern wortwörtlich über den Kopf wachsen kann,
  3. ihn ignorieren. Tatsächlich ist es erstaunlich, wie selten die Staude hierzulande selbst bei Gartenteichbesitzern vorkommt. Dabei hat sie angesichts des minimalen Pflegebedarfs und ihrer faszinierende Blütenpracht einen idealen Aufwand-Ergebnis-Quotienten.

Das Fazit kann nur lauten: Pflanzt mehr Blutweiderich!

Wer hätt´s gedacht?

Wissen Sie, was Botaniker meinen, wenn sie von „Begleitflora“ sprechen? Es handelt sich um das politisch korrekte Wort für „Unkraut“. Denn die Vorsilbe Un- bedeutet immer etwas Negatives, Unerwünschtes (siehe Unmensch, Unwetter, Unterricht…) – doch von Natur aus gibt es keine „guten“ und „schlechten“ Pflanzen. Es sind die Menschen, die nach ihren eigenen zweifelhaften Maßstäben Pflanzen als schön oder unerwünscht bewerten – und sich darin nicht einmal einig sind: Was wir Ihnen heute als Geheimtipp für den Garten anpreisen, ist in Nordamerika als Unkraut verschrien und wird mit behördlicher Unterstützung bekämpft.

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Nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich Blutweiderich erstaunlich ausbreiten kann. Jedes Exemplar produziert jährlich bis zu 2,7 Millionen Samen, die mit Schleimhaaren ausgestattet sind. Diese haften leicht an Wasservögeln, die für die gewässerweite Verbreitung sorgen. In Massen auftretend, kann der Blutweiderich die Fließgeschwindigkeit von Flüssen und Kanälen erheblich verringern und deren wirtschaftliche Nutzung beeinträchtigen. Also wird er gerupft und mit Gift bespritzt oder bestenfalls mit blutweiderichfressenden Rüssel- und Blattkäfern bestückt.

Die Käferart „Galerucella calmariensis“ weist übrigens im Vergleich der mechanisch-chemisch-biologischen Bekämpfungsmethoden die beste Erfolgsquote auf, vernichtet sie doch annähernd 100% der Blutweiderich-Population. Bis man das herausgefunden hatte, experimentierte man 30 Jahre lang mit verschiedenen Insekten, unter anderem dem Zackenbindigen Rindenspanner, einer Nachtfalterart. Es stellte sich heraus, dass dessen Raupen zwar gerne Blutweiderich, aber ebenso gerne die Nutzpflanzen fraßen, deren Bewässerungskanäle die Staude verstopfte.

Mittlerweile wird die Art in den USA als Schädling eingestuft. Womit wir beim nächsten Unwort wären…


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