Duft-Schneeball

Duft-Schneeball

Ein rosaroter Schneeball im Frühling

Ein Strauch, der im Winter blüht? Wo gibt´s denn so etwas? Sie ahnen es: Im Botanischen Garten von Gütersloh. Der Duft-Schneeball ist ein sommergrüner Strauch, der ab Dezember rosarote Blüten entwickelt. Im Frühjahr verströmen sie einen angenehmen Duft.

Woher stammt der Name?

Bei einer Pflanze, die „Schneeball“ heißt, erwartet man kugelrunde weiße Blüten. Idealtypisch kann man solche bei einer Sorte des Gewöhnlichen Schneeballs bewundern. Die gab der Gattung ihren Namen, auch wenn die einzelnen Arten andersfarbige und -förmige Blütenstände aufweisen. Die Artbezeichnung „Duft-“ trägt unser Strauch aber völlig zurecht, ein intensives, süßliches Aroma umgibt seine Blüten – riechen Sie mal im „Botanischen“ daran!

Der botanische Name lautet „Viburnum farreri“. Der Gattungsname geht auf eine etruskische Vokabel für die Pflanze zurück, ihre Bedeutung bleibt aber im Dunkeln. Der Artname ehrt den britischen Pflanzensammler Reginald Farrer. Wie es sich für einen guten Briten gehört, war er leicht exzentrisch – oder auch einfach nur sehr enthusiastisch, wenn es um Pflanzen ging. So legte er einen Steingarten auf dem 723 Meter hohen Berg Ingleborough an, wozu er sich an einer Klippe abseilen musste und Samen mit einem Gewehr auf die Felsen schoss. Er kandidierte für die Liberale Partei, verlor aber die Wahl trotz eines stattlichen Wahlkampfbudgets – was daran gelegen haben mag, dass er von den 1.000 Pfund nicht etwa Plakate und Flugblätter drucken ließ, sondern sie für Frauenschuh-Orchideen ausgab.

Also blieb er Pflanzensammler, kraxelte durch die Dolomiten, bereiste Ceylon und Tibet, konvertierte bei der Gelegenheit zum Entsetzen seiner Familie zum Buddhismus, begann in Japan eine Affäre mit einer Geisha und starb schließlich mit nur 40 Jahren auf einer Pflanzenexpedition, die ihn nach Burma und China geführt hatte, an einer Alkoholvergiftung. Seine Hingabe an die Botanik brachte ihm einen Gedenkstein am Ingleborough mit der pathetischen Inschrift „He died for love and duty in search of rare plants“ ein sowie die Namenspatenschaft für gleich zehn Pflanzen – darunter den Duft-Schneeball.

Woher stammt die Pflanze?

Die Botaniker haben den Duftstrauch nicht grundlos nach Farrer benannt. Der Pflanzensammler hatte 1914/15 eine Expedition ins nordwestliche China gewagt – die Heimat des Duft-Schneeballs.

Wo finde ich einen Duft-Schneeball im Botanischen Garten?

In Duftweite – na, das wäre etwas übertrieben, sagen wir lieber: in Sichtweite vom Birkenhain.

Wie pflanze ich einen Duft-Schneeball im heimischen Garten?

Der Duft-Schneeball braucht viel Licht und auch im Winter ausreichend Wasser – ansonsten ist er pflegeleicht und auch für Gartenanfänger geeignet.

Wer hätt´s gedacht?

Deutsche Filmverleiher fühlen sich häufig bemüßigt, für internationale Kinofilme neue Titel in deutscher Sprache zu finden, und agieren dabei nicht immer glücklich. So lief der Mel-Gibson-Kriegsfilm „We Were Soldiers“ unter dem Titel „Wir waren Helden“, was ein Bedeutungsunterschied ist. Der Italo-Western „Il buono, il brutto, il cattivo“, internationaler Titel „The Good, the Bad and the Ugly“, heißt hierzulande „Zwei glorreiche Halunken“, was der Story nicht gerecht wird. Der Woody-Allen-Klassiker „Annie Hall“ ist bei uns als „Der Stadtneurotiker“ bekannt, was den Fokus auf die Hauptfigur komplett verschiebt.

Keine optimale Übersetzung erhielt auch der sowjetische Spielfilm „Kalina Krassnaja“ von 1974. Er mag hierzulande nicht übermäßig bekannt sein, lockte aber in Osteuropa seinerzeit mehr als 60 Millionen Zuschauer (!) in die Kinos. Film-Ikone Rainer Werner Fassbinder zählte ihn zu seinen Lieblingsfilmen (was sowohl für die überragende Qualität des Werkes spricht als auch die berechtigte Vermutung nährt, dass das Betrachten der 108 Minuten mit heutigen Sehgewohnheiten ein hartes Stück Arbeit bedeutet).

In den DDR-Kinos lief der Film unter einem eigens kreierten deutschen Titel: „Roter Holunder“. Das ist bemerkenswert, denn übersetzt heißt der russische Filmtitel „Roter Schneeball“ und bezieht sich auf ein Lied, in dem der Strauch und seine Beeren als Symbol der Schönheit und Liebe besungen werden (so wie auch im bekannteren ›„Kalinka, kalinka, kalinka moja!“). Auch Roten Holunder gibt es, doch der gehört zu einer anderen Pflanzengattung und hat weder im Film noch in der ostslawischen Folklore etwas verloren.

Der Regisseur, Drehbuchautor und zugleich männlichen Hauptdarsteller des Films, Wassili Schukschin, konnte sich über den (ost)europaweiten Erfolg seines Werks nicht lange freuen. Sechs Monate nach der Premiere verstarb er mit nur 45 Jahren. Seine Grabstätte in Moskau zieren – als Referenz an „Kalina Krassnaja“ – mehrere Schneeball-Sträucher. Und kein Holunder.


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