Trauerweide

Trauerweide

Bonjour tristesse

Alles hängt schlaff an ihm herab, so dass man meinen könnte, der Baum habe seine Lebenslust verloren. Eine menschliche Fehleinschätzung. Wenn es darum geht, sich Platz zu verschaffen und mit Wasser zu versorgen, ist die Trauerweide überhaupt kein Kind von Traurigkeit – die Sprengkraft ihrer Wurzeln ist enorm und wird häufig unterschätzt.

Woher stammt der Name „Trauerweide“?

Die Trauerweide ist eine besondere Züchtung der Silber-Weide. Das Wort Weide stammt vom althochdeutsch „wîda“, was „die Biegsame“ bedeutet. Die spezielle Wuchsform der Trauerweide mit ihren schleppenartig herunterhängenen Zweigen erinnert an die Physiognomie eines schlaffen, geknickten, bedrückten, eben trauernden Menschen.

Der botanische Name für die Silber- bzw. Trauerweide liegt inhaltlich nicht allzu weit vom deutschen entfernt: „Salix alba ‚Tristis‘“ lässt sich mit „traurige Weiß-Weide” übersetzen.

Woher stammt die Trauerweide?

Die Silber-Weide ist in ganz Europa (mit Ausnahme von Skandinavien), in Nordafrika und Zentralasien verbreitet. Die Sorte ‚Tristis‘ wurde 1815 in Frankreich gezüchtet. In der Epoche der Romantik traf der malerische Baum, in den man menschlich-melancholische Empfindungen hineininterpretieren konnte, den Zeitgeschmack und wurde zu einem großen kommerziellen Erfolg.

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Wo finde ich Trauerweiden im Stadtpark?

Auf der Vogelinsel in Ibrüggers Teich sowie auf der Dalkeinsel.

Wie pflanze ich eine Trauerweide im eigenen Garten?

Als Solitärbaum, denn andere Pflanzen bekommen unter ihrem Schattendach kaum Licht. Zudem zieht das weitverzweigte, dichte Wurzelwerk soviel Wasser und Nährstoffe aus dem Boden, dass alle Nachbarpflanzen verkümmern. Im Umkreis von 15 Metern sollten sich weder Gehwege noch Hauswände befinden, denn der Flachwurzler entwickelt erstaunliche Kräfte. Vorsicht besonders bei Rohren: Durch die winzigste undichte Stellen dringen Haarwurzeln ein und verstopfen oder sprengen im schlechtesten Fall die Abwasserleitung. Da eine Trauerweide rund 100 Jahre alt wird, sollte man also ruhig ein paar Minuten in die Standortwahl investieren.

Trauerweide an der Dalkeinsel

Wer die falsche Wahl getroffen hat, muss nicht darauf hoffen, dass der Baum durch fehlende Pflege eingeht: Die Trauerweide ist extrem robust und anspruchslos. Frosthart ist sie bis -32 Grad (durch welche Pflanzversuche in der Arktis man das auch immer herausgefunden hat), verträgt bis zu 300 Tage lange Überschwemmungen (offenbar wurde die Forschungsreihe in Bangladesch fortgesetzt) und verzeiht selbst stümperhaft durchgeführte Schnitte.

Einen grünen Daumen benötigt man also nicht. Allein die Menge des herbstlichen Laubs schreckt viele Gartenbesitzer vor der Anpflanzung ab. Diesbezüglich ergeben sich zwei Möglichkeiten: Sie bestellen zur Entsorgung mehrere 10-Kubikmeter-Absetzmulden oder aber Sie machen aus der Not eine Tugend und lassen die Blätter zur Nährstoffversorgung der Weide einfach liegen.

Wer hätt´s gedacht?

Der französische Maler >Claude Monet (1840–1926) gab mit seinem Bild „Impression, Sonnenaufgang“ dem Kunststil des Impressionismus seinen Namen. Sein bekanntestes Motiv dürften die Seerosen seines Wassergartens sein – rund 200 Gemälde seiner Lieblingspflanzen schuf er. Einer seiner sieben Gärtner war allein für die Pflege der Wasserpflanzen zuständig und ruderte täglich über den Teich, um sie abzustauben. Der Staub stammte von einer benachbarten Straße, die Monet später asphaltieren ließ, um die Leuchtkraft seiner Blumen zu erhalten (was aus dem rudernden Gärtner wurde, ist nicht überliefert). Soviel zur Pflanzenliebe Monets.

Trauerweide-Monet

Weniger bekannt als seine Seerosenserie ist die Reihe von zehn Gemälden, auf denen Monet 1918/19 Trauerweiden in den Fokus rückte. Da um seinen Teich mehrere Trauerweiden wuchsen, hatte der Maler den Baum in seinen Seerosenbildern schon häufiger verewigt, um den Moment der Idylle, das Harmonische der Natur zu verstärken. Die reinen Trauerweide-Bilder waren hingegen Monets Reaktion auf den Ersten Weltkrieg. Der Baum steht symbolisch für die Trauer um die Opfer, das bedrückende Gefühl der Überlebenden. Die alles einhüllende Traurigkeit versucht der Maler zudem durch einen „zu kleinen“ Bildausschnitt einzufangen: Der Baum wirkt stets eingeengt und seine herabhängenden Zweige verdecken dem Betrachter die Sicht auf den Himmel. Zugleich weisen die scheinbare Bewegung der Zweige und die Reflektionen des Sonnenlichts im Laub auf Wind und Sonne – um den Trauernden herum geht das Leben weiter. Monets Trauer- sind zugleich auch Hoffnungsweiden.


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