Fädige Palmlilie

Fädige Palmlilie - Yucca filamentosa

Wadenbeißer und Fischvergifter

Was für den Zoologen der „Walfisch“, ist für den Botaniker die „Yuccapalme“, nämlich ein Wort, das ihm körperliche Schmerzen bereitet. Genauso wenig, wie das Säugetier Wal ein Fisch ist, handelt es sich bei einer Yucca um ein Palm-, sondern vielmehr um ein Agavengewächs. Der deutsche Trivialname für die Yucca, „Palmlilie“, ist allerdings nicht viel besser …

Woher stammt der Name „Fädige Palmlilie“?

Die Fädige Palmlilie hat botanisch gesehen weder etwas mit einer Palme noch mit einer Lilie zu tun. Doch der Volksmund entschied: unten sieht die Pflanze aus wie eine Palme, oben wie eine Lilie. Genauer: Ihr stammloser Laubschopf besteht aus langen, harten, spitzen Blättern, die der Krone einer Palme ähneln. Aus diesem Blattschopf wächst ab Juni ein bis zu zwei Meter hoher Blütenstand, dessen rispige Blüten an Lilien erinnern.

Der alternative Name „Garten-Yucca“ verdeutlicht, dass die Palmlilie im Gegensatz zu den unvermeidlichen Yuccas, die Hunderttausende Büros und Wohnzimmer begrünen, für eine Bepflanzung im Außenbereich geeignet, weil winterfest und frosthart bis -15 Grad ist.

Apropos Yucca: Dieser Name für die Pflanzengattung stammt aus einer Arawak-Sprache, einer indigenen Sprache der Karibik. Aus Haiti gelangte der Begriff über das Spanische auch in die europäischen Wörterbücher.

Der komplette botanische Name der Fädrigen Palmlilie lautet „Yucca filamentosa“ und greift das lateinische Wort für „Fadenwerk“ auf. Der Artname beschreibt die Nutzung dieser Yucca-Art als Lieferant für Fasern. Die indigenen Völker Amerikas verarbeiteten sie zu Körben, Tüchern und Matten. In Europa wurden in den Notzeiten nach dem Ersten und während des Zweiten Weltkriegs Palmlilien-Kulturen angelegt, um aus den Fasern Gewebe, Netze und Seile zu gewinnen.

Fädige Palmlilie - Yucca filamentosa

Woher stammt die Fädige Palmlilie?

Aus dem Osten der USA. Die Fädige Palmlilie wächst vornehmlich an der Atlantikküste von der kanadischen Grenze bis nach Florida.

Wo finde ich Fädige Palmlilien im Botanischen Garten?

Palmlilien sind Trockenkünstler. Sie lieben vollsonnige, trockene Standorte und gedeihen entsprechend gut auch in Sandebenen und Dünen, an Felsen und im Kiesbett. Im Botanischen Garten wachsen mehrere Exemplare im Steingarten.

Wie pflanze ich eine Fädige Palmlilie im eigenen Garten?

Alles, was die Fädige Palmlilie braucht, ist Platz, da ihr Battschopf recht ausladend wachsen kann. Aus Dünger dagegen kann sie gut verzichten, und noch besser auf Wasser. Das lebenspendende Nass wird von Gärtnern gar als „schlimmster Feind der Palmlilie“ bezeichnet, führt doch Staunässe bei ihr unweigerlich zur Wurzelfäule. Es empfiehlt sich daher, den Boden rund um die Palmlilie mit Kies oder Splitt zu bedecken. Beweisen Sie Geduld mit der Blüte, es wird einige Jahre dauern, bis Sie im Hochsommer die durchaus spektakulären mannshohen Blütenrispen bewundern können. Die Palmlilie hat Zeit – sie kann mehrere Jahrzehnte alt werden.

Wer hätt´s gedacht?

Drei Fun-Facts zur Fädigen Palmlilie:

  1. In ihrer Heimat sät sich die Fädige Palmlilie selbst aus. Bei uns in Deutschland setzt sie dagegen keine Samen an: Ihre Blüten werden allein von einer darauf spezialisierten Yuccamotten-Art befruchtet. Dieser Nachtfalter kommt in Europa nicht vor. Das weiß die Palmlilie aber nicht, weshalb ihre Blüten nachts einen für uns eher unangenehmen Geruch verströmen, der die Motten zur Bestäubung anlocken soll.
  2. In Florida wird die Palmlilie nach altem spanischem Brauch von besorgten Eltern als „Wächterpflanze“ unter dem Fenster einer Tochter platziert. Die scharfkantigen Blätter sollen männlichen Verehrern, die ihrer Liebsten heimlich einen nächtlichen Besuch abstatten, die Annäherung an Haus und Tochter verleiden. Kratzer und Schnitte dienen zudem am Folgetag der Identifizierung heimlicher Besucher.
    Sich bei Dunkelheit in kurzen Hosen durch einen Palmlilienhain zu schleichen, wird tatsächlich kein Spaß sein. Als alleiniges Mittel zur Schwangerschaftsverhütung sollte man dennoch nicht auf die Palmlilie setzen. Was uns dieser Brauch dennoch lehrt: Bei der Gartenarbeit Handschuhe anziehen!
  3. Eine noch ungewöhnlichere Verwendung für die Palmlilie fanden die Cherokee: Sie verarbeiteten den Saft aus den Wurzeln und Blättern der Yucca zu einem Fischgift. In Flüssen und Seen verteilten sie es im Wasser, um die Fische zu betäuben und die gelähmten Tiere leicht mit der Hand fangen zu können. Bitte nicht in Ibrüggers Teich ausprobieren!


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