Tulpenbaum

TulpenbaumTulpenbaum

Hoch hinaus zum Platz an der Sonne

Der Tulpenbaum will überall der Größte sein. Nun, das wollen viele. Aber der Exot aus Nordamerika hat einen Trick auf Lager, um an sein Ziel zu kommen.

„Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.“ Was als Zitat des späteren Reichskanzlers Bernhard von Bülow zum geflügelten Wort wurde, könnte auch das Motto des sonnenliebenden Tulpenbaums sein. Das Deutsche Reich bekam seinen (vermeintlichen) Platz an der Sonne in Form von Kolonien in Afrika und „Schutzgebieten“ in der Südsee, und trotzdem bestand es keine 50 Jahre lang. Anders der Tulpenbaum: Der wird selbst im Schatten 50 Jahre alt. Mit seiner Methode, zur Sonne zu gelangen, blickt er auf eine über 100 Millionen Jahre währende Erfolgsgeschichte zurück.

Woher stammt der Name „Tulpenbaum“?

Die Blüten des Tulpenbaums ähneln in Form und Größe den Blüten von Tulpen – zumindest ein wenig, und zumindest von außen. Schaut man sich das Innere an, stellt auch der Laie schnell fest, dass die eine mit der anderen wenig zu tun hat. Tulpenbäume zählen zu den Magnoliengewächsen, und diese gehören zu den ältesten Blütenpflanzen der Erde. Ihr Aufbau ist im wahrsten Wortsinn urwüchsig und repräsentiert den Entwicklungsstand der Pflanzenwelt in der Kreidezeit vor über 100 Millionen Jahren. Umgangssprachlich wird auch die Tulpen-Magnolie als Tulpenbaum bezeichnet. Es handelt sich aber bei aller Verwandtschaft um (auch optisch) deutlich verschiedene Pflanzenarten.

Botaniker sehen im Tulpenbaum offenbar eine Ähnlichkeit mit Lilien: Der botanische Name „Liriodendron tulipifera“ lässt sich mit „tulpentragender Lilienbaum“ übersetzen.

Woher stammt der Tulpenbaum?

Aus den Appalachen im Osten Nordamerikas. Der Tulpenbaum ist der offizielle Staatsbaum für gleich drei Bundesstaaten (Kentucky, Indiana und Tennessee). Für die Forstwirtschaft Im Nordosten der USA spielt er eine führende Rolle. Was bei uns die Eiche ist, ist zwischen Rhode Island und Georgia der Tulpenbaum. Vom Kinderspielzeug bis zum Sarg wird aus dem rissfesten Holz des Tulpenbaums so ziemlich alles hergestellt.

Als Nutzbaum hat er in Europa nie Fuß gefasst, wohl aber als Ziergehölz: Seit der erste Tulpenbaum aus der Neuen Welt 1688 im Garten von ›Fulham Palace, dem Sitz der Londoner Bischöfe, erblühte, kam kaum eine neu angelegte Parkanlage in Europa ohne den Exoten aus.

Wo finde ich einen Tulpenbaum im Stadtpark?

Ein großes Exemplar wächst am Weg an der Dalkepromenade am Kinderspielplatz. Im Botanischen Garten steht ein weiterer Tulpenbaum am Weg zwischen Sonnengarten und Birkenwiese.

Wie pflanze ich einen Tulpenbaum im eigenen Garten?

Die für einen Baum ungewöhnlichen, grüngelben Blüten, die dekorative Zackenform der Blätter und die aufwandsarme Pflege veranlassten in den letzten Jahren auch in Deutschland immer mehr Gartenbesitzer, einen Tulpenbaum zu pflanzen. In freier Wildbahn gehören zeitweise überschwemmte Flussauen zu den bevorzugten Standorten des Baumes. Daher sollten Sie gerade junge Exemplare bei anhaltender Trockenheit wässern. Ansonsten wird Ihr Tulpenbaum von alleine groß – wie groß, hängt von seinen Nachbarn ab, wie der nächste Abschnitt lehrt.

Wär hätt´s gedacht?

Der Tulpenbaum hat zwar keine Füße, aber dennoch eine Achillesverse: Er verträgt keinen Schatten. Um langfristig zu überleben, braucht er viel Licht. Auf freier Fläche kein Problem, aber was tun im dichten Wald?

Der Tulpenbaum hat für solche Standorte eine besondere Überlebensstrategie entwickelt: Er wächst geradezu über sich hinaus! Dazu steckt der junge Baum seine komplette Energie in das Höhenwachstum. Im Schatten schafft er gut 80 Zentimeter pro Jahr, bis er höher als seine Nachbarn ist und von der Sonne beschienen wird. Wenn es sein muss, bringt er es auf stattliche 50 Meter (zum Vergleich: Der ›Gütersloher Wasserturm ist „nur“ 42 Meter hoch!). Die Seitenäste vernachlässigt er in dieser Zeit des Emporstrebens, sie sind häufig schwach ausgebildet. Vor allem die unteren brechen leicht ab, während die oberen, der Sonne näher liegenden Äste den Wachstumsschub fortsetzen. Ein 15-jähriger Tulpenbaum kann so zwölf Meter hoch gewachsen sein, ohne dass ihn Seitenäste in der Reichweite eines Menschen schmücken.

Freistehende, sonnenbeschienene Tulpenbäume gehen es dagegen langsamer an, entwickeln mehr Zweige und werden nur rund 25 bis 30 Meter groß. Sie leben auch länger: Während die Tulpenbäume auf der konkurrenzlosen Sonnenseite des Lebens 500 Jahre und älter werden können, erreichen ihre beschatteten Verwandten oft schon nach 50 bis 150 Jahren ihr natürliches Ende. Reichskanzler von Bülow wäre trotzdem neidisch gewesen.



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