Gedenkemein

Gedenkemein

Die blaue Blume der Romantik

Ist das nicht ein Vergissmeinnicht? Fast … Das Gedenkemein muss damit leben, mit seiner bekannteren Schwester verwechselt zu werden. Dabei gibt es Tricks, die beiden sicher zu unterscheiden.

„Frühling lässt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte“. Das populäre romantische Gedicht ›„Er ist´s“ von Eduard Mörike beschreibt und weckt die Vorfreude auf den Frühling. Als botanischen Vorboten erwähnt der Dichter im weiteren Textverlauf lediglich das Veilchen. Offenbar hatte Mörike die Zeilen gedichtet, ohne zuvor im Gütersloher Stadtpark gewesen zu sein (diese Theorie wird dadurch erhärtet, dass er das Gedicht 1829 und damit 80 Jahre vor Eröffnung des Stadtparks schrieb). Anderenfalls hätte er garantiert auch das Gedenkemein erwähnt. Denn durch diese Staude zeichnet sich das frühlingshafte blaue Band nicht nur am Himmel, sondern ganz deutlich auch in den Beeten des Botanischen Gartens ab.

Woher stammt der Name „Gedenkemein“?

Die blaue Blume ist ein zentrales Symbol der Romantik. Erstmals verwendet um 1800 in einem Roman von ›Novalis, steht sie für Sehnsucht, Liebe und das „metaphysische Streben nach dem Unendlichen“ – vor der Erfindung von RTL2 konnte man mit solch philosophisch-gefühlvollen Gedanken einen Großteil der Bevölkerung begeistern. Aus dieser Epoche stammt der poetischen Name „Gedenkemein“ für diese blau blühende Blumenart.

Ihre „offizielle“ Bezeichnung besitzt eine ganz eigene Ästhetik: „Frühlings-Nabelnüsschen“ ist quasi die Übersetzung des botanischen Namens „Omphalodes verna“. Mit „Nabelnüsschen“ versuchen die Wissenschaftler, die ungewöhnlich geformten, napfartig ausgehöhlten Früchte zu beschreiben.

Woher stammt das Gedenkemein?

Ursprünglich vom Balkan. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Gedenkemeins erfolgte erst 1794 durch den Marburger Botaniker ›Conrad Moench, gerade rechtzeitig, um den Romantik-Boom mitzuprägen. Schnell wurde die Staude zu einer beliebten Zierpflanze, die heute auch in unzähligen Gütersloher Gärten zu finden ist – und daraus verwildert. So hat sich das anspruchslose Gedenkemein längst über weite Teile Mittel- und Südeuropas verbreitet und darüber hinaus den Sprung über den Atlantik nach Nordamerika geschafft.

Wo finde ich Gedenkemein im Botanischen Garten Gütersloh?

Im Heckengarten an dem Weg, der parallel zum Laubengang vom Palmenhaus-Café zu den saisonal bepflanzten Beeten führt. An der Hyazinthenwiese. Und, ganz romantisch, an den Lauben im Asterngarten.

Gedenkemein

Wie pflanze ich Gedenkemein im eigenen Garten?

Ohne große Probleme – das Gedenkemein gilt als robust, trockenresistent, frosthart und pflegearm. Als Bodendecker zaubert es Ihnen zwischen April und Anfang Juni auch dort einen blauen Blütenteppich ins Beet, wo viele andere Pflanzen wegen Lichtmangel oder Wurzeldruck nicht gedeihen mögen.

Wer hätt´s gedacht?

Bei Führungen durch den Botanischen Garten präsentieren die Parkführerinnen im Frühling natürlich auch das Gedenkemein. Fast jedes Mal kommt daraufhin die Frage aus dem Zuhörerkreis: Sind das nicht Vergissmeinnicht? Diese Blume ähnelt in Aussehen und Namen dem Gedenkemein, ist jedoch ungleich bekannter. Was den Namen betrifft, besteht in anderen Sprachen keine Verwechslungsgefahr. Engländer z. B. nennen das Vergissmeinnicht „forget-me-not“ und das Gedenkemein „blue-eyed Mary“ („blauäugige Maria“).

Das ähnliche Aussehen verwundert nicht: Beide Pflanzenarten gehören zur selben Pflanzenfamilie. Es sind Raublattgewächse, die zu Recht so heißen – die Blätter fühlen sich beim Streicheln wie eine Katzenzunge an. Mit geübtem Blick sind die beiden „Blaublühter“ dennoch leicht zu unterscheiden: Das Vergissmeinnicht hat im Zentrum seiner blauen Blüte ein markantes gelbes „Auge“ – beim Gedenkemein ist die Blütenmitte weiß.

Und selbst Farbenblinden bleibt mit etwas Geduld eine sichere Möglichkeit der Unterscheidung: Wenn die Pflanze im übernächsten Jahr noch blüht, ist es ein Gedenkemein. Denn das Vergissmeinnicht stirbt spätestens im zweiten Jahr nach der Blüte ab, während das Gedenkemein seine Betrachter über viele Jahre erfreut. Regelmäßige Besucher des Botanischen Gartens Gütersloh können es bezeugen.

 



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