Blutbuche

Blutbuche

Ein Baum zum Abschied

Ein schönes, weil wachsendes Geschenk machte die britische Haig School allen Bürgern Güterslohs im Juni 2019: eine Blutbuche für den Stadtpark.

Woher stammt der Name „Blutbuche“?

Die Blutbuche ist eine Mutation der Rotbuche. Während die Rotbuche ihren Namen wegen der (allerdings nur leicht) rötlichen Färbung ihres Holzes trägt, ist der Namen „Blutbuche“ auf die deutliche, dunkle Rotfärbung der Blätter im Sommer zurückzuführen.

Deren äußere Schutzhülle enthält einen übermäßig hohen Anteil des roten Farbstoffes Cyanidin. Das Innere der Blätter ist grün – aber man sieht die grüne Farbe des Chlorophylls nicht, zumindest nicht im Sommer. Im Herbst, wenn sich das Laub anderer Bäume rot färbt, löst sich die Schutzhülle auf und das Laub vergrünt kurzzeitig, bevor es abfällt. In dieser Periode sind die Blut- auf den ersten Blick kaum von Rotbuchen zu unterscheiden.

Der botanische Name des Baumes lautet „Fagus sylvatica f. purpurea“, frei übersetzt „Rote Waldbuche“.

Woher stammt die Blutbuche?

Aus dem Possenwald in der Nähe der thüringischen Stadt Sondershausen. Dort wurde 1680 eine Blutbuche entdeckt, auf die nahezu alle heute in Europa wachsenden Exemplare zurückgehen. Das Kuriosum fand großes Interesse beim Adel, jeder Schlossherr wollte sich eine solche Besonderheit für seinen Park sichern. Um die „Mutterblutbuche“ waren bereits auf natürlichem Wege elf weitere Exemplare ausgekeimt, die man dann gezielt zur Zucht verwendete. Auf die Stämme normaler Rotbuchen propfte man, wie es im Obstbau üblich ist, Zweige der Blutbuchen auf. Als der Ursprungsbaum 1926 abbrach, waren seine Abkömmlinge über ganz Europa verteilt.

Besonders heimisch fühlt sich der Baum aber in eher feuchten, eher kühleren Gegenden. So wundert es nicht, dass die größten Blutbuchen-Populationen in Schottland zu finden sind.

Wo finde ich Blutbuchen im Stadtpark Gütersloh?

1965 eröffneten die britischen Streitkräfte auf ihrem Kasernengelände an der Verler Straße, nur wenige hundert Meter vom Stadtpark entfernt, eine „primary school“, also Grundschule. 54 Schuljahre lang lernten Kinder der in Gütersloh und Umgebung stationierten Soldaten an der Haig School. Im Juli 2019 schloss sie ihre Pforten.

Die Schülerinnen und Schüler der Haig School überreichen mit Schulleiter Ben Turner ihre Blutbuche an Dirk Buddenberg vom Fachbereich Grünflächen der Stadt Gütersloh.

Als Dankeschön und Abschiedsgeschenk an die Stadt Gütersloh spendete die Schule für den Stadtpark eine Blutbuche (auf englisch „copper beech“, also „Kupferbuche“). Gepflanzt wurde sie auf der Wiese am Dalke-Altarm, unweit der Liebesschlösser-Brücke. Der Baum soll auch ein Ort zur Erinnerung sein, zu dem die ehemaligen Schülerinnen und Schüler bei einem Besuch in der Zukunft in ihrer alten Heimat Gütersloh zurückkehren können.

Zwei weitere Blutbuchen stehen an der Großen Wiese sowie am Meilenstein. Ein besonders ansehnliches Exemplar wächst am Eingang Park-/Ecke Badstraße an der Hyazinthenwiese. Am Dufttunnel ist das rosa-panaschierte Blattwerk einer Harlequin-Blutbuche („Fagus sylvatica f. purpurea tricolor“, siehe Foto unten) zu bewundern.

Harlequin-Blutbuche

Wie pflanze ich eine Blutbuche im eigenen Garten?

Auf jeden Fall pflanzen Sie sie nur, wenn sie einen entsprechend großen Garten haben. Blutbuchen wachsen bis zu 40 Meter hoch – und 25 Meter breit. Kleiner geht´s aber auch: Wegen seiner Schnittverträglichkeit eignet sich der Baum gut als Heckengehölz.

Wer hätt´s gedacht?

Sie wollen die 2019 gepflanzte Blutbuche im Stadtpark blühen sehen und ihre Bucheckern sammeln? Dann kommen sie frühestens in 30 Jahren noch einmal vorbei – wenn Sie sich nicht umsonst auf den Weg gemacht haben wollen, lieber in 40 Jahren. So lange dauert es nämlich, bis eine Blutbuche zum ersten Mal Früchte bildet.

Anders als für uns Menschen ist das für den Baum keine Zeitspanne: Blutbuchen werden oft zwischen 200 und 300 Jahre alt. Vielleicht kommen einzelne Exemplare auf noch längere Lebenszeiten, aber da man die Art erst seit 1680 wissenschaftlich begleitet, fehlen diesbezüglich Erfahrungswerte. Aber auch der Anblick des jungen Baumes, zumal mit der Erinnerung an die britischen Mitbürger verknüpft, lohnt der Weg in den Gütersloher Stadtpark selbstredend.



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