Gemeiner Tannenwedel

Tannenwedel

Sauberer See dank Stutenschwanz

„…und während in Villabajo noch geschrubbt wird, ist der kleine Teich im Botanischen Garten schon wieder sauber!“ – so könnte man ›in Anlehnung an eine Spülmittelwerbung formulieren. Denn der Tannenwedel ist ein natürlicher Teichreiniger. Bis zu einem halben Meter lang wird diese Sumpfpflanze – zu sehen bekommt man aber immer nur die 10 bis 15 Zentimeter, die aus dem Wasser ragen.

Woher stammt der Name „Tannenwedel“?

Ein Tannenwedel sieht aus, als habe jemand im See einen Weihnachtsbaum versenkt, dessen Tannenspitze noch aus dem Wasser lugt. Allerdings nur für Laien; für den Botaniker ähnelt der Pflanzenteil über der Wasseroberfläche eher einem Schachtelhalm. Aber Schachtelhalmwedel ginge zugegebenermaßen sehr viel schwerer über die Lippen.

Der wissenschaftliche Name lautet „Hippuris vulgaris“, erdacht einmal mehr 1753 von Carl von Linné. „Hippuris“ bedeutet Pferdeschwanz – der englische Name für die Pflanze lautet bis heute „mare´s tail“, also Stutenschwanz. Wobei ein gründelnder Gaul eine noch kuriosere Vorstellung ist als eine gedöppte Tanne. Das Wort „vulgaris“ ist nun wirklich nichts Besonderes – es bedeutet „gewöhnlich“. Wir haben es also bloß mit dem „Gemeinen Tannenwedel“ zu tun.

Woher stammt der Tannenwedel?

Der Tannenwedel ist in Seen und langsam fließenden Bächen auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet, wächst aber mittlerweile auch in Chile und Australien. Dabei mag er es eher kühl und rau als warm und mild. So findet man ihn selbst im tibetanischen Hochland und sogar auf Grönland. Damit ist der Tannenwedel von allen auch bei uns heimischen Sumpf- und Wasserpflanzen diejenige, die am weitesten nach Norden vordringt. Entsprechend kälteunempfindlich, sprich winterhart ist er. Bei einigen Eskimos in Alaska galt in Robbenöl angebratener Tannenwedel als schmackhafte Mahlzeit. Obwohl sich dieses Rezept in Deutschland nie wirklich durchgesetzt hat, gilt wilder Tannenwedel hierzulande als gefährdet.

Tannenwedel im Naturnahen Teich

Wo finde ich Tannenwedel im Botanischen Garten?

Im Teich des Naturnahen Gartens am Palmenhaus-Café.

Wie pflanze ich Tannenwedel im eigenen Garten?

Ein Teich wäre hilfreich… Tatsächlich gehört der Tannenwedel zu den beliebtesten Wasserpflanzen sowohl bei Fisch- als auch bei Schwimmteichbesitzern. Aus gutem Grund: Tannenwedel sind natürliche Klärwerke. Sie entziehen dem Wasser Nährstoffe und reduzieren damit die Algenblüte. Im Herbst sollte man die Pflanzen dann aber schneiden, ausdünnen und die Biomasse aus dem Teich entfernen. Damit entnimmt man dem Närstoffkreislauf Stickstoff, Phosphat und andere Stoffe, die im Pflanzenkörper gespeichert sind. Lässt man die Pflanzen im Wasser liegen, werden die aufgenommenen Nährstoffe wieder freigesetzt. Das wäre so, als gössen die Einwohner von Villarriba das alte Fett wieder in die blankgeschrubbte Paellapfanne zurück.

Inmitten der Seerosen lugen einige Tannenwedel aus dem Wasser.

Inmitten der Seerosen lugen einige Tannenwedel aus dem Wasser.

Wer hätt´s gedacht?

Wohl dem, der´s kann: Der Tannenwedel fährt bei der Vermehrung gleich dreigleisig. Zur Blütezeit schiebt er seine Triebe so weit er kann über die Wasseroberfläche hinaus. Damit ist eine Bestäubung der kleinen, roten Blüten durch den Wind möglich. Zudem vermehrt er sich unter Wasser über Ausläufer – wer die kriechenden Wurzelstöcke stoppen will, muss ihn gleich zu Beginn in einen Kübel pflanzen. Und schließlich bildet er im Spätherbst Turionen, kleine sprossenförmige Überwinterungsorgane. Diese lösen sich von der Mutterpflanze und sinken auf den Gewässergrund. Im Frühjahr treiben aus diesen Turionen neue Pflanzen aus. Das ist eine Besonderheit des Tannenwedels, denn solche Turionen sind eigentlich für echte Aquarienpflanzen typisch, die komplett unter Wasser wachsen.

Wie immer sich der Tannenwedel vermehrt – wer sich von Grönland bis Südchile ausbreiten konnte, hat offensichtlich eine Erfolgsmethode gefunden…


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