Blauer und Mostgummi-Eukalyptus

Kalorien für Koalas

So viele Pflanzenarten aus der australischen Flora wachsen im Botanischen Garten Gütersloh nicht. Drei, um genau zu sein. Neben dem Karminroten Zylinderputzer sind das der Blaue Eukalyptus und der Mostgummi-Eukalyptus.

Woher stammt der Name?

Eukalyptus lässt sich aus dem Griechischen kommend frei mit „Gut verborgen“ übersetzen. Das bezieht sich auf eine Kapsel, die bei Eukalyptus-Arten die Knospe einschließt.

Diese Knospe ist beim Blauen Eukalyptus blau-grün. Wer immer den Deutschen Namen ersann war der Meinung: mehr blau als grün. Wer immer den botanischen Namen „Eucalyptus globulus“, d.h. „kreisrunder Eukalyptus“, ersann war der Meinung: Die Knospe interessiert doch gar nicht, die Blätter sind das Unterscheidungsmerkmal. Und die sind – naja, nicht wirklich kreisrund, eher eiförmig, aber damit zumindest runder als die lanzettenartigen Blätter anderer Arten. Um die Namensgeber nicht zu kompromittieren, halten wir fest: die Knospen sind bläulich und die Blätter rundlich. Dann passt es mit den Namen.

Blauer Eukalyptus

Blauer Eukalyptus

Der Mostgummi-Eukalyptus hat seinen Namen vom Zuckersirup, den er produziert. Aborigines bohren den Stamm an, um den austretenden Saft aufzufangen. Man kann den Sirup sofort verzehren, man kann ihn aber auch in Behältnissen gären lassen – dann schmeckt er wie Apfel-Cider (ein kleiner Tipp ans Palmenhaus-Café, das würde die Getränkekarte um einen exotischen Eintrag erweitern). Der botanische Name „Eucalyptus gunnii“ ist weniger anschaulich, sondern ehrt den Botaniker Ronald Campbell Gunn, der im 19. Jahrhundert die Pflanzenwelt Tasmaniens erforschte.

Mostgummi-Eukalyptus

Mostgummi-Eukalyptus

Woher stammen der Blaue Eukalyptus und der Mostgummi-Eukalyptus?

Der Eukalyptus ist der Symbol-Baum Australiens. Mehr als 600 Arten gibt es, und alle kommen ursprünglich nur in Australien, einige wenige zudem in Indonesien vor. Die beiden Eukalyptus-Arten, die sich im Botanischen finden, haben sogar eine noch speziellere Heimat: die Insel ›Tasmanien, rund 240 km südlich des australischen Festlands. Mittlerweile sind aber beide Arten zu beliebten Zierbäumen geworden, wo immer es die klimatischen Verhältnisse zulassen. Blauer Eukalyptus wird zudem in großem Stil  in China zur Gewinnung von Eukalyptusöl angebaut.

Wo finde ich Eukalyptus im Botanischen Garten Gütersloh?

Zum einen im Apothekergarten – wie sich jeder denken kann, der schon mal bei Husten oder Heiserkeit ein Eukalyptus-Bonbon gelutscht hat. Das ätherische Öl der Pflanze wirkt entzündungshemmend, schleimlösend und auswurffördernd (man hat beim Lesen dieses Wortes keine schönen Bilder im Kopf …). Zum anderen im Mediterranen Garten. Dann haben die Stadtgärtner es im Winter nicht so weit, die Kübel ins Gewächshaus zu fahren. Denn auch wenn die Pflanzen kurzfristig auch tiefere Minusgrade überstehen – ein langanhaltender westfälischer Winter ist nichts für Bäume, die eigentlich Australien begrünen.

Wie pflanze ich Eukalyptus im eigenen Garten?

Wie die Stadtgärtner: im Kübel. Sonst wird ihr Eukalyptus nämlich nicht wie als Kübelpflanze 2 Meter, sondern gerne bis zu 35 Meter hoch. Und dann kriegen sie ihn ja im Oktober nur noch sehr umständlich in den Wintergarten. Im Sommer gilt: So tasmanisch wie möglich, also vollsonnig und warm.

Wer hätt´s gedacht?

Sie sehen aus, als wären sie eine Erfindung der Marketing-Abteilung von Steiff: Ohne Koalabären ist ein Eukalyptus-Porträt undenkbar. Koalas ernähren sich nahezu ausschließlich von Eukalyptus-Blättern. Um die faserigen Blätter überhaupt verdauen zu können, haben sie ein spezielles Organ, einen 2 Meter langen Blinddarm (zum Vergleich: der menschliche Blinddarm ist 6 bis 8 cm lang).

Trotz oder gerade wegen dieser speziellen Ausstattung sind sie überraschend leksch (ostwestfälisch für „beim Essen wählerisch“). Von den Hunderten Eukalyptus-Arten kommen für die knuddeligen Säuger nur eine bis drei als regelmäßige Nahrungsquelle in Betracht. Welche genau das sind, ist ein weites Forschungsfeld und noch nicht restlos geklärt. Denn jede Koalasippe hat spezielle Vorlieben. Allerdings gibt es Eukalyptus-Arten, die bei den meisten Koalas als mögliche Mahlzeit auf dem Speiseplan stehen – der Blaue Eukalyptus gehört dazu. Und es gibt Arten, die mehrheitlich verschmäht werden, wie der Mostgummi-Eukalyptus.

Zielsicherer ist noch nie eine Tierart in eine Sackgasse der Evolution abgebogen: Bei diesem Essverhalten wird es für die Koalas in Australien immer schwieriger, ausreichend Nahrung zu finden. Die beiden Blauen Eukalyptus-Bäume im Botanischen Garten werden da im Zweifel auch nicht entscheidend zur Arterhaltung beitragen können.


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