Karminroter Zylinderputzer

Karminroter Zylinderputzer

Die Australische Botschaft

Der Karminrote Zylinderputzer bringt exotisches Flair nach OWL. Ein echter Hingucker sind seine auffällig gefärbten und auffällig geformten Blütenpuschel, die zudem wie aufgespießt wirken: Die Zweige des Zylinderputzers wachsen oberhalb der Blütenkronen weiter, während die Blüten verholzen und im mittleren Teil der wachsenden Zweige verbleiben. Insgesamt wirkt der Strauch wie für die Kulissen eines Science-Fiction-Films ausgedacht, so als käme er aus einer anderen Welt. Und irgendwie tut er das tatsächlich …

Woher stammt der Name „Karminroter Zylinderputzer“?

Seinen Namen verdankt der Karminrote Zylinderputzer seinen Blüten, die a) karminrot sind und b) Zylinderbürsten ähneln, also jenen Bürsten, die man zum Reinigen der Glaszylinder von ›Petroleumlampen verwendete.

Sein botanischer Name lautet „Callistemon citrinus“. Das „citrinus“ steht für den zitronigen Duft, den die ätherischen Öle der Blätter verströmen, wenn man diese zerreibt. Der Gattungsname „Callistemon“ heißt aus dem Griechischen übersetzt „Schönfaden“ – gemeint sind die Staubfäden, die den Blüten ihre intensive Färbung geben.

Woher stammt der Karminrote Zylinderputzer?

Der Botanische Garten Gütersloh kann sich rühmen, Pflanzen aus allen Erdteilen zu beheimaten (die Antarktis lassen wir mal außen vor; die dort vorkommenden Moose und Flechten würden ohnehin nicht übermäßig zur Verschönerung der Parkanlage beitragen). Es wachsen dort sehr viele europäische Pflanzenarten, viele asiatische, einige nord- und südamerikanische, wenige afrikanische – und genau drei australische. Neben zwei Eukalyptus-Arten vertritt der Karminrote Zylinderputzer den fünften Kontinent. Seine ursprüngliche Heimat sind Sümpfe und Wasserläufe in Queensland und New South Wales. Aus der ›Botany Bay bei Sydney gelangte das erste Exemplar 1771 auf der ›Südseereise von James Cook nach Europa.

Wo finde ich einen Karminroten Zylinderputzer im Botanischen Garten?

So richtig heimisch können wir es hierzulande dem Zylinderputzer nicht machen. Aus Australien stammend, liebt er die Sonne und die Wärme. Deshalb ist er im Mediterranen Garten am Palmenhaus-Café noch am besten aufgehoben. Dort stehen drei Exemplare in Kübeln. Denn im Winter müssen sie ins Gewächshaus: Zylinderputzer können einige Tage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt überleben, doch wenn die Kälte länger andauert, vor allem aber, wenn es noch frostiger wird, gehen sie ein.

Wie pflanze ich einen Zylinderputzer im eigenen Garten?

Sie pflanzen ihn eben nicht im Garten, sondern im Kübel, um ihn Ende Oktober ins Winterquartier bringen zu können. Im Sommer liebt der Zylinderputzer dieselben Standortfaktoren wie die meisten Gütersloher: je sonniger und wärmer desto besser. Und wie die meisten Gütersloher bekommt er dann als Starkzehrer einen Durst, den man nur unterschätzen kann.

Dank ihrer dicken, wasserspeichernden Blätter übersteht die Pflanze zwar auch Trockenperioden, doch bildet sie dann deutlich weniger Blüten. In der prallen Sonne platziert und mit ausreichend Flüssigkeit versorgt, kann sie dagegen bis zu 100 Blüten entwickeln. Dann ist sie von oben bis unten feuerrot – wie die meisten Gütersloher, zumindest wie jene, die glaubten, auf ihrer Terrasse auf einen Sonnenschutz verzichten zu können. Dem Zylinderputzer steht die Farbe aber deutlich besser.

Wer hätt´s gedacht?

Drei Exemplare sind im Besitz der Stadt – und dabei wird´s ohne menschliches Zutun auch bleiben. Dass die Zylinderputzer sich von allein vermehren, ist unwahrscheinlich. Unabhängig davon, dass sie den nächsten Frost draußen nicht überleben würden, scheitert es schon an der Reproduktion. Denn Zylinderputzer verfolgen eine Vermehrungsstrategie, die hierzulande ins Leere läuft: Sie sind ein Pyrophyten, d. h. ihre Samen öffnen sich erst, wenn sie einem Feuer ausgesetzt sind. Wie die Sägepalme aus Florida profitiert der Strauch also von den Buschbränden, wie sie in Südostaustralien häufig, in Ostwestfalen aber hoffentlich nicht so bald ausbrechen.

Da es selbst „down under“ nicht täglich brennt, gibt noch eine zweite Fortpflanzungstaktik: Die roten Blüten sind für die Bestäubung durch Honigfresser optimiert. Diese Vögel sind mit ihrem langen, nach vorne gebogenen Schnabel bestens für die Nektaraufnahme ausgestattet. Nun finden sich in der Voliere am Mediterranen Garten zwar einige gefiederte Exoten, aber keine Honigfresser, und auch in der freien Wildbahn Güterslohs kommen diese nicht allzu häufig vor.

Zum Glück gibt´s die Stadtgärtner. Die können theoretisch Zylinderputzer-Kapseln über einer Kerzenflamme zum Aufbrechen bringen oder praktisch Stecklinge schneiden und pflanzen. So dürfen wir auch ohne Buschfeuer und Honigfresser weiterhin die „Botschafter Australiens“ an der Dalke bewundern 


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