Kornelkirsche

Kornelkirsche

Ein Holz, so hart wie Horn

Austreibende Holzspeere, rekordverdächtige Obstbrandpreise und ein Name, den jeder ausspricht, wie er will – die Kornelkirsche weiß in mehrfacher Hinsicht zu überraschen. 

Woher stammt der Name „Kornelkirsche“?

Vom lateinischen Namen für die Kornelkirsche, die im antiken Rom „cornus“ hieß. Das ist aber auch das einzige, was man mit Gewissheit sagen kann. Zwar mangelt es nicht an Theorien, warum die Römer den Strauch so nannten, aber beweisen lässt sich keine.

Gängigste Meinung in der Sprachwissenschaft ist, dass sich der Name von „cornu“, dem Wort für „Horn“ ableitet. Die dazugehörige Erklärung wäre in diesem Fall, dass das Holz – tatsächlich eines der härtesten Hölzer überhaupt – so hart wie Horn ist, also z. B. wie die Panzerbedeckung von Reptilien. Es werden sich aber genug Gegenstimmen finden, die eine Verwandtschaft mit der griechischen Vokabel für den Kirschbaum „kérasus“ vermuten. 

Womit wir beim Wortbestandteil „-kirsche“ wären. Falls die Theorie mit der griechischen Vokabel für den Kirschbaum stimmt, lässt sich daran ein Jahrtausende altes Missverständnis aufzeigen. Die Kornelkirsche mag rote, wohlschmeckende Früchte hervorbringen, die denen der Vogelkirsche ähneln, eine Kirsche im botanischen Sinn ist das Hartriegel-Gewächs nicht. Kornel- und Vogelkirsche gehören unterschiedlichen Gattungen, unterschiedlichen Familien, ja unterschiedlichen Ordnungen im Pflanzenreich an, liegen also verwandtschaftlich soweit auseinander wie Schwippschwager und Großneffe.

Einzigartig uneindeutig ist die Aussprache der Kornelkirsche. Sie haben alle Möglichkeiten:

  • Am verbreitetsten ist „Kornellkirsche“, also mit Betonung auf der zweiten Silbe, die dann kurz gesprochen wird. Dafür spricht, dass die Früchte des Strauches als „Kornellen“ bezeichnet werden.
  • In früheren Jahrhunderten verbreiteter war die Aussprache „Korneelkirsche“, mit Betonung auf der zweiten, aber lang gesprochenen Silbe.
  • Wohl auch, weil der „corneltree“ im Englischen auf der ersten Silbe betont wird, hört man hierzulande auch „Korrnelkirsche“ – dem Strauch wird´s egal sein. 

Der botanische Name „Cornus mas“ bedeutet „männliche Kornelkirsche“.

Woher stammt die Kornelkirsche?

Die wärmeliebende Kornelkirsche stammt aus dem südlichen und südöstlichen Europa. Ob in Nizza oder Neapel, Athen oder Antalya, überall lassen sich Exemplare „in freier Wildbahn“ finden. Der Strauch ist als Ziergehölz recht beliebt und daher auch in Ostwestfalen häufiger anzutreffen. Echte Wildbestände gibt es hierzulande aber nicht, höchstens verwilderte Exemplare aus Gartenpflanzungen.

Wo finde ich eine Kornelkirsche im Stadtpark Gütersloh?

Wer einen Park oder einen Botanischen Garten so gestalten möchte, das er ganzjährig attraktiv ist, kommt an Kornelkirschen kaum vorbei: Der Strauch bildet schon Ende Februar (und bis in den April hinein) goldgelbe Blüten, also dann, wenn sich sein Umfeld noch weitestgehend trist gibt. Damit ist er für alle, die einen Spaziergang im Winter nicht scheuen, ein Hingucker sowie für Insekten, insbesondere Bienen, eine der ersten Futterquellen des Jahres.

So findet sich ein 2019 gepflanztes Exemplar am Spielplatz an der Dalke, auf dem Gehölzstreifen zwischen der Schaukel/Rutsche und Ibrüggers Feld. Ein zweites Exemplar wurde 2020 in der Nähe des Lehrbienenstands am Teich des Naturnahen Gartens gepflanzt. Und eine dritte Kornelkirsche schmückt den „Voreingang“ zum Park an der Dalkebrücke zwischen Neuenkirchener- und Emilienstraße.

Wie pflanze ich eine Kornelkirsche im eigenen Garten?

Recht problemlos. Der Strauch ist genügsam und toleriert Hitze, Trockenheit und Wind. Allein allzu schattig darf der Standort nicht sein – für eine Pflanze, die ursprünglich aus Südeuropa stammt, ein nachvollziehbarer Wunsch.

Erwähnenswert ist ihre Schnittverträglichkeit: Selbst bei starkem Beschnitt schlägt sie wieder aus. Sagen aus der Antike berichten von Speeren aus Kornelkirschholz, die, vom Blut der Durchbohrten getränkt, Wurzeln schlugen und ergrünten. Wir empfehlen eine weniger militaristische Pflanzmethode. 

Wer hätt’s gedacht?

Eine Spirituosen-Spezialität haben Brennereien im niederösterreichischen Mostviertel entwickelt. Sie vertreiben Kornelkirschwasser, bekannt als „Dirndlbrand“. Die Ernte ist aufwendig: Die Früchte reifen über sechs Wochen hinweg, so dass die Sträucher alle drei Tage nach geeigneten Früchten abgesucht werden müssen. Auch wenn es mittlerweile speziell gezüchtete Sorten mit mehr Fruchtfleisch gibt, bleibt die Ausbeute unergiebig.

Der hohe Aufwand und die Kleinfruchtigkeit führen selbst in Mitteleuropa zu skandinavischen Alkoholpreisen: Liebhaber zahlen 150 Euro und mehr für einen Liter dieses ›Edelbrandes. Kostenlos erfreut die Kornelkirsche indes als Zierstrauch alle Besucherinnen und Besucher des Botanischen Gartens Gütersloh.

Kornelkirsche am Fabelpfad, Neuenkirchener Straße gegenüber der Villa Murken


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