Wilde Indianernessel

Wilde IndianernesselWilde Indianernessel

Der Geschmack der Freiheit

Die Wilde Indianernessel spielt keine unbedeutende Rolle in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Wie die frühere Kolonie mit Hilfe der exotischen Wildstaude ihre Unabhängigkeit erlangte.

Woher stammt der Name „Wilde Indianernessel“?

Der Name „Wilde Indianernessel“ erklärt sich durch die Nutzung der Pflanze als Lebensmittel, Gewürz und Heilkraut durch die nordamerikanischen Ureinwohner.

Ihren botanischen Namen „Monarda fistulosa“ erhielt die Gattung der Indianernesseln nach Nicolás Monarda (1493-1588). Der Spanier war Arzt, Botaniker, Autor und Händler, vor allem aber war er Sammler: Er sammelte Pflanzen (vor allem aus der neuen Welt), er sammelte Wissen (indem er am Hafen von Sevilla Seefahrer, Händler, Missionare und Reisende über diese Pflanzen und ihre Heilwirkung befragte) und er sammelte Erfahrungen (indem er die Heilpflanzen am lebenden Objekt, sprich seinen Patienten ausprobierte).

Seine Interessen, Fähigkeiten und Ansichten waren ungewöhnlich vielfältig, bisweilen auch widersprüchlich: Er verfasste ein Buch über den Humanismus und handelte mit Sklaven. Er beschäftigte sich ebenso intensiv mit Rippenfellentzündungen wie mit Zitrusfrüchten. Er wirkte segensreich, indem er den Europäern in seinen Büchern neue Lebensmittel wie Ananas, Erdnuss und Mais näherbrachte, und weniger segensreich, indem er geradezu euphorisch Tabak als Wundermittel gegen Dutzende Krankheiten bewarb – darunter auch Krebs. Erst 200 Jahre und unzählige Raucherlungen später fiel der Wissenschaft Monaras Irrtum auf. Aber wir wollen nicht kleinlich sein, immerhin beschrieb er völlig zutreffend die Heilkraft der Indianernessel, die deshalb zurecht seinen Namen trägt.

Das lateinische „fistulosa“ heißt „voller Röhren“ und bezieht sich auf die röhrigen Kelchblätter.

Woher stammt die Wilde Indianernessel?

Die Wilde Indianernessel wächst in Nordamerika, im südlichen Kanada ebenso wie im nördlichen Mexiko.

Wo finde ich Wilde Indianernesseln im Botanischen Garten?

Im Mulchbeet neben der Tulpenmagnolie, zwischen dem Asterngarten und den saisonal bepflanzten Beeten, blüht duftend zwischen Juli und September die Sorte ’Blaustrumpf‘.

Wie pflanze ich Indianernesseln im eigenen Garten?

Die Wilde Indianernessel bevorzugt vollsonnige, gedeiht aber auch in halbschattigen Lagen.   Auf Gartenportalen im Internet wird ihr eine große Trockenheitsresistenz nachgesagt, was bei einer Präriepflanze nicht verwundert. In den Kommentarspalten unter den Ratgeberseiten geben sich allerdings nicht wenige Nutzer dieser Gartenportale als Besitzer vertrockneter Indianernesseln zu erkennen. Wir folgen daraus: Ganz ohne gießen geht´s im Sommer nicht. Gefällt es der Pflanze bei Ihnen, breitet sie sich über unterirdische Rhizome schnell aus.

Wer hätt´s gedacht?

1773 warfen in Boston nordamerikanische Kolonisten kistenweise Schwarzen Tee ins Hafenbecken, um so ihren Protest gegen die britische Kolonialpolitik auszudrücken – ein Vorzeichen des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Was bei der ›Boston Tea Party viel zu selten hinterfragt wird: Brauchten und wollten die Wutbürger den Tee nicht? Wie brachten sie es übers Herz, den kostbaren, aus China importierten Earl Grey zu vernichten?

Nun, was sie politisch erst noch erkämpfen mussten, hatten sie tee-technisch längst erreicht: Sie waren unabhängig geworden – dank der Indianernessel. Genauer gesagt: dank der Indianer. Denn Völker wie die Blackfoot oder die Anishinabe wussten schon lange, dass sich die thymolhaltigen Blätter der Pflanze hervorragend eignen, um einen nach Oregano duftenden, aromatischen Tee aufzugießen. Nachdem der amerikanische Botaniker John Bartram sie um 1745 in der Nähe des Ortes ›Oswego am Ontariosee dabei beobachtet und darüber berichtet hatte, ersetzten immer mehr Siedler den teuren Import- durch hemischen Oswego-Tee. So brach nach der Tea Party die ohnehin schwache Nachfrage nach Import-Tee um 90% ein, ohne dass die Bostoner Bürger auf eine Teestunde hätten verzichten müssen.

Bis heute wird Oswego-Tee für seine wohltuende und erkältungsheilende Wirkung geschätzt. Von der Heilkraft der Indianernessel hätte Mr. Bartram allerdings mit etwas Spanischkenntnissen auch schon früher erfahren können: Bereits 1569 hatte Señor Monarda in seinem Buch bei Bronchialerkrankungen einen Indianernessel-Sud empfohlen – als zweitbestes Mittel, falls das Inhalieren von Tabakrauch keine Linderung verschaffe.


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