Purpur-Sonnenhut

Purpur-Sonnenhut

Seeigel aus dem Wilden Westen 

Haben Sie schon mal einen Seeigel gestreichelt? Im Apothekergarten Gütersloh haben Sie die Möglichkeit dazu – am Beet, wo die Purpur-Sonnenhüte blühen.  

Woher stammt der Name „Purpur-Sonnenhut“?

Bei einem Blick auf die Blüte des Purpur-Sonnenhuts lässt sich leicht erahnen, warum der Volksmund der Pflanze diesen Namen gegeben hat. Wobei man bei der Farbe flexibel bleiben muss: Moderne Züchtungen des Purpur-Sonnenhuts blühen in weiß, rosa oder orange und sind dennoch Purpur-Sonnenhüte.

Der hessische Botaniker ›Conrad Moench (1744–1805) hatte indes eine andere Assoziation als einen Sonnenhut beim Anblick der Blütenköpfe: Er nannte die Pflanzengattung 1794 „Echinacea“, auf Deutsch: Seeigelkopf. Der Purpur-Sonnenhut findet sich im Pflanzenlexikon entsprechend als Echinacea purpurea.  

Kurios: Unter anderem Namen war die Pflanze der Wissenschaft schon rund 100 Jahre zuvor bekannt gewesen. Um 1690 hatte Queen Mary II. einen Traumjob für Botaniker zu vergeben: Sie suchte jemanden, der ihre stetig wachsende Sammlung exotischer Pflanzen, viele davon aus der Neuen Welt, katalogisieren sollte. Den Job bekam Leonard Plukenet, der für die nächsten Jahre auf Schloss Hampton Court in London Tausende Pflanzen bestimmte und dokumentierte. Einige davon waren bis dahin in Europa unbekannt, darunter eine – wie Plukenet glaubte – neue Chrysanthemen-Art. Als „Amerikanische Chrysantheme“ nahm er diese erst in den königlichen Bestandskatalog und 1696 in sein Standardwerk „Phytographia“ auf. 

Im Laufe der folgende Jahrzehnte äußerten Kollegen immer wieder Zweifel an Plukenets botanischer Einordnung. Schließlich setzte sich Moench mit seiner Ansicht durch, die Pflanze gehöre in eine eigenständige Gattung. Die Amerikanische Chrysantheme musste den (Sonnen-)Hut nehmen und ist seitdem aus dem Pflanzenlexikon verschwunden.

Plukenet muss sich darob aber nicht grämen: Zum einen war er zu dem Zeitpunkt schon 88 Jahre tot. Zum anderen weiß kein Mensch von seiner Fehleinschätzung, während Plukenets eigene Pflanzensammlung bis heute vom Naturhistorischen Museum in London in Ehren gehalten wird.

Woher stammt der Purpur-Sonnenhut?

Aus dem „Wilden Westen“. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Purpur-Sonnenhüte erstreckt sich von den Rocky Mountains über die Prärien bis zu den Großen Seen. 

Wo finde ich Purpur-Sonnenhüte im Botanischen Garten Gütersloh?

Die Staude war eine klassische Heilpflanze vieler Indianerstämme – die Kiowa, die Cheyenne, die Lakota nutzten sie gegen Erkältungen und zur Schmerzlinderung. Bis heute ist Sonnenhut Bestandteil vieler Naturheilmittel. Deshalb wurde die Staude – neben einiger Exemplare im Gräserband an der Wiese – im Apothekergarten gepflanzt.

Wie pflanze ich Purpur-Sonnenhüte im eigenen Garten?

Nicht als einziger. Purpur-Sonnenhüte sind eine „Modestaude“ der letzten Jahre geworden. Neben ihrem hohen Zierwert hat dazu auch beigetragen, dass sie für eine solch farbenprächtig Staude recht pflegeleicht ist. Ein sonniger Standort ist der Schlüssel zum Erfolg. Während Hitze, Trockenheit und Frost der Staude nichts ausmachen, blüht sie zwischen Juli und September umso kümmerlicher und kürzer, je schattiger sie steht. 

Wer hätt’s gedacht?

Nicht oft gehen wir in dieser Kolumne auf den botanischen Namen ein, in diesem Fall war es aber notwendig. Haben Sie Sonnenhüte im Beet gepflanzt? Das können Sie getan haben, ohne eine Echinacea zu besitzen. Denn mit dem deutschen Name „Sonnenhut“ etikettieren Gartencenter auch Pflanzen der Gattung ›Rudbeckia. Die Stauden sehen sich zu allem Überfluss auch noch recht ähnlich.

Dennoch sind sie nur entfernt verwandt, und unterscheiden lassen sie sich recht eindeutig durch eine Streicheleinheit: Wer mit dem Finger sanft über den Blütenkopf fährt, spürt bei den Rudbeckien eine weiche, fast glatte Oberfläche. Die Blütenmitte der Echinacea-Sonnenhüte ist dagegen stachelig-spitz – sonst wäre Conrad Moench ja auch nicht auf die Idee mit dem Seeigel gekommen.

Sonnenhut Hummel


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