Kuckucks-Lichtnelke

Kuckucks-Lichtnelke

Mit dem Teufel im Bunde

Die Kuckucks-Lichtnelke taucht von Mai bis Juli ganze Wiesen in ein zartes Rosarot. Doch lassen Sie sich nicht täuschen: In dieser Wildstaude steckt allzuoft der Teufel persönlich. Oder zumindest sein Stellvertreter, die Schaumzikade.

Woher stammt der Name „Kuckucks-Lichtnelke“?

Lichtnelke heißt die Gattung, weil die Pflanzenfasern schon in der Antike zur Herstellung von Dochten für Öllampen verwendet wurde. Spannender ist der Teil mit dem “Kuckuck”. Der bezieht sich nur vordergründig auf den Vogel, denn „Kuckuck“ nutzten abergläubische Menschen früher als Ersatzwort, um „Teufel“, „Hexe“, „Lord Voldemort“ und ähnliche Unglücksbringer nicht aussprechen zu müssen. Nun sind bei der Kuckucks-Lichtnelke häufiger Schaumnester an Stängel und Blättern zu beobachten. Darin werden die Larven der Pflanzensaft saugenden >Schaumzikade groß. Der Schaum schützt die Insektenlarven vor Feinden, vor allem aber sorgt er für die zur Weiterentwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur. Diese Schaumhüllen wurden früher als Speichelspuren von Dämonen, Kobolden oder gar des Leibhaftigen gedeutet und heißen bis heute „Kuckucksspucke“. Auch das bekanntere Wiesenschaumkraut verdankt diesem „teuflischem“ Schaum seinen Namen.

Zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurde die Pflanze wie so viele 1753 von Carl von Linné, der sich für den Namen „Lychnis flos-cuculi“ entschied. Der bedeutet im Prinzip nichts anderes als der deutsche Trivialname: Das griechische „lychnos“ steht für „Leuchte, Lampe“, „flos-cuculi“ heißt „Blume des Kuckucks“.

kuckucks-lichtnelken

Woher stammt die Kuckucks-Lichtnelke?

Die Kuckucks-Lichtnelke ist in den gemäßigten Zonen Eurasiens beheimatet. Im 19. Jahrhundert gelangte die Wildstaude auf den amerikanischen Kontinent und verbreitete sich auch dort stark.

Wo finde ich Kuckucks-Lichtnelken im Stadtpark?

Die Kuckucks-Lichtnelke ist eine Zeigerpflanze. So nennen Botaniker Pflanzen, die sehr empfindlich auf Änderungen ihrer Lebensbedingungen reagieren, z.B. auf die Beschaffenheit des Bodens. So können die Fachleute durch ihr Vorkommen auf die Beschaffenheit des Bodens schließen. Konkret ist die Kuckucks-Lichtnelke ein Wechselfeuchtezeiger (ein schönes Wort für die nächste Galgenmännchen-Partie – das errät so schnell niemand…), d. h. sie gedeiht besonders gut an Standorten, die im Lauf des Jahres wechselnd nass und trocken sind.

Achtung, jetzt ist Transferleistung gefragt! Wenn wir Ihnen verraten, dass der Wechselfeuchtezeiger Kuckucks-Lichtnelke in größerer Zahl auf den Wiesen der renaturierten Dalkeaue zu finden ist, was sagt das über die Dalkeaue aus? Der Experte weiß sofort: Aha, die Dalkeauen sind im Laufe des Jahres mal nass und mal trocken. Das weiß zwar auch jedes Gütersloher Kindergartenkind, aber mit irgendwas müssen die acht Semester Biologiestudium ja gefüllt werden.

kuckuckslichtnelken

Wie pflanze ich Kuckucks-Lichtnelken im eigenen Garten?

Sie brauchen nicht zwingend eine Feuchtwiese oder eine Flussaue im Garten zu haben, um sich an den leuchtenden Blüten der Lichtnelke erfreuen zu können. Auf humosen-sandigen Böden wächst sie auch, aber der Lebensraum der Wildform macht klar, dass Sie für ausreichend Feuchtigkeit sorgen müssen. Wenn Sie im Frühling oder Herbst pflanzen: gut wässern! Wenn Sie im Sommer pflanzen: noch besser wässern! Wenn Sie Pflanzen im Topf kaufen: für eine Stunde ins Wasserbad stellen, damit sich die Wurzeln vollsaugen. Nach dem Einpflanzen: besonders gut wässern! Zugegeben: Bei nochmaliger Überlegung wäre eine Feuchtwiese oder eine Flussaue im Garten doch nicht das Verkehrteste.

Wer hätt´s gedacht?

Der Stängel ist unter den Knoten klebrig. Das gewährt einen wirksamen Aufkriechschutz gegen kleinere Insekten. Blöd halt, das Schaumzikaden fliegen können…


Lesen Sie als nächstes …

Japanischer Blauregen

Japanischer Blauregen

Der falsche Name ist richtig Der botanische Name des Japanischen Blauregens wird falsch geschrieben – und das ist überraschenderweise völlig korrekt so. Der Japanische Blauregen ist eine ebenso pracht- wie… Weiterlesen