Wald-Hainsimse

Wald-Hainsimse

Blätterbett für Adler

Es gibt attraktivere Pflanzen als die Wald-Hainsimse. Aber wer die Adlerwarte im Stadtpark reaktivieren möchte, kommt an ihr nicht vorbei.

Woher stammt der Name „Wald-Hainsimse“?

Simsen – das ist heute umgangssprachlich der Ausdruck für das Verschicken von SMS-Nachrichten, im Jahr 2001 kam er bei der Wahl zum ›Jugendwort des Jahres in die Top-10. Ein halbes Jahrtausend zuvor erreichte das Wort in Deutschland sogar Rang 2 bei der Wahl zur Bezeichnung einer Pflanzenfamilie, die letztlich nach dem erstplatzierten Begriff „Binsen“ benannt wurde. Allein im Alpenraum setzten sich sprachlich die „Simsen“ durch. Während die meisten Binsenarten feuchte Standorte wie Moore, Sümpfe oder Feuchtwiesen bevorzugen, besiedeln Hainsimsen trockene, schattige Standorte wie Wälder – was im Namen Wald-Hainsimse gleich doppelt zum Ausdruck kommt.

Ihren botanische Einordnung als „Luzula sylvatica“ erhielt die Pflanze 1811 von ›Jean Gaudin. Der Schweizer war hauptberuflich Pfarrer und Lehrer und fand deshalb nebenbei noch genügend Zeit, sämtliche in der Schweiz vorkommenden Gräser zu erforschen und zu kategorisieren. Auch wenn die Pflanze schon 50 Jahre zuvor wissenschaftlich erstbeschrieben worden war, überrascht angesichts ihrer weiten Verbreitung das relativ späte Datum. Offenbar war die Hainsimse einfach zu unscheinbar und unspektakulär, als dass sich vorher jemand intensiv mit ihr beschäftigt hätte. Es brauchte schon echte Gräser-Geeks wie Jean Gaudin – oder wie Sie, immerhin lesen Sie gerade einen Artikel über Wald-Hainsimsen, dafür muss man schon ein bisschen Nerd sein …

Jedenfalls geht „Luzula“ auf das lateinische „lux“, also „Licht“ zurück. Die ohnehin glänzenden Blätter glitzern besonders schön im Sonnenlicht, wenn sie morgens mit Tau bedeckt sind. Aus der Querbeet-Folge zur Rotbuche erinnern Sie sich vielleicht noch an den Artnamen „sylvatica“. Mit dem bedenken Botaniker im Wald wachsende Pflanzen.

Woher stammt die Wald-Hainsimse?

Wald-Hainsimsen wachsen in mäßig schattigen Wäldern zwischen Atlantik und Kaukasus. Dort sind sie relativ stark verbreitet. Vegatationskundler klassifizieren sogar einen eigenen Waldtyp als „Hainsimsen-Buchenwald“. Dieser gilt als artenarm. Das bedeutet, dass dort außer Hainsimsen und Buchen nur wenig wachsen will und sogar vegetationsfreie Lücken auf dem Waldboden zu sehen sind, die selbst die genügsame Hainsimse verschmäht.

Wo finde ich die Wald-Hainsimse im Botanischen Garten Gütersloh?

Entlang des Weges zwischen dem Steingarten und dem kreisrunden Tümpel gegenüber der Flamingoskulptur.

Wie pflanze ich Wald-Hainsimsen im eigenen Garten?

Wald-Hainsimsen sind beliebte Bodendecker, gerade für etwas schattige Beete. Sie gelten als sehr robust und pflegearm. Die größte Gefahr droht ihnen im Winter – allerdings nicht durch Frost, den sie problemlos überstehen, sondern durch die Wintersonne, die ihnen ohne das schützende Laubdach die Blätter versengt.

Sie haben keine Wald-Hainsimsen gepflanzt, aber dennoch einen imposanten Simsenteppich im Beet stehen? Danken Sie den Ameisen in Ihrem Garten! Diese tragen fleißig zur Verbreitung bei. Die Hainsimsen-Samen bilden ein fettreiches Anhängsel, das ihnen als Nahrung dient. Die Insekten tragen sie in ihre Nester und scheren sich dabei nur selten um Grundstücksgrenzen.

Adlerwarte 1954: Hermann Temme und seine Medusa

Wer hätt´s gedacht?

Dass der Stadtpark in den 1950er Jahren für einige Jahre eine Greifvogelwarte beheimatete, ist nur alteingesessenen Güterslohern noch vor Augen. Die privat betriebene Anlage rentierte sich nicht und musste schließen; eine Neueröffnung in heutiger Zeit scheint illusorisch. Dabei wäre reichlich Material für Adlerhorste vorhanden. Steinadler zum Beispiel bauen ihre Nester aus kräftigen Ästen und Zweigen und polstern sie mit belaubten Zweigen und Büscheln aus. Im Winter, wenn Laub knapp ist, greifen sie bevorzugt auf die immergrünen Blätter der Wald-Hainsimse zurück. Also, die Basis ist vorhanden – wer wagt den unternehmerischen Schritt?


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