Sumpfeiche

Sumpfeiche gepflanztPflanzten im März 2021 eine Sumpfeiche an der Badstraße (v. l.) Martin Berenbrinker, Niklas Hesse und Ralf Deppe vom beauftragten Unternehmen Verler Gartenbau. (Foto: Stadt Gütersloh)

Im politischen Sumpf der Hauptstadt

Zwei Sumpfeichen schmücken den Gütersloher Stadtpark. Die Bäume haben weniger mit Sümpfen zu tun, als man ihrem Namen nach glauben könnte. Dieser Name reichte aber aus, um den Politikern in Berlin das Fürchten zu lehren.

Woher stammt der Name „Sumpfeiche“?

Der Name „Eiche“ stammt wohl aus dem Germanischen. Unsere Vorfahren bezeichneten den Baum mit dem Laut „aik“. Die Sumpfeiche ist eine von rund 500 Eichenarten; im Rahmen dieser Serie hatten wir bereits die weitverbreitete Stieleiche und deren Sonderform, die Säuleneiche, porträtiert. 

Der artbezeichnende Zusatz „Sumpf-“ führt etwas in die Irre. Sumpfeichen sterben ab, wenn sie zwei oder drei Jahre hintereinander längeren Überschwemmungen ausgesetzt sind – da wäre ein Sumpf keine gute Standortwahl. Nicht grundlos sind Sümpfe oft komplett baumfrei. Stattdessen ist die Sumpfeiche an Flussniederungen zuhause. Sie verträgt, anders als andere Eichenarten, einzelne, auch mehrwöchige Überschwemmungen, vorausgesetzt, das Gebiet fällt anschließend wieder ausreichend lang trocken. Diese Eigenschaft reichte aus, um als Sumpfpflanze tituliert zu werden.

Der deutsche Pflanzenname ist die wörtliche Übersetzung des botanischen (lateinischen) Namens „Quercus palustris“. Den hat sich 1770 der Erstbeschreiber des Baumes ausgedacht: ›Otto Freiherr von Münchhausen, ein Zeitgenosse und Großcousin des populären ›Lügenbarons. Ein Schelm, der dem Botaniker verwandtschaftsbedingt eine vorsätzliche Täuschung bei der Namensgebung unterstellt … 

Dem fleißigen Freiherr gelang seinerzeit ein Bestseller: Unter dem Titel „Der Hausvater“ veröffentlichte er sechs dicke Bände voller Tipps und Tricks für Landwirtschaft und Garten, gemischt mit unterhaltsamen Lebensweisheiten. Im 5. Band dieses Vorläufers moderner Ratgeber stellte er seiner Leserschaft, vorwiegend Landgutbesitzern, die Sumpfeiche vor.

Woher stammt die Sumpfeiche?

Aus dem Nordosten der USA. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Sumpfeichen liegt in den Ebenen zwischen dem Atlantik und dem Missouri, zwischen dem Lake Michigan und Tennessee. 

Wo finde ich Sumpfeichen im Stadtpark?

An zwei Stellen. Ein Exemplar steht am Kinderspielplatz an der Dalke, ein zweites wurde erst im März auf der Wiese zwischen Minigolfplatz und Badstraße gepflanzt.

Wie pflanze ich eine Sumpfeiche im eigenen Garten?

Sie benötigen weniger Platz als vielleicht gedacht: Sumpfeichen werden normalerweise nur halb so hoch wie die heimischen Stieleichen. Es gibt sogar vorgartentaugliche Zwergform-Züchtungen, die mit drei Metern ausgewachsen sind. Sumpfeichen sind schnittverträglich, ohne dass sie zwingend einen Schnitt bräuchten, frosthart und pflegeleicht. Allein komplett austrocknen darf der Boden gerade bei jungen Bäumen nicht; die ersten Jahre sollten Sie Ihr Exemplar im Sommer also regelmäßig gießen – ohne Ihren Garten in einen Sumpf zu verwandeln.

Wer hätts gedacht?

„Alles ist politisch“ war eine Maxime der 68er-Bewegung. Das gilt sogar für Sumpfeichen. Mitte der 1990er Jahre beschloss der Berliner Senat, das Band des Bundes im Regierungsviertel mit einer vierreihigen Allee zu bepflanzen (das klingt beeindruckend, aber in Gütersloh gibt es mit Thesings Allee sogar eine fünfreihige!). Mehr als 600 Bäume wurden dafür benötigt. Wegen der dekorativen Wirkung – frischgrüner Blattaustrieb und rot leuchtendes Herbstlaub –, und der Pflegeleichtigkeit entschied man sich für Sumpfeichen. 

Nun kannten der Senat als auch Bundeskanzler Helmut Kohl die Hauptstadtpresse. Welche Wortspiele würden sich die „Schmierfinken“ (O-Ton Kohl) ausdenken, wenn ausgerechnet die Sumpfeiche zum „deutschen Regierungsbaum“ würde? Um unliebsame Anspielungen auf politisches Gebaren à la „Regierungssumpf“ zu vermeiden, wurde der deutsche Artname schon in der Ausschreibung für die Baumschulen und erst recht bei den späteren Pressemitteilungen konsequent vermieden. Neben dem botanischen Namen nutzte man stattdessen die Fantasiebezeichnung „Spree-Eiche“.

Mit Erfolg. Der sprachliche Coup fiel erst Jahre später auf, und bis heute werden Sumpfeichen auch als „Spree-Eichen“ in Baumschulen vermarktet.


Mehr Stauden und Bäume im Stadtpark und Botanischen Garten Gütersloh:


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