Eichenblättrige Hortensie

Eichenblättrige HortensieEichenblättrige Hortensie

Von Georgia nach Gütersloh

Dank des Botanischen Gartens müssen Sie nicht an den Mississippi reisen, um eine Eichenblättrige Hortensie zu sehen – ein Spaziergang an der Dalke genügt. Dabei können Sie gleich nach Eichenblättern Ausschau halten, um den Vergleichstest zu machen: Wie ähnlich sind die Hortensien- den Eichenblättern denn nun wirklich?

Woher stammt der Name „Eichenblättrige Hortensie“?

„Hortensie“ kommt vom lateinischen „hortus“ = Garten und heißt „zum Garten gehörig“ – ein sehr passender Name. Jeder Gartenbesitzer ohne Hortensien muss sich fragen lassen, wozu er dann überhaupt einen Garten besitzt.

Eichenblättrige Hortensie im Dezember 2018

Zumal die Auswahl groß ist: Rund 80 Hortensienarten gibt es. Die alle auseinanderzuhalten, gelingt nur dem Fachmann. Die Eichenblättrige Hortensie ist allerdings an ihrem Laub einwandfrei als solche zu erkennen: Ihre Blätter gleichen nahezu denen von Eichen, finden Sie nicht? Nun, mancher wird diese Behauptung mit einem Blick auf das Laub einer ostwestfälischen Eiche am Straßenrand durchaus infrage stellen. Das klassische Eichenblatt ist doch wesentlich kleiner, die Blattenden sanft gerundet statt spitz zulaufend!

Der offensichtliche Widerspruch ist schnell aufgelöst: Nicht die hierzulande dominierende Stieleiche diente als Referenzobjekt, sondern die Roteiche, auch Amerikanische Spitzeiche genannt. Falls Sie deren Laub nicht sofort vor Augen haben, ist dies keine Lücke in der Allgemeinbildung. Die Roteiche macht lediglich 0,5 Prozent des deutschen Eichenbestands aus. In den USA hingegen ist sie vielerorts die verbreitetste Eichenart.

Die botanische Bezeichnung lautet „Hydrangea quercifolia“. Den Gattungsnamen kann man wörtlich mit „Wasserkrug“ übersetzen, im übertragenen Sinn mit „Wasserschlürferin“ – Hortensien haben einen großen Flüssigkeitsbedarf. „quercifolia“ heißt „eichenblättrig“.

Woher stammt die Eichenblättrige Hortensie?

Aus dem Südosten der Vereinigten Staaten – was den Vergleich mit den Roteichen erklärt. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt zwischen der Atlantikküste Georgias und dem unteren Mississippi. Als ebenso repräsentative wie anspruchslose Zierpflanze findet man sie heute in Gärten und Parks auf der ganzen Welt.

Wo finde ich Eichenblättrige Hortensien im Botanischen Garten Gütersloh?

Neben der Schutzhütte an der Hyazinthenwiese am Eingang Park-/Ecke Badstraße.

Wie pflanze ich Eichenblättrige Hortensien im eigenen Garten?

Unter Hortensienliebhabern – und davon gibt es weltweit viele, wie ein Blick auf die Webseite der ›American Hydrangea Society beweist – gilt die Eichenblättrige Hortensie als anspruchslos. Diesen Ruf hat sie sich wegen ihrer Standort- und Bodentoleranz erworben, zudem ist sie schädlingsresistent und relativ winterhart. Es bleibt allerdings eine Hortensie, und das heißt: Um regelmäßiges Gießen kommen Sie nicht herum. Schon wenige Tage ohne Wasser quittiert sie mit schlaff herunterhängenden Blättern.

Wer hätt´s gedacht?

In den 1770er Jahren durchstreifte der amerikanische Botaniker William Bartram die Südstaaten Amerikas. Dort, wo ein halbes Jahrhundert später Atlanta, die Hauptstadt Georgias, entstehen sollte, stieß er auf eine ihm unbekannte Pflanze. Richtigerweise vermutete er in ihr eine Hortensienart und gab ihr deshalb den Namen „Hydrangea quercifolia“: Eichenblättrige Hortensie.

Es blieb nicht die einzige Pflanze, die Bartram während der insgesamt vier Jahre seiner Wanderschaft entdeckte. Er war ein hervorragender Naturforscher – aber ein lausiger Selbstvermarkter. Seine zahlreichen Entdeckungen schrieb er zwar fein säuberlich auf, nur veröffentlichte er sie nicht. 16 Jahre dauerte es, bis seine Aufzeichnungen als Buch erschienen – in dieser Zeit hatten andere Naturforscher manche „seiner“ Pflanzen in eigenen Aufsätzen porträtiert und Bartram um die Gelegenheit gebracht, als Entdecker von wesentlich mehr Pflanzen anerkannt zu sein.

Als das 520 Seiten starke Werk dann endlich gedruckt wurde, gab er ihm einen, nun ja, etwas sperrigen Titel. Achtung, einmal tief Luft holen: Bartrams Buch heißt „Reisen durch Nord- und Süd-Karolina, Georgien, Ost- und West-Florida, das Gebiet der ›Tscherokesen, ›Kriehks und ›Tschaktahs nebst umständlichen Nachrichten von den Einwohnern, dem Boden und den Naturprodukten dieser wenig bekannten grossen Länder“. Weshalb Botaniker, die ja ihre Zeit auch nicht gestohlen haben, damals wie heute abkürzend nur von „Bartrams Reisen“ (›„Bartram´s Travels“) sprechen.

Die Bedeutung des Werkes für die Forschung und sein kommerzieller Erfolg stehen in größtem Gegensatz. Bartram konnte nur eine dreistellige Anzahl der „Reisen“ verkaufen, zu einer Nachauflage kam es zu seinen Lebzeiten nicht (was ihn deshalb besonders schmerzte, weil sein Verleger zahlreiche wissenschaftliche Namen falsch geschrieben und er auf eine korrigierte Fassung gehofft hatte).

Heute gelten die „Reisen“ jedoch als historische Quelle ersten Ranges. Sie sind als wissenschaftliches Werk, als Ethnografie über das Leben der amerikanischen Ureinwohner, wegen der Naturbeschreibungen als Inspirationsquelle für Dichter und Schriftsteller und wegen Bartrams philosophischer Betrachtungen auch als Beitrag zur amerikanischen Literatur von Bedeutung. Und für dieses Pflanzenporträt, weil Bartram auf Seite 381 die akkurate Zeichnung eines Blattes der Eichenblättrigen Hortensie beifügte (siehe Abbildung oben). Wobei Sie ein solches natürlich auf einer eigenen Expedition durch den Botanischen Garten selbst entdecken können …


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