Chinesische Zaubernuss

Brunettis im Blumenbeet

Der große Brunetti – alteingesessene Gütersloher haben den 2008 verstorbenen Zauberkünstler noch in bester Erinnerung. Nachfolgende Generationen müssen sich mit der Chinesischen Zaubernuss im Botanischen Garten begnügen. Aber auch die hat gute Tricks auf Lager.

Woher stammt der Name „Chinesische Zaubernuss“?

Der erste Trick: Sie blüht mitten im Winter. Die Chinesische Zaubernuss zeigt von Januar bis März ihre ungewöhnlichen fadenartigen, gelben Blüten. Der zweite, der den ersten Trick erst ermöglicht: Bei hohen Minusgraden rollt sie ihre Blütenblätter zum Schutz vor dem Erfrieren zusammen. Der dritte: Den beschreibt ihr botanischer Gattungsname „Hamamelis“. „Hama“ aus dem Griechischen bedeutet „gleichzeitig“, „melon“ steht für „Apfel“ bzw. „Frucht“. Die nussähnlichen Früchte der Zaubernuss reifen rund anderthalb Jahre. Das führt dazu, dass man an ihren Zweigen Blüten und Früchte gleichzeitig sehen kann – potzblitz! Angesichts dieser Künste würde man sich kaum wundern, zauberte sie jetzt noch ein Kaninchen aus ihren Blütenblättern …

Der vollständige botanische Name der Chinesischen Zaubernuss lautet „Hamamelis mollis“. „mollis“ steht für weich und beschreibt die Unterseite ihrer Blätter, die mit filzigen, grauen Haaren bedeckt sind.

Woher stammt die Chinesische Zaubernuss?

Aus den Bergwäldern Ostasiens. Dort wurde sie von Charles Maries entdeckt, der zwischen 1877 und 1879 als Pflanzenjäger von der englischen Großgärtnerei Veitch & Sons nach China geschickt worden war (siehe auch das Kastanienblättrige Schaublatt). Die Zaubernuss war eine von unfassbaren 500 neuen Arten, deren Entdeckung Maries zugeschrieben wird.

Es hätten vielleicht sogar noch mehr sein können, aber er hatte ein bisschen Pech bei der Wahl seines Logistikdienstleisters: Das Schiff, mit dem er seine erste Kiste voller Samen nach England schickte, lief auf Grund. Glück im Unglück: Seine Kiste konnte gerettet werden und wurde auf ein anderes Schiff umgeladen. Pech im Unglück: Dieses Schiff sank das wenige Tage später, und mit ihm Maries´ Sammelergebnis vieler Monate.

Es hätten trotzdem mehr als 500 Pflanzen werden können, wäre er nur etwas freundlicher zu den Chinesen gewesen. Im Stil eines Kolonialisten behandelte er die Einheimischen eher respektlos. Mit seinem cholerischen Temperament und seiner Weigerung, chinesische Sitten zu beachten, zog er regelrecht den Hass der Bevölkerung auf sich. Das ging soweit, dass einige Chinesen seine Pflanzensammlung wiederholt zerstörten, so dass er seine Jagd abbrechen und nach Europa zurückkehren musste. Zum Glück hatte er zu diesem Zeitpunkt schon die Zaubernuss verschickt. Über die Bestellkatalogen von Veitch & Sons verbreitete sie sich über ganz Europa.

Wo finde ich eine Zaubernuss im Botanischen Garten?

Im Apothekergarten. Auszüge aus der Rinde, den Zweigen oder den Blättern des Strauches gewonnen werden als Salbe oder Lösung gegen juckende Hautausschläge und Hämorrhoiden angewendet.

Wie pflanze ich eine Zaubernuss im eigenen Garten?

Es gibt drei Dinge, die die Zaubernuss gar nicht mag:

  1. Zu dichten Boden, denn der verursacht Staunässe, die zu Wurzelfäule führt, aus der verkümmerter Wuchs oder der Exitus resultiert – eine verhängnisvolle Kettenreaktion.
  2. Wurzelkonkurrenz durch andere Gehölze oder auch nur zu penetrante Bodendecker. Die Zaubernuss ist überzeugter Single und steht lieber für sich allein.
  3. Einen Rückschnitt, denn die Zaubernuss treibt nur zögerlich wieder aus.

Wer hätt´s gedacht?

Noch ein Nachtrag zu den Pflanztipps: Falls Sie Kinder haben, planen sie den Standort der Zaubernuss nicht gerade dort, wo die lieben Kleinen besonders gerne die Bälle ins Beet ballern. Zum einen (s.o.) verzeiht die Pflanze abgebrochene Zweige nicht gut. Zum anderen wäre es einfach schade ums Geld: Zaubernüsse kosten. Einen 50 Zentimeter großen Haselnussstrauch, der Zaubernuss optisch nicht unähnlich, finden Sie im Internet ab 99 Cent (wobei Sie natürlich nicht im Internet kaufen, sondern den lokalen Einzelhandel unterstützen – wir wollten hier nur ein besonders unseriöses Beispiel präsentieren). Für eine gleich große Chinesische Zaubernuss dürfen Sie 30 Euro einplanen. Größere Sträucher kosten schnell dreistellig.

Der Grund: Zaubernüsse wachsen sehr langsam, und die Zeit lässt sich die Baumschule bezahlen. Außerdem ist die Vermehrung schwierig: Die Gartensorten werden in einem aufwendigen Veredlungsverfahren auf vier Jahre alte Jungpflanzen gepfropft. Wie die Zaubernuss sich angesichts dieser Methoden über Jahrtausende so erfolgreich in der freien Natur fortpflanzen konnte, grenzt einmal mehr an Zauberei …


Mehr Pflanzenporträts …

… finden sich im humorvollen Stadtpark-Führer „Ab in die Botanik“ unserer Mitglieder Matthias Borner und Daniela Toman. Das ebenso informative wie unterhaltsame Buch mit mehr als 200 Fotos können Sie auf der Seite ›www.guetersloherisch.de erwerben und sich versandkostenfrei zuschicken lassen.


Lesen Sie als nächstes …

Große Brennnessel

Große Brennnessel

Im Brennnesselkrieg für das Recht auf Brennnesseljauche Ihr Ruf ist denkbar schlecht. Brennnesseln gelten als das Unkraut schlechthin, und wir Menschen haben aus gutem Grund Berührungsängste. Doch die Große Brennnessel… Weiterlesen