Mammutblatt

Mammutblatt Gunnera

Sonnenschirm der Armen

Das Mammutblatt trägt seinen Namen zurecht: Es beeindruckt die Besucher des Botanischen Gartens mit seinen riesigen Blättern. Wer eine ebenso große Blütenpracht erwartet, wird indes enttäuscht: Im Juni erscheinen kolbenförmige Rispen mit winzigen, hellgrünen, aber ansonsten unscheinbaren Blüten. Dafür gilt eine Lebensgemeinschaft der Pflanze mit einer Bakterienart als biologische Sensation.

Woher stammt der Name „Mammutblatt“?

mammutblatt-fotografMammutaufgabe, Mammutbaum, Mammutschnecke ‒ obschon längst ausgestorben, dient das prähistorische Rüsseltier bis heute als Referenzangabe dafür, dass etwas größer ist als Standard. Und zwar VIEL größer. So wie die Blätter des Mammutblatts: zwei Meter Durchmesser sind keine Seltenheit. Ein häufig benutzter Alternativname für das Mammutblatt ist Riesen-Rhabarber. Bevor sie jetzt Appetit auf Mammutblattkompott bekommen: Die optische Ähnlichkeit mit der Gemüsepflanze täuscht; das Mammutblatt ist nicht mit dem Rhabarber verwandt. Zwar werden in einzelnen südamerikanischen Regionen Mammutblatt-Stile geschält und wie Rhabarber gegessen. In einzelnen südamerikanischen Regionen gelten aber auch Meerschweinchen als Delikatesse ‒ das sollte als Argument genügen, von einer Mammutblatt-Ernte im Botanischen Garten abzusehen.

Zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurde die beeindruckende Blattschmuckstaude 1753 von Carl von Linné. Er gab ihr den Namen „Gunnera manicata“. Damit ehrte er den Norwegischen Bischof Johan Ernst Gunnerus, der während seines Dienstes für Kirche und Gemeinde gerade noch Zeit fand, die Pflanzenwelt seines Heimatlandes in dem zweibändigen Standardwerk „Flora Norvegica“ vollständig zu erfassen und zu beschreiben ‒ zweifellos ein Mammutprojekt, was ihn zu einem würdigen Namensgeber der Pflanze macht. Der lateinische Artname „manicatus“ bedeutet „mit langen Ärmeln“ und bezieht sich auf die Form der Blätter.

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Einen besonders schönen Beinamen trägt das Mammutblatt in seiner ursprünglichen Heimat Brasilien. Dort nennt man es auch „Sombrilla de los pobres“, auf Deutsch „Sonnenschirm der Armen“.

Woher stammt das Mammutblatt?

Pflanzen aus der Gattung Gunnera kommen auf der Südhalbkugel in Südamerika und Afrika von den Tropen bis in die gemäßigten Zonen vor. Speziell die Art Gunnera manicata stammt ursprünglich aus der Serra do Mar. Noch vor 200 Jahren war dieser Gebirgszug im Süden Brasiliens von dichtem Regenwald überzogen. Mittlerweile wurde das wertvolle Ökosystem durch Abholzung größtenteils zerstört. Der Botanische Garten Gütersloh verwaltet also ein kleines Erbe dieses fast untergegangenen Paradieses ‒ jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er das tragisch oder tröstlich findet.

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Wo finde in das Mammutblatt im Botanischen Garten?

Betritt man den Garten durch den Eingang an der Hyazinthenwiese, geht man geradeaus und findet es bereits nach wenigen Metern auf der linken Seite.

Wie pflanze ich Mammutblatt im eigenen Garten?

Mit Abstand zu anderen Pflanzen ‒ das sollte sich von selbst verstehen. Ansonsten bevorzugt das Mammutblatt angesichts seiner Heimat, den tropischen Nebelwäldern, feuchte Böden und eher zu viel als zu wenig Wasser; ein Platz am Teich ist ideal. Die oberirdischen Teile sterben im Spätherbst ab, dann sollte man die Pflanze bis auf den Boden zurückschneiden und vor Frost schützen. Dazu kann man neben Reisig und Stroh praktischerweise die lederartigen Blätter nutzen. Diese besitzen auf der Unterseite stabilisierende Rippen und bieten dem Wurzelstock selbst vor Hagel Schutz.

Das Mammutblatt-Beet im März

Wer hätt´s gedacht?

Bei vielen Exemplaren des Mammutblatts finden sich an den Blattstielen Kolonien von Blaualgen (Cyanobakterien). Diese Gattung hat keinen allzu guten Leumund, regelmäßig liest man von einer Blaualgenpest in Seen oder Meeren. Doch was Badetouristen erschaudern lässt, verzückt die Biologen: Blaualgen waren vor 3,5 Milliarden Jahren wohl die ersten Lebewesen, die Fotosynthese durchführten. Auch das Mammutblatt mutet nicht nur seines Namens wegen prähistorisch an und siehe da: Mammutblatt und Nostoc-Blaualge bilden eine Lebensgemeinschaft (Symbiose). Blaualgen besitzen die Fähigkeit, den für sie notwendigen Stickstoff aus der Luft beziehen und binden zu können, um ihn in Nährstoffe und Eiweiße umzubauen. Über spezielle Drüsen an den unteren Blattstielen gelangen Nostoc-Blaualgen in das Mammutblat. Hier liefern sie Stickstoff an die Pflanze und erhalten im Austausch Kohlenstoff, Wasser und einen sicheren Lebensraum.





Historische Mammutblatt-Aufnahmen aus dem Stadtpark bzw. Botanischen Garten Gütersloh


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