Verzweigter Rittersporn

Verzweigter Rittersporn Belladonna Piccolo

Mit gereimten Grüßen von Goethe

„Keine Blume kann den Garten so beherrschen wie Rittersporne dies tun.“ Und: „Die Herrlichkeit eines Sommermorgens im Garten kann ohne Rittersporne nicht voll ausgeschöpft werden!“ Diese Zitate stammen von „Staudenpapst“ Karl Foerster (1874–1970), jenem Züchter, den viele Gartenfreunde mit Rittersporn in Verbindung bringen. Foerster trug durch Zitate und Züchtungen viel zu dessen Verbreitung in deutschen Gärten bei. Der Verzweigte Rittersporn ’Piccolo‘, die Sorte, die im Botanischen Garten wächst, stammt von einem seiner Schüler.

Woher stammt der Name „Verzweigter Rittersporn“?

Der Heilige Georg ist für seinen Kampf mit dem Drachen bekannt. In einer Variante der vielfach ausgeschmückten Legende beißt das Untier dem legendären Heiligen quasi mit seinem letzten (wahrscheinlich nach Schwefel stinkendem) Atemzug einen Sporn vom Stiefel.

Wer die Geschichte bis dahin geglaubt hat, stellt auch nicht infrage, dass aus dem abgebissenen Sporn eine blaue Blume wuchs. So erklärt die Legende den tatsächlich existierenden botanischen Sporn der Pflanze, der sich von den Blütenblättern weg erstreckt.

Der gezüchtete Verzweigte Rittersporn ist benannt nach seinen reich verzweigten Blütentrieben. 

Botanisch heißt diese Art „Delphinium belladonna hybrida“. Man benötigt genauso viel Fantasie wie bei der Drachentöter-Geschichte, um in dem Blütensporn die Form des namensgebenden Delfins zu erkennen. Aber bei 300.000 bis 500.000 Pflanzenarten auf der Welt braucht es genau die, um jeder einen Namen zu geben.

Der italienische Artname „belladonna“ bedeutet „schöne Frau“, „hybrida“ weist darauf hin, dass es sich um eine Hybride, eine Kreuzung zweier Arten handelt.

Woher stammt der Verzweigte Rittersporn?

Rittersporn-Arten – mehr als 300 werden unterschieden – wachsen auf der ganzen Welt. Nun ist Verzweigter Rittersporn eine Hybride, d. h. er wurde für die kommerzielle Verwendung als Zierpflanze aus mehreren Wildarten gezüchtet, und das bereits im 19. Jahrhundert. Seine möglichen Eltern sind der Hohe Rittersporn, dessen Heimat die europäische Gebirgswelt von den Alpen über die Karpaten bis zum Balkan bildet, und der Großblütige Rittersporn, der in Ostasien beheimatet ist. 

Die Kreuzung hat gartenfreundliche Eigenschaften: lange und üppige Blüte bei festem Stand. Und sie wächst niemandem über den Kopf: Während andere Arten zwei Meter und höher in den Himmel schießen, wird der Verzweigte Rittersporn nur halb so hoch. Zumal es sich bei den Exemplaren im Botanischen Garten um die Sorte ’Piccolo‘ („klein“) handelt. 

Züchter dieser Sorte war der Staudengärtner Alfred Weinreich (1930–2001) aus Wolmirstedt in der Magdeburger Börde, dem damit 1972 eines seiner Meisterstücke gelang. Sein Interesse an Rittersporn kam nicht von Ungefähr: In die Lehre gegangen war er bei Karl Foerster.

Weinreich musste zu DDR-Zeiten die Umwandlung seiner traditionsreichen Familiengärtnerei „Flora“ in eine GPG, eine ›Gärtnerische Produktionsgenossenschaft miterleben, konnte sich aber auch dank devisenbringender Züchtungen behaupten. Nach der Wende wagte er mit knapp 60 Jahren noch einmal den Neuanfang – erfolgreich. Alfred Weinreich starb 2001, den „Flora-Garten Weinreich“ gibt es bis heute. Er wird mittlerweile in 5. Generation betrieben. 

Wo finde ich Verzweigten Rittersporn im Botanischen Garten Gütersloh?

Weil die Stauden an einem vollsonnigen Standort am besten gedeihen, im Sonnengarten, zum Beispiel am Eingang zum Heckengarten.

Wie pflanze ich Verzweigten Rittersporn im eigenen Garten?

Der Verzweigte Rittersporn blüht zweimal jährlich, ist remontierend, wie die Fachleute sagen. Um eine zweite Blüte im Spätsommer anzuregen, schneiden Sie die Stängel kurz nach der Hauptblüte Ende Juni eine Hand breit über dem Boden ab. Die zweite Blüte im September/Oktober mag etwas weniger prächtig ausfallen als die erste und sollte durch Zugabe von Mineraldünger unterstützt werden. 

Wer hätt’s gedacht?

Lange war Rittersporn auch als „Lerchenfuß“ bekannt, eben wegen des Sporns, durch den die Blüten an Vogelfüße erinnern. So reimte Goethe 1825, als er einen Strauß mit Rittersporn überreichte: „In dem Frühling gar zu süße / wären Rosen ohne Dornen. / Hier sind Lerchen ohne Füße, / hier sind Ritter ohne Spornen.“

Tipp an schenkende Herren: den Blumen stets etwas Gereimtes beifügen. Schnittblumen sind schon beim Überreichen „Kompost im Ausgangsstadium“, das Gedicht aber bleibt – zugegebenerweise qualitätsabhängig – deutlich länger erhalten.



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