Kupfer-Felsenbirne

Kupfer-Felsenbirne in Blüte

Star-Treff Felsenbirne

Die Kupfer-Felsenbirne ist keine Birne und wächst nicht auf Felsen, aber für ihren irreführenden Namen kann sie ja nichts. Als Zierbaum in Gütersloher Gärten häufig gepflanzt, wissen nur wenige, wie vielseitig die Früchte zu verwenden sind. Wenn es da nicht tierische Konkurrenz gäbe

Woher stammt der Name?

Die Erstbeschreibung der Kupfer-Felsenbirne erfolgte 1782 durch ›Jakob Friedrich Ehrhart, seines Zeichens „Königlich Großbritanischer und Churfürstlich Braunschweig-Lüneburgischer Botaniker“ (das waren noch Berufsbezeichnungen damals!). Er kategorisierte die Pflanze in die Gattung der Birnen. Doch so lang sein Titel auch war, seine Birnen-Zuordnung währte nur kurz, denn die Kollegen bemängelten sie – zurecht: Mit einer „Williams Christ“ ist die Felsenbirne nur über drei Ecken verwandt. Aber welcher Pflanzengattung gehört die Felsenbirne stattdessen an? Diesbezüglich diskutierten die Botaniker fast 200 Jahre lang; die Pflanze trug im Laufe der Geschichte entsprechend viele botanische Namen.

1968 endlich wurde der Streit elegant gelöst, indem die Felsenbirne eine eigene Gattung bekam. Seitdem heißt sie „Amelanchier lamarckii“. Der Gattungsname leitet sich von einem keltisch-gallischen Wort ab, das sich mit „Äpfelchen“ übersetzen lässt (das ist schon etwas dreist – Ehrhart auslachen, weil er die Pflanze für eine Birne hält, und sie dann nach Äpfeln benennen!). Der Artname ehrt ›Jean-Baptiste de Lamarck, der sich 1783 als einer von vielen an der Felsenbirnen-Kategorisierung versucht hatte. Da der Franzose nebenbei noch den Begriff der „Biologie“ in der Wissenschaft etablierte, ist die Ehrung aber allemal gerechtfertigt.

Felsenbirnen im März

Felsenbirnen im März

Was den deutschen Namen betrifft: Die Kupfer-Felsenbirne ist botanisch gesehen eben keine Birne, jedenfalls nicht mehr als eine Glühbirne oder eine Abrissbirne, aber einmal in der Welt war der Name halt nicht mehr zu ändern. Andere Felsenbirnen-Arten sind ausgeprägte Felsspaltenpflanzen, die im Gebirge wachsen – daher der Name, auch wenn die Kupfer-Felsenbirne hervorragend in der denkbar flachen Emssandebene gedeiht. Immerhin sind ihre Blätter beim Austreiben kupferrot gefärbt, so dass wenigstens dieser Namensbestandteil nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Sondern nur ein bisschen.

Woher stammt die Pflanze?

Ursprüngliche Heimat der Kupfer-Felsenbirne ist das östliche Kanada. Von dort gelangte sie im 18. Jahrhundert nach Westeuropa, wo sie verwilderte. Heute ist der Strauch von England über die Niederlande bis Westfalen auch als Wildform so verbreitet, dass er als Bestandteil der natürlichen heimischen Vegetation gilt.

Felsenbirnen im April

Wo finde ich eine Kupfer-Felsenbirne im Botanischen Garten?

Gegenüber dem Mammutblatt und neben der Pimpernuss an der Hyazinthenwiese am Eingang Park-/Ecke Badstraße wachsen gleich mehrere Exemplare.

Wie pflanze ich eine Kupfer-Felsenbirne im eigenen Garten?

Ihnen ist ein Strauch zu klein und ein Baum zu groß? Dann ist die Kupfer-Felsenbirne der Kompromiss. Mit drei bis sechs Metern bleibt sie übersichtlich groß und passt auch in den Vorgarten. Was die Standortwahl und die Pflege betrifft, ist sie anspruchslos; Frost, Trockenperioden und Staunässe können ihr nichts anhaben. So wird sie seit den 1960er Jahren hierzulande gern als Straßenbegleitgrün gepflanzt. Was sich selbst überlassen an viel befahrenen Landstraßen gedeiht, sollten auch weniger begabte Gärtner ans Blühen kriegen.

Wer hätt´s gedacht?

Auch wenn die Kupfer-Felsenbirne keine Birne ist – ihre Früchte sind essbar. Die beerenartigen, vitaminreichen Früchte reifen im Juli/August. Theoretisch lassen sie sich nicht nur direkt vom Strauch pflücken und verspeisen, sondern auch zu Gelee, Kompott, Saft, Likör oder Wein verarbeiten.

Dass sich die Regale der örtlichen Supermärkte nicht vor Felsenbirnen-Produkten biegen, liegt daran, dass die saftig-mehligen Früchte keinen übermäßig intensiven Eigengeschmack haben. Sie ähneln geschmacklich Heidelbeeren – aber wer Heidelbeeren mag, isst halt lieber Heidelbeeren als etwas, das nur an Heidelbeeren erinnert. Eingesetzt werden die anfänglich roten, bei ihrer Vollreife purpur-schwarzen Früchte allerdings gerne als Zutat für Mischfruchtmarmeladen, um die Farbintensität zu erhöhen. Speziell die Früchte der Kupfer-Felsenbirne lassen sich auch im getrockneten Zustand wie Rosinen verspeisen, weshalb der Strauch in Norddeutschland auch „Korinthenbaum“ genannt wird.

Kupfer-Felsenbirnen

Um die Früchte genießen zu können, reicht es allerdings nicht, eine Felsenbirne im Garten zu haben – man muss auch auf Zack bzw. Besitzer eines Vogelschutznetzes sein. Denn schon ab Juni wird sie zum „Star-Treff“: Besonders Stare und Drosseln, aber auch Tauben wissen die süßen Früchte weitaus mehr zu schätzen als wir Menschen und sorgen dafür, dass die heimischen Felsenbirnen recht schnell und meist schon vor der Vollreife abgeerntet sind.


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