Zimt-Ahorn

Zimt-Ahorn Rindenschmuck

Am liebsten nackt

Ein Baum, der ohne Blätter besser aussieht als mit vollem Laubwerk? Das trifft nach Meinung vieler Gärtner auf den Zimt-Ahorn zu. Denn im Winter, wenn er unbelaubt dasteht, kann man seinen ungewöhnlichen Rindenschmuck am besten bewundern.

Woher stammt der Name „Zimt-Ahorn“?

Das Wort Ahorn stammt mutmaßlich vom indogermanischen „aker“, was „scharf, spitz“ bedeutet. Es liegt nahe, dass unsere Vorfahren damit die Blattform als  Unterscheidungsmerkmal herausstellen wollten. Nun ist heutzutage, wie angedeutet, vielen Besitzern eines Zimt-Ahorns die Blattform völlig schnuppe, sie sehen ihn am liebsten nackt, wenn er freie Sicht auf die dekorative Rinde gewährt. Denn die löst sich vom Stamm und den Ästen in dünnen, papierartigen, unterschiedlich breiten Streifen ab. Die Form und die Farbe der Rindenrollen erinnern an Stangenzimt – was dem Baum seinen Namen bescherte.

Was Sie bei regelmäßger Lektüre unserer Pflanzenporträts vielleicht schon ahnten, finden Sie bei der wissenschaftlichen Namensgebung des Zimt-Ahorns bestätigt: Botaniker sind seltsame Menschen. Die zunächst seidenglatte, sich später abschälende mahagonie-zimtfarbene Rinde ist nun ganz offensichtlich das hervorstechendste Merkmal dieses Baumes. Und nach was benennen Botaniker diese Pflanze? Nach der Blattunterseite! Die ist gräulich-grün behaart. Weshalb der Zimt-Ahorn als „Acer griseum“, zu deutsch „grauer Ahorn“ im Pflanzenlexikon zu finden ist. Nicht zu fassen …

Woher stammt der Zimt-Ahorn?

Aus dem Reich der Mitte. Allerdings sind die Wildvorkommen des Zimt-Ahorns in ihrer angestammten Heimat Zentral-China stark gefährdet. Das Überleben der Art sichern Gärten und Parks in allen Erdteilen.

Wo finde ich einen Zimt-Ahorn im Botanischen Garten Gütersloh?

2009 pflanzten die Stadtgärtner ein Exemplar an der Wiese im Sonnengarten neben dem großen Schlitzahorn und dem Rispigen Blasenbaum. Durchaus eine Wertanlage, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Wie pflanze ich einen Zimt-Ahorn im eigenen Garten?

Indem Sie entweder viel Zeit oder viel Geld investieren. Zimt-Ahorne wachsen langsam. Sehr. Langsam. Junge Bäumchen gewinnen pro Jahr maximal 20 Zentimeter an Höhe – manchmal auch nur zehn –, bis sie hierzulande sechs bis acht Meter hoch geworden sind. Nach rund 40 Jahren stellt der oft mehrstämmige Baum das Wachstum gänzlich ein. Wer so lange nicht warten will, sondern gleich bei, sagen wir, 3 Metern einsteigen möchte, kann bis zu 2.000 Euro beim Baumschul-Betreiber lassen.

Immerhin reicht ein Exemplar aus – Ihren Zimt-Ahorn pflanzen Sie klassischerweise als Solitärbaum an exponierter Stelle, wo seine Rinde als Blickfang zur Geltung kommt.

Wer hätt´s gedacht?

Der Zimt-Ahorn ist ein „Beifang“. Für die westliche Welt entdeckt wurde er vom legendären Pflanzenjäger Ernest „Chinese“ Wilson auf dessen China-Expedition 1901. Eigentlich war der Engländer für die Gärtnerei Veitch & Sons auf der Suche nach dem Taschentuchbaum gewesen. In einer hollywoodreifen Unternehmung durchstreifte Wilson in mehr als drei Jahren ein 50.000 qkm großes Gebiet. Als er endlich die Stelle erreichte, in der auf seiner „Schatzkarte“ ein Exemplar des Taschentuchbaum eingezeichnet war, fand er nur eine Holzhütte neben dem Stumpf eines Taschentuchbaumes vor – ein emotionaler Tiefschlag.

Dennoch musste Wilson die Reise nicht als völliges Fiasko verbuchen. Denn auf der Suche nach dem Taschentuchbaum sicherte er Dutzende andere Pflanzen für seinen Auftraggeber. Vor allen zwei Pflanzen sind dabei hervorzuheben. Zum einen die Chinesische Stachelbeere – heute bekannt als Kiwi. Wer 100 Passanten in der Fußgängerzone fragt, wo die Kiwi ursprünglich beheimatet ist, wird 99 Mal „Neuseeland“ zur Antwort bekommen (tatsächlich war es ein Marketingtrick der Neuseeländer, die Frucht ab 1959 unter diesem Namen zu exportieren). Die 100., korrekte Antwort können Sie nun geben.

Zum anderen schickte Wilson Samen des Zimt-Ahorns in die Heimat. Dort dauerte es zehn Jahre – Sie erinnern sich, das langsame Wachstum –, bevor Veitch & Sons den Baum 1912 zum ersten Mal in ihrem Katalog anbieten konnten. Sofort startete der Baum als „Juwel unter den Ziergehölzen“ einen Siegeszug durch die europäischen und nordamerikanischen Gärten. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass auch das Exemplar im Botanischen Garten aus dem Genpool jener Samenlieferung stammt, die Ernest Wilson vor 116 Jahren aus China nach London schickte.


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