Vielblättrige Lupine

Stauden-Lupinen

Lupinen oder Leben!

Lupinen sind im wahrsten Wortsinn Allerwelts-Pflanzen (sie wachsen überall) und trotzdem etwas Besonderes. Eine Botanikerin riskierte sogar ihr Leben, um ihre Lupinen für die Nachwelt zu erhalten.

Woher stammt der Name „Lupine“?

Selten ist bei Pflanzen der lateinische Name verbreiteter als der deutsche, aber die Zahl derer, die Lupinen „Wolfsbohnen“ nennen, dürfte überschaubar sein. Immerhin zeigt sich auch am deutschen Namen die tierische Wortwurzel: „Lupine“ geht auf die lateinische Bezeichnung „lupus“ = „Wolf“ zurück; der wissenschaftliche Name „lupinus“ bedeutet „zum Wolf gehörig“. Worin die alten Römer allerdings Ähnlichkeiten und Zusammenhänge zwischen der Staude und einem Wolf sahen, lässt sich nur mutmaßen. Eine Interpretation lautet, Lupinenwurzeln würden sich „gierig wie ein Wolf“ ins Erdreich graben. Andere Wissenschaftler vermuten, der Name beziehe sich auf die wolfsgrau behaarten Hülsen.

Im Botanischen Garten Gütersloh wachsen Vielblättrige Lupinen, auch Stauden-Lupinen genannt. Der botanische Name „Lupinus polyphyllus“ heißt genau das: vielblättrige Lupine.

Lupinen

Woher stammen die Lupinen?

Andenbewohner in Südamerika kultivierten Lupinen als Gemüsepflanze schon vor mehreren Tausend Jahren, wie auch die Yuma-Indianer in Nordamerika und die Ägypter entlang des Nils. Bauern im antiken Rom kannten die Fähigkeit der Staude, den Boden mit bis zu 100 kg Stickstoff pro Hektar anzureichern, und pflügten sie als Gründünger zur Verbesserung der Bodenqualität unter ihre Felder. Lupinen sind also quer über den Erdteil verteilt. Der Kontinent, den sie zuletzt besiedelten, ist heute ihre größte Heimat: Australien ist Weltmarktführer für Lupinensamen. Die proteinreichen Samen gelten als Lebensmittel der Zukunft.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet speziell der Vielblättrigen Lupine liegt an der Westküste Nordamerikas.

Wo finde ich Lupinen im Botanischen Garten Gütersloh?

Warum Lupinen zu den beliebtesten, weil schönsten Blütenstauden zählen, erklärt sich dem Betrachter während ihrer Blütezeit von Ende Mai bis in den Juli im Rhododendronbeet zwischen Asterngarten und saisonalen Beeten.

Stauden-Lupinen

Wie pflanze ich Lupinen im eigenen Garten?

Indem Sie einen sonnigen und windgeschützten Standort suchen. Denn je sonniger sie stehen, desto blütenreicher, farbintensiver und vor allem standfester wachsen Lupinen. Letzteres ist bei einer Wuchshöhe bis zu 1,50 Meter nicht unwichtig; wer Lupinen im Garten hat, besitzt oft auch Pflanzenstützen. Zu düngen brauchen sie die Stauden nicht: Die Wurzelknollen sind ungewöhnlich stickstoffreich – fragen sie einen altrömischen Landwirt, der weiß das bereits seit 2.000 Jahren.

Wer hätt´s gedacht?

Vieles, was wir heute über Lupinen wissen, verdanken wir einer Botanikerin, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts intensiv mit ihnen beschäftigte: Alice Eastwood. In Amerika, zumindest unter amerikanischen Botanikern, wird sie als Heldin verehrt – wegen ihres hollywoodreifen Einsatzes während des schweren Erdbebens in San Francisco 1906. Eastwood, damals Leiterin des Fachbereichs Botanik der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften, rettete über 1.500 Samen und Pflanzen aus dem brennenden Gebäude der Akademie (was reichlich unvernünftig war, aber mit Lupinenforschung alleine wird man in Amerika nicht zur Heldin).

Die Feuersbrunst raubte der Akademie damals 100.000 Pflanzen, doch Eastwood hatte der Nachwelt vor allem wertvolle Typusexemplare – darunter mehrere Lupinenarten – erhalten, also solche Exemplare, die den Botanikern als Referenzpflanzen zur Definition und Benennung dienen. Eastwoods Heldenmut in Ehren, doch im Falle eines Feuers raten wir Ihnen dringend, das brennende Gebäude schnellstmöglich zu verlassen statt reinzulaufen, um die Yucca zu retten.

Lupinen waren auch als Requisit bei einer Sternstunde des englischen Humors im Einsatz: Für mehrere Sketche der Serie „Monty Python’s Flying Circus“ (Folge 37) erschufen die Komiker John Cleese und Graham Chapman 1973 die Rolle des „Dennis Moore“ – eine Parodie auf Robin Hood. Dennis Moore überfällt Kutschen und Landsitze der Adeligen, um seine Beute unter der armen Landbevölkerung zu verteilen. Doch nicht auf Geld und Gold hat es Moore abgesehen – er droht seinen reichen Opfern stets mit dem Ausruf „Your life or your lupins!“ Bald quillen die ärmlichen Hütten der Bauern über vor Lupinen …


Den Botanischen Garten Gütersloh braucht Mr. Moore nicht zu plündern: Am Lupinenbeet können sich angesichts des kostenlosen Zugangs Besucher aller Einkommensklassen erfreuen.



Mehr Stauden und Bäume im Stadtpark und Botanischen Garten Gütersloh:


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