Silber-Goldnessel

Silber-Goldnessel-Laub

Aus dem Nichts

Niemand weiß, woher die Silber-Goldnessel stammt. Doch die Staude mit dem ungewöhnlichen Namen und der rätselhaften Herkunft hat eine Ausbreitungsmethode gefunden, die sicherstellt, dass sie so schnell nicht wieder verschwindet.

Woher stammt der Name „Silber-Goldnessel“?

Silber-Goldnessel – das klingt erst einmal paradox, sich widersprechend. So wie Holz-Eisenbahn, Gefrierbrand oder – zumindest im Rest der Republik – Ostwestfalen. Doch bei näherer Beschäftigung löst sich der Widerspruch schnell auf. „Goldnesseln“ werden Taubnessel-Arten genannt, die gelbe Blüten bilden. Ein Goldgelb ist dazu nicht einmal nötig, blassgelbe Färbung reicht dem Volksmund für die Vergoldung des Namens. Die Silber-Goldnessel nun schmückt sich und den Garten zusätzlich mit silbergefleckten Blättern, womit sie gleich zwei Edelmetalle im Namen tragen darf.

Der botanische Name „Lamium argentatum“ ist eine griechisch-lateinische Co-Produktion: „lámos“ steht für „Schlund“, nach den rachenförmigen, mit „Zähnen“ besetzten Blüten, sowie „argentatus“ heißt übersetzt „mit Silber belegt“.

Woher stammt die Silber-Goldnessel?

Wenn man das nur wüsste! Es ist tatsächlich ein bislang ungelöstes botanisches Rätsel. Es gibt kein natürliches Verbreitungsgebiet, offenbar handelt es sich um eine künstliche Kreuzung, die sich versehentlich (?) ausbreitete. Wer sie in die Welt setzte, ist nicht bekannt, aber die Züchtung hat sich in der Wildnis bewährt. Die Silber-Goldnessel kommt heute in Wäldern und in siedlungsnahen Gebieten vor allem in Nord-, Mittel- und Osteuropa vor.

Silber-Goldnessel

Wo finde ich Silber-Goldnesseln im Botanischen Garten Gütersloh?

Unter den großen Rhododendren am Eingang Badstraße.

Wie pflanze ich Silber-Goldnesseln im eigenen Garten?

Zur Freude vieler, aber auch zum Leidwesen einiger. Freuen dürfen erst einmal Sie sich, denn die Silber-Goldnessel ist eine ausgewiesene Blattschmuck- und Zierstaude. Ihr Laub schmückt das Beet auch im Herbst und Winter, und im Übergang vom Frühling zum Sommer (Mai/Juni) bildet sie viele gelbe Blüten. Speziell daran erfreuen sich Bienen, Hummeln und andere Insekten, ist die Staude doch eine reichhaltige Nektarquelle. Schließlich freuen sich auch alle Hobbygärtner, deren Daumen nur blassgrün ist, über die „Gelinggarantie“ beim Pflanzen. Zumal die anspruchslose Staude recht schattenverträglich ist: Mit ihr lassen sich auch Beete unter größeren Gehölzen begrünen – oder besser gesagt versilbern.

Wer hätt´s gedacht?

Wer mag angesichts dieser Vorteile keine Freude an einem Silber-Goldnessel-Beet empfinden? Es sind Naturschützer, die darauf hinweisen, dass diese Pflanzenart streng genommen zu den „invasiven Neophyten“ zählt. Als solche bezeichnet man gemeinhin Pflanzen, die meist aus anderen Kontinenten durch den Menschen eingeschleppt wurden und in ihrem neuen Umfeld so konkurrenzarm und ausbreitungsstark sind, dass sie heimische Arten verdrängen.

Die Besonderheit bei der Silber-Goldnessel ist, dass niemand weiß, woher und ob überhaupt die Staude „eingeschleppt“ wurde. Wahrscheinlich wollte irgendjemand in Europa einmal besonders hübsch panaschierte Blätter züchten, was ihm auch gelang – doch gleichzeitig mit dem Blattschmuck wurde auch eine besonders starke Wüchsigkeit vererbt. Die Silber-Goldnessel verfolgt eine Ausbreitungsstrategie, die an mafiöse Schneeballsysteme erinnern: Aus einer einzelnen Pflanze erwachsen mehrere oberirdisch verlaufende Ausläufer, die den Boden nach einer freien Stelle „absuchen“. Sobald sie fündig geworden sind, wurzeln sie ein und können nun ihrerseits selbständig neue Langtriebe bilden, die dann … und immer so weiter.

So wird aus einer einzelnen Pflanze ein stetig vorankriechender Teppich aus Hunderten, ja Tausenden Trieben. Ohne menschliches Eingreifen haben Lungenkraut, Hahnenfuß, Lerchensporn oder Buschwindröschen gegen die Übermacht keine Chance. Der wuchernde Bodendecker nimmt ihnen Licht, Platz und Nährstoffe. Die gute Nachricht ist: Im Botanischen Garten fungieren die Stadtgärtner als Mafiajäger. Sie passen gut darauf auf, dass die Silber-Goldnesseln auch langfristig nur die Beete zieren, für die sie gedacht waren.



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