Kleinblütiges Purpurglöckchen

Purpurglöckchen

Immergrün, aber nicht immer grün

Grün kann jede Pflanze. Purpurfarbene Blätter – das ist schon etwas Besonderes. Die Kleinblütigen Purpurglöckchen bilden ein solch ungewöhnliches Laub. Zumindest die Exemplare im Botanischen Garten Gütersloh.  

Woher stammt der Name „Kleinblütiges Purpurglöckchen“?

Das „Kleinblütige Purpurglöckchen“ bildet winzige, glockenförmige Blüten – so weit, so offensichtlich. Und das Purpur im Namen? Schaut man sich die Purpurglöckchen im Botanischen Garten Gütersloh an, scheint auch dieser Teil der Namensgebung logisch, schmücken die Stauden sich und den Park doch mit tief-dunkelrotem Laub. Doch das liegt an einer speziellen Sorte, von der weiter unten noch die Rede sein wird. Die meisten anderen Purpurglöckchen-Arten bilden Blätter in erwartbarem schnöden Grün. Ganz so schnöde aber eben doch nicht: Bei manchen Arten ist ein bronze- bis purpurfarbener Ansatz oder Hauch zu erkennen, der zur Namensgebung offenbar ausreichte. 

Unter „Heuchera micrantha“ findet man die Pflanze im Botaniklexikon. Der Gattungsname ehrt den Naturwissenschaftler Johann Heinrich Heucher (1677–1747). Dessen Eltern hatten ihren Sohn bereits als 12-Jährigen an der Universität zu Wittenberg einschreiben lassen. Ihre Hoffnungen auf ein steile Karriere des Sprösslings erfüllte sich: Heucher wurde Doktor der Medizin, Professor für Physik, Leibarzt von König August II. von Sachsen und Direktor des Botanischen Gartens Wittenberg.

Als solcher veröffentlichte er ein Pflanzenverzeichnis der Anlage, was wiederum das Interesse von Carl von Linné erregte. Der Schwede entwickelte Mitte des 18. Jahrhunderts das bis heute genutzte Konzept, nach dem Tiere und Pflanzen wissenschaftlich benannt werden. Er war von der Lebensleistung Heuchers so beeindruckt, dass er dessen Namen in der Gattung der Purpurglöckchen verewigte.  

Der Artname „micrantha“ setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern „mikrós“ = klein und „ánthos“ = Blüte, bedeutet also wie in der deutschen Version „kleinblütig“. 

Woher stammt das Kleinblütige Purpurglöckchen?

Aus dem Westen Nordamerikas. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Kanada bis nach Kalifornien. Dort wurde die Staude in den 1820er-Jahren vom schottischen Pflanzenjäger ›David Douglas (nach dem die Douglasie benannt ist) „entdeckt“ und in Europa eingeführt.

Wo finde ich Kleinblütige Purpurglöckchen im Botanischen Garten Gütersloh?

Im Gräserbeet an der Wiese. Dort erfreut die Sorte ‘Palace Purple’ die Besucherinnen und Besucher von Mai bis Juli mit ihren langstieligen, weißen Blütenrispen und ganzjährig mit ihrem ungewöhnlichen tiefdunklem Blattwerk.

Wie pflanze ich ein Kleinblütiges Purpurglöckchen im eigenen Garten?

Wahrscheinlich nicht in seiner reinen Form, denn diese ist in Gartencentern meist nur auf Bestellung lieferbar. Was sie stattdessen dort finden und dann pflanzen werden, ist die Sorte ‘Palace Purple’. Sie ist für das Gartenbeet gezüchtet und prinzipiell pflegeleicht. Ein Standort, der nicht direkt in der Sonne liegt, kommt ihr entgegen. 

Wer hätt’s gedacht?

Pflanzenjäger David Douglas erbeutete seinerzeit in den USA noch ein grünblättriges Purpurglöckchen. In Europa, wo die Gartenbesitzer möglichst ausgefallene exotische Pflanzen präsentieren wollten, stieß sein Mitbringsel höchstens bei Botanikern auf Beachtung. Die Staude war zu gewöhnlich für die Blumenbeete, ein kommerzieller Erfolg blieb aus. Das änderte sich durch einen Zufall … 

Die Royal Botanic Gardens in London-Kew, besser bekannt als ›Kew Gardens, gehören zu den ältesten, bedeutendsten und mit bis zu zwei Millionen Gästen pro Jahr meistbesuchten botanischen Gärten der Welt. Prestigeorientierte Herrenhausbesitzer mochten die Staude ignoriert haben, die Wissenschaftler pflanzten und kultivierten sie mit Freude. Hundert Jahre, nachdem die Pflanze erstmals nach Großbritannien gekommen war, erlebten die Botaniker eine große Überraschung: Durch eine natürliche Mutation hatte ein Exemplar statt grünen Blättern tief dunkles, rotbraunes bis purpurfarbenes Laub gebildet. Die königstreuen Gärtner tauften die Neuerscheinung ‘Palace Purple’, nach dem ›Kew Palace. Aus der grauen bzw. grünen Maus war quasi über Nacht eine Blattschmuckstaude geworden.

Als erste immergrüne Staude, die eben nicht immer grün war,  wurde sie weiter gezüchtet. Heute findet man die Sorte ‘Palace Purple’ mit glänzend-purpurnem Blattwerk in Parks und Gärten auf der ganzen Welt – so wie im Botanischen Garten Gütersloh.



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