Kastanienblättriges Schaublatt

Kastanienblättriges Schaublatt

Sechs Kriegsschiffe und eine Staude

Das Holunderblättrige Schaublatt zählt zu den Großblatt-Stauden. Bis zu 75 cm lang werden die Blätter mit ihren charakteristischen, meist fünf- bis siebenfingrigen „Händen“.

Woher stammt der Name „Kastanienblättriges Schaublatt“?

Dem Namen ist zu entnehmen, womit das Schaublatt aus Sicht des Gartendesigners punkten kann. Die Blüten mögen schön und gut sein, aber als Zierpflanze wird die Blattschmuckstaude ihres großen, auffallend geformten Laubes wegen kultiviert. Es bildet auch das wesentliche Unterscheidungsmerkmal der einzelnen Schaublatt-Arten. So gibt es Holunderblättrige, Fiederblättrige, Gestieltblättrige und – das ist die im Botanischen Garten Gütersloh zu findende Art – Kastanienblättrige Schaublätter.

Der Botanische Name „Rodgersia aesculifolia“ deckt sich zu 50% damit, „aesculifolia“ bedeutet „rosskastanienblättrig“. Der Gattungsname dagegen ehrt den amerikanische Admiral John Rodgers, einen Haudegen, der im Amerikanischen Bürgerkrieg mehrere Kanonenboote befehligte. Rodgers hatte zwar mit Botanik rein gar nichts am Hut, war aber ab 1853 an der mehrjährigen „Nordpazifik Entdeckungs- und Vermessungs-Expedition” der US Navy beteiligt. Dabei hatte er doppeltes Glück: Zum einen erkrankte, kaum in China angekommen, der eigentliche Expeditionsleiter – nach Darstellung der Navy an Malaria, den Lebenserinnerungen einiger Besatzungsmitglieder zufolge an „seltsamem Verhalten“ bzw. „Wahnsinn“ (er ließ die voll funktionsfähige Flotte immer und immer wieder „reparieren“). Die Navy entzog ihm das Kommando, Rodgers rückte für ihn nach und führte die Expedition erfolgreich zu Ende. Zum anderen wurde auf der Forschungsreise ein Schaublatt für die USA „entdeckt“ und in Besitz genommen.

So kam die Pflanze nach Amerika und John Rodgers zu der Ehre, dass nicht nur sechs Kriegsschiffe nach ihm benannt sind, sondern auch eine Pflanze seinen Namen trägt.

Woher stammt das Schaublatt?

Schaublätter gedeihen im Himalaja und angrenzenden Hochlagen. Das Kastanienblättrige Schaublatt wächst bevorzugt in feuchten Bergwäldern Myanmars und Zentralchinas.

1878 nahmen Veitch & Sons das Großblatt-Gewächs in sein Sortiment auf. Das Londoner Unternehmen war damals Europas größte als Familienbetrieb geführte Gärtnerei. Zu Glanzzeiten beschäftigte es 22 sogenannte Pflanzenjäger, die in allen Erdteilen nach neuen exotischen Arten für die nach neuen exotischen Arten lechzende Kundschaft suchten (und dabei so manches Naturparadies zerstörten, aber das ist eine andere Geschichte). Durch den Vertrieb von Veitch & Sons verbreitete sich das Schaublatt damals in ganz Europa (siehe dazu auch die Chinesische Zaubernuss).

Wo finde ich das Holunderblättrige Schaublatt im Botanischen Garten?

Im Staudenparterre am Steingarten und am Eingang Dalkepromenade auf dem Weg zum Sonnengarten gegeüber vom Geruchstunnel. Dort wächst die Varietät „Rodgersia aesculifolia var. henrici“, auch Prinz-Henri-Schaublatt genannt. Benannt ist sie nach ›Henri d’Orléans, duc d’Aumale, der eine solche Pflanze 1895 besessen haben soll – damals dachte man, es handele sich um eine eigene Art, bevor sie zu einer Variätet des Kastanienblättrigen Schaublatts herabgestuft wurde.

Schaublatt

Wie pflanze ich Holunderblättriges Schaublatt im eigenen Garten?

Schaublätter sind in Gartencentern keine Verkaufsschlager und in heimischen Gärten nur selten anzutreffen. Pflanzen Sie gegen den Trend! Blumen mit großen, farbenfrohen Blüten sind doch bloß Mainstream, mit einem Schaublatt im Beet weisen Sie sich als Kenner aus, der die Ästhetik des Kontrasts zwischen den feinen cremefarbenen Blütenrispen und der ausladenden, buschigen, fast schon wuchtig wirkenden Wuchsform zu würdigen weiß.

Beim Pflanzen zu beachten: Entsprechend ihrem natürlichen Lebensraum keinen allzu sonnigen Platz wählen und ausreichend Abstand zu anderen Pflanzen lassen – das Blattwerk der strauchartigen Staude wird zwar nur rund 60 cm hoch (mit Blütendolden 90 cm), aber immer breiter, als man meint.

Wer hätt´s gedacht?

So der Standort stimmt, können Schaublätter ein erstaunliches Alter erreichen. Der Bund deutscher Staudengärtner verweist auf einen eigens eingerichteten Sichtungsgarten, in dem sich mehr als 40 Jahre alte Schaublätter größter Vitalität erfreuen.  


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