Kap-Aloe

Die Königin vom Kap

Die Kap-Aloe ist die weniger bekannte Schwester der Aloe vera („Echte Aloe“). Das baumförmige Gewächs im eigenen Garten großzuziehen ist nicht ganz leicht. Umso praktischer, dass man es im Botanischen Garten Gütersloh bewundern kann! 

Woher stammt der Name „Kap-Aloe“?

Der Name „Aloe“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „die Bittere“. Denn bitter schmeckt der dunkle Aloe-Saft aus der Pflanzenschale (nicht zu verwechseln mit dem weißen Gel aus dem Blattinneren). Das „Kap-“ im Pflanzennamen steht für die Kapregion in Südafrika.

Unter „Aloe ferox“ findet sich der exotische Baum im Botaniklexikon. Das lateinische „ferox“ bedeutet „wild, stark bewehrt“ und beschreibt die harten Dornen und die scharfen Zähne am Blattrand.

Woher stammt die Kap-Aloe?

Rund 500 Aloe-Arten gibt es, sie wachsen in halb Afrika und ganz Arabien. Die Kap-Aloe aber kommt als Wildpflanze nur in Südafrika vor, vornehmlich in der Provinz ›Ostkap. Die Region zählt wegen ihrer vielfältigen Ökosysteme zu den Orten mit der größten Artenvielfalt auf der Welt.

Kap-Aloe ferox

Wo finde ich Kap-Aloen im Botanischen Garten Gütersloh?

Alle Krankheiten und Beschwerden aufzuführen, gegen die Aloe tatsächlich oder angeblich hilft, würde hier definitiv den Platz sprengen. Die Sukkulente gilt als „Königin der Heilpflanzen“, ihr Saft als Wundermittel für und gegen eigentlich alles.

Kein Wunder ist es deshalb, dass das eine Exemplare in Besitz der Stadt im Apothekergarten steht. Das tut es in Kübeln und auch nur zwischen Mai und Oktober. Denn die Kap-Aloe meistert zwar mühelos Hitze- und Trockenperioden, ist aber nicht frosthart.

Muss sie auch nicht: In ihrer angestammten Heimat liegt die Durchschnittstemperatur selbst im kältesten Monat, dem Juli, bei 12 Grad. Anders als in Kapstadt friert es in Kattenstroth bisweilen, weshalb die Stadtgärtner die Pflanzen vor dem ersten Frost in das Gewächshaus am Mediterranen Garten bringen.

Wie pflanze ich Kap-Aloen im eigenen Garten?

Die Pflanze braucht kaum etwas, eigentlich nur einen vollsonnigen Platz. Der Pflanzenbesitzer hingegen braucht einen weitläufigen Wintergarten, voluminöse Kübel und mindestens so viel Kraft wie die Stadtgärtner, um diese Kübel in den Wintergarten und wieder zurück zu schleppen. Kap-Aloen wachsen ausladend und entwickeln mit ihren wasserspeichernden Blättern eine beeindruckende Biomasse. Bevor Sie sich für die Anschaffung entscheiden, müssen Sie den Transport sichergestellt haben!

Wer hätt’s gedacht?

Zeugnisse für den Einsatz der Gattung Aloe als Heilpflanze ziehen sich quer durch die Menschheitsgeschichte.

  • Dies fängt an bei den ersten Hochkulturen in Mesopotamien vor 6.000 Jahren, denn schon die Sumerer kannten die keimtötende und entzündungshemmende Wirkung.
  • Im Neuen Testament berichtet der Evangelist Johannes von der Verwendung der Pflanze bei der Toteneinbalsamierung, indem er beschreibt, wie Nikodemus Aloe als Duftstoff für die Leichentücher Jesu herbeibringt (›Joh 19,39).
  • Als die spanischen Konquistadoren nach Amerika segelten, nahmen sie Aloeblätter mit an Bord, quasi ein Erste-Hilfe-Set z. B. bei Hautverletzungen.
  • Mahatma Gandhi wird zitiert, seine langen Fastenperioden habe er nur dank dreier Dinge durchstehen können: seinem Glauben an Gott, seiner Anspruchslosigkeit und der entschlackenden Wirkung der Aloe. 

Oft beziehen sich solche Heilserfahrungen auf Saft und Gel der Aloe vera. Nun wird diese Aloe-Art, mit deren Namen sich allerlei Kosmetik- und Heilmittel-Produkte schmücken, in riesigen Monokultur-Plantagen angebaut. Die Heilkraft vieler Pflanzen leidet am Einsatz von Pestiziden und auch an der Überzüchtung, mit der sie schneller und größer wachsen sollen.

Die Kap-Aloe dagegen wirkt ähnlich segensreich wie ihre bekanntere Schwester, doch weil sie schwieriger anzubauen und zu ernten ist, blieb ihr die industrielle Nutzung im großen Stil erspart. So kann der Anwender (noch) davon ausgehen, dass sein Produkt aus Aloe ferox nach traditioneller Art und ohne chemische Zusätze angebaut wurde. Wer clever ist, nutzt also Kap-Aloen – aber bitte nicht die Exemplare aus dem „Botanischen“!



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