Erdbeeren

Erdbeeren gelten als „paradiesische Früchte“. Erdbeeren waren bereits in der der Antike sehr beliebt. Der römische Dichter Ovid beschreibt die Erdbeeren als Speise der Menschen in einem „Goldenen Zeitalter“.

Im christlich geprägten Mittelalter stellte man sich unter dem himmlischen Pardies einen herrlichen Garten vor, in dem Erdbeeren nicht fehlen durften. Erdbeerblüten, -blätter und -früchte zieren im Dom zu Magdeburg diejenigen Säulen, die man beim Eintreten in den als „Paradies“ bezeichneten Vorraum passiert. Im 15. Jahrhundert findet man Erdbeerpflanzen häufig in Verbindung mit Darstellungen der Gottesmutter Maria. Die weiße Blüte symbolisiert Reinheit und Keuschheit. Das dreiteilige Blatt galt als ein Zeichen der göttlichen Dreieinigkeit, die roten Früchte standen für das Blut Christi.

Rot wie die Liebe, süß wie die Sünde

In vorchristlicher Zeit standen die Erdbeeren in enger Beziehung zu den Göttinnen der Liebe und Fruchtbarkeit, sie waren bei den Germanen der Göttin Freya geweiht. Rot wie die Liebe, süß wie die Sünde – Erdbeeren galten im Volksglauben als Ausdruck von Sinnlichkeit, als Symbol für die Verlockung zur Sünde. Erinnern Sie sich da nicht gleich an den Film „Pretty woman“? Wie Julia Roberts von Richard Gere Erdbeeren angeboten bekommt zum Champagner?

Um die Erdbeere ranken sich viele Mythen: Fielen beim Sammeln im Wald Erdbeeren auf den Boden, sollten sie liegenbleiben für die armen Seelen. Um Geister zu besänftigen, opferte man an Wegkreuzungen jeweils drei Erdbeeren. In Nordamerika glaubten einige Indianerstämme, dass die Seelen der Verstorbenen durch die Unterwelt wandeln, bis sie eine gigantische Erdbeere finden. Erlagen die Seelen dann der Verlockung des Genusses, war ihnen die Rückkehr ins Irdische nicht mehr möglich.

Verwandtschaft

Erdbeeren sind eine Köstlichkeit, verwandt mit der Rose, der Königin der Blumen. Kennzeichnend für die Familie der Rosengewächse sind die Blüten mit fünf Kelch- und fünf Kronblättern, bei der Erdbeere weiß, selten rosa gefärbt. Doch was wir so gerne genießen sind, botanisch gesehen, gar keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte, sogenannte Scheinbeeren. Sieht man nämlich genau hin, erkennt man auf der Oberfläche des roten Kegels kleine braune Samen, die Nüsschen, die eigentlichen Früchte.

Die Walderdbeere (Fragaria vesca) ist die wohl bekannteste unter den drei heimisch vorkommenden Erdbeeren. Man findet sie vor allem am Waldrand und an Wegböschungen. Die Zimterdbeere (Fragaria moschata) liebt lichte Laubwälder, ist recht wärmebedürftig und trägt überaus wohlschmeckende Scheinfrüchte. Die Knack-Erdbeere oder Knackelbeere (Fragaria viridis) liebt kalkhaltige, sonnige Magerwiesen. Die grünlich-weißen Scheinfrüchte, nur an der Spitze rot, lösen sich mit einem hörbaren Knacken ab.

Unsere heutige Gartenerdbeere, deren Stammform der Gärtner und Botaniker Antoine Nicolas Duchesne (1747–1827) entdeckte, ist eine Kreuzung aus zwei aus Amerika stammenden Arten, der Virginischen Erdbeere und der Chile-Erdbeere. Erstere brachte den guten Geschmack mit, die zweite die große Fruchtform.

Ende des 19. Jahrhunderts begann in Deutschland die erfolgreiche Züchtung von heute noch bekannten Sorten, die so wohlklingende Namen tragen wie „Wunder von Köthen“ oder „Schöne Meißnerin“. Oder auch „Mieze Schindler“ (auch Himbeererdbeere), die Professor Otto Schindler, Gründungsdirektor der Sächsischen Staatslehranstalt für Garten in Dresden-Pillnitz, 1925 nach seiner Frau benannte. Und viele Gartenfreunde kennen die auch heute noch geschätzte Sorte, die ertragreiche und großfruchtige „Senga Sengana“. Allein der Name geht schon wie Sahne über die Zunge…

Genießen Sie diese „verführerische“ rote Frucht: in der Bowle, auf dem Tortenboden, mit Sahne, Eis oder Sekt oder naschen Sie sie schlichtweg pur – einfach süß und köstlich!


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