Echter Faulbaum

Faulbaum

Ein Baum zum Schießen

Faulbäume sind hochattraktiv – für Insekten und Vögel. Gärtner pflanzen das Gehölz heute eher selten, was optische und olfaktorische Gründe hat. Früher hatten die Menschen weniger Berührungsängste mit ihm: Bis 1850 entstanden in ganz Europa Faulbaum-Plantagen – lieferte die Pflanze doch einen militärisch wichtigen Rohstoff …

Woher stammt der Name „Faulbaum“?

Manche behaupten, der Faulbaum heiße Faulbaum, weil er zu faul zum Wachsen sei. In der Tat bleibt dieser Baum meist buschartig und wächst in die Breite, während er in Gärten kultiviert oft nur rund zwei bis vier Meter hoch wird.

Doch seinen etwas anrüchigen Namen verdankt das Gehölz dem leicht modrigen Fäulnisgeruch seiner Rinde – wenn man nur nah genug herangeht, riecht diese etwas unangenehm. Vom Baum abgelöst und zu Pulver zermahlen, stinkt sie sogar derart stark, dass es bei vielen Brechreiz auslöst. Da wundert es nicht, dass die Rinde sowohl als Brech- als auch als Abführmittel verwendet wird.

Faulbaum

Der botanische Name des Echten Faulbaums lautet „Rhamnus frangula“. Das setzt sich zusammen aus einem griechischen Wort für Dornensträucher – der Faulbaum gehört zur Gattung der Kreuzdorne – und dem lateinischen „frangere“ = brechen, wegen seines brüchigen, spröden Holzes.

Auf den Pflanzenschildern im Botanischen Garten lesen Sie als wissenschaftlichen Namen allerdings „Frangula alnus“. So sind sich die Botaniker uneins, welche Systematik zur Namensgebung angewandt werden soll. In diesem Fall steht „alnus“, der lateinische Name der Erle, für die Ähnlichkeit der Blätter von Faulbaum und Erle.

Den Bäumen wird´s egal sein, wie sie heißen, und auch wir mischen uns nicht in die Fachdiskussion ein und nennen das Gehölz weiterhin bei seinem so anschaulichen Namen „Faulbaum“.  

Woher stammt der Echte Faulbaum?

Aus Eurasien. Faulbäume sieht und riecht man in Ostwestfalen ebenso wie in Westsibirien.

Faulbaum

Wo finde ich einen Echten Faulbaum im Botanischen Garten Gütersloh?

Wegen der mittlerweile industriellen Verwendung seiner Rinde als Abführmittel (getrocknet und geschnitten für Teeaufgüsse oder als Trockenextrakt für Dragees) im Apothekergarten

Wie pflanze ich einen Echten Faulbaum im eigenen Garten?

Der Faulbaum zählt zu den anspruchslosen Gehölzen. Er ist robust, pflegearm, schnellwachsend, winterhart und relativ standorttolerant. Dennoch ist er in Gütersloher Gärten eher selten zu sehen. Sein Dekorationswert mag im Vergleich zu anderen Ziergehölzen limitiert sein, und vielleicht schreckt auch der Name viele Gärtner von einer Pflanzung ab. Doch die tierischen Gartenbewohner fliegen auf ihn: Ab Mai lockt der Faulbaum mit seinen Blüten Schmetterlinge und andere Insekten an, im Herbst erfreuen sich viele Vogelarten an seinen rot-schwarzen Beeren.

Wer hätt´s gedacht?

Ob Berthold Schwarz überhaupt etwas erfinden wollte, ist nicht belegt. Ob er vielleicht die erste Steinbüchse entwickelte, ist umstritten. Und ob er dabei wirklich versehentlich das Schwarzpulver erfunden hat, gilt mittlerweile als widerlegt. Aber der schönen Legende nach experimentierte der Freiburger Franziskanermönch und Alchemist eines Tages in den 1350er Jahren mal wieder mit allerlei Stoffen. So zerstampfte er in einem Mörser Salpeter, Schwefel und Holzkohle aus Faulbäumen. Dann stellte das Pulver zusammen mit dem Stößel auf den Ofen und verließ den Raum. Die darauffolgende Explosion ließ die Mönche ins Zimmer eilen, wo sie den Stößel in den Deckenbalken geschleudert fanden – das Schießpulver ward erfunden und mit ihm der „Mörser“ als kurzläufiges Steilfeuergeschütz …

So will es die Legende (und das Freiburger Stadtmarketing); die Wissenschaft ist sich allerdings sicher, dass das Schwarzpulver nicht von Bruder Schwarz, sondern bereits über tausend Jahre vor ihm in China erfunden wurde und seinen Namen allein von der Farbe hat.

Höchstwissenschaftlich erwiesen ist allerdings auch, dass die Köhler die Holzkohle für die Schwarzpulver-Produktion vornehmlich aus dem Holz des Faulbaums gewannen. Diesen nannten sie deshalb auch „Pulverbaum“. Faulbaumholz galt wegen der geringen Ascherückstände bei der Verbrennung als das beste für diesen Zweck. Schwarzpulver blieb bis Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Schießbaumwolle (›Zellulosenitrat) erfunden/entdeckt wurde, das einzige Treibmittel für Feuerwaffen. Entsprechend hoch war der Bedarf der Militärs, die große Faulbaumkulturen anlegen ließen. Die Exemplare im Botanischen Garten dagegen dienen dem rein friedlichen Zweck der Naherholung …



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