Amerikanischer Amberbaum

Der Kaugummibaum

Praktisch, so ein Amerikanischer Amberbaum. Er sieht ganzjährig gut aus (im Herbst sogar überragend gut), macht wenig Arbeit, und wer mal kein Hubba Bubba im Haus hat, kann mit ihm auf ein Jahrtausende altes Indianerrezept für die Kaugummiherstellung zurückgreifen.

Woher stammt der Name „Amerikanischer Amberbaum“?

Amber ist ein veraltetes deutsches und das aktuelle englische Wort für Bernstein, entstanden aus der arabischen Vokabel für das fossile Baumharz. Aus vielen Amberbaum-Arten wird das wohlriechende Naturharz Styrax gewonnen, das seit Jahrtausenden für Räucherwerke und als Heilmittel verwendet wird.

Der botanische Name „Liquidambar styraciflua“ lässt sich frei mit „von Styrax durchflossener flüssiger Bernstein“ übersetzen.

Woher stammt der Amerikanische Amberbaum?

Aus dem Südosten der USA. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ein Areal, das von New York über Kentucky bzw. Florida bis nach Texas reicht. Vereinzelte Wildvorkommen gibt es auch in Mittelamerika zwischen Mexiko und Nicaragua. So stammt die erste Beschreibung eines Amberbaums aus Mexiko.

Der spanische Naturforscher Francisco Hernández de Toledo hatte dort ab 1570 sieben Jahre lang gewirkt und über 3.000 Pflanzenarten „entdeckt“. Ein Problem, die sich solchen Pionieren der Pflanzenforschung stellte, war die Benennung der unbekannten Pflanzen – 3.000 Namen wollen erst einmal erdacht sein. Hernández, der die spanische Inquisition verachtete, hatte es angesichts der Gräueltaten seiner Landsleute schwer, das Vertrauen der Einheimischen zu erlangen. Deshalb hatte er die indigene Sprache ›Nahuatl erlernt. Seinen Schriften ist es mit zu verdanken, dass es nicht nur die Pflanzen, sondern auch „aztekische“ Begriffe wie Tomatl (Nahuatl für „dickes Wasser“), Cacahuatl (Kakao), Ahuacatl (Arvocado) und Chili nach Europa schafften. Der Amberbaum war sprachlich aber vielleicht doch zu herausfordernd – die mexikanische Bevölkerung nannte ihn „Ocotzocuahuitl“.

 
Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis der erste Amberbaum den Weg über den Atlantik fand. 1681 pflanzte man ein Exemplar aus Nordamerika im Garten von Fulham Palace, dem Sitz der Londoner Bischöfe. Heute ist der Amberbaum weltweit ein vor allem wegen seiner intensiven Herbstfärbung beliebter Parkbaum. Mancherorts verwilderte er; so wurde er ungeplant eine der dominierenden Baumarten im australischen Brisbane.

Wo finde ich einen Amerikanischen Amberbaum im Stadtpark Gütersloh?

In Gütersloh hat man die Ausbreitung der Population noch im Griff: Im Stadtpark wachsen zwei Exemplare. Eines an der Hyazinthenwiese im Botanischen Garten, ein zweites auf der Wiese zwischen den Dalkeauen und Ibrüggers Teich.

Wie pflanze ich einen Amerikanischen  Amberbaum im eigenen Garten?

Klassischerweise als Solitärbaum. Der Baum ist schnittverträglich, winterhart und pflegearm – die meiste Mühe macht noch, im Sommer allen Besuchern Ihres Gartens erklären zu müssen, dass es sich nicht um einen Ahorn handelt. Die Blätter sehen sich recht ähnlich, aber während (fast) jeder Ahornbäume (er)kennt, gelten Amberbäume noch als Geheimtipp. Ab Mitte September zeigt der Amerikanische Amberbaum, warum kein „Indian Summer“ ohne ihn auskommt: Er wechselt seine Laubfarbe über Gelb und Orange in Rot, während er ungewöhnliche, langgestielte, stachelige Früchte produziert – ein Naturschauspiel!

Wer hätt´s gedacht?

Das Harz, das aus dem Amerikanischen Amberbaum austritt, duftet gut, schmeckt süßlich und ist von zäher Konsistenz. Damit ist es vielseitig verwendbar, zum Beispiel zur Parfümierung von Seifen, zur Aromatisierung von Tabak oder zur Herstellung von Klebstoffen und Ölen. Alle drei Eigenschaften lassen sich aber vor allem in einem Produkt nutzen: Schon vor Tausenden Jahren verwendeten es die nordamerikanischen Ureinwohner als natürliches Kaugummi, später diente es als Aromatisierungsmittel für industriell hergestellte Kaugummiriegel. Im Englischen heißt der Amerikanische Amberbaum daher bis heute „American Sweetgum“ („Süßgummi“).



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