Irgendwo wird es immer Gärten gegeben haben …

Irgendwo wird es immer Gärten gegeben haben. Wo eine Kultur wächst, ordnet der Mensch das Wildwachsende. In einem Garten zu sitzen, ist ein Traum – der Traum vom Ruhen und Rasten.

Pflanzen sind das Wichtigste auf der Welt. Sie bedürfen des Menschen nicht. Aber der Mensch könnte nicht leben ohne sie, und so begann es: Gott sprach, es lasse die Erde Pflanzen sprossen, Kraut, das Samen bringt und fruchtbare Bäume…

Das persische Wort für „Garten“, aus dem sich unser Wort „Paradies“ entwickelte, kam durch Xenophon nach Griechenland. Paradies und Garten bedeuten also dasselbe. Was immer man sich unter einem Paradies vorstellen mag: Es bedeutet nichts anderes als Garten. Das Glück des Jenseits besteht auch im Koran darin, in einem entzückenden Garten zu sitzen.

Thomas Morus sah schon, wie wichtig ein Garten für kleine Leute ist. Er beschrieb ihn recht genau in seinem Zukunftsroman „Utopia“. Das war 1551.

In den Gärten der Fugger wuchsen 775 Rosenstöcke, Georg Fugger kultivierte die erste Moschusrose. 1584 beschwerten sich die Augsburger, dass ihnen die Fugger-Gärten zuviel von ihrem Gemüseland wegnähmen.

Wallenstein fand sogar mitten im Dreißigjährigen Krieg Zeit, sich um seine Gartenanlage zu kümmern. Und festzulegen, wo ein Springbrunnen fehle. Napoleon beschäftigte sich in seinen letzten Lebensjahren auf St. Helena mit Gartenarbeit.

Nach einem Leben, das eine Suche nach Erfolg, Geld, Liebe war, aber nichts brachte als Totschlag, Flucht und Gemeinheiten aller Art, zog „Gärtner Voltaire“, wie ihn die Franzosen nennen, 1778 folgendes Fazit: „Ich habe viel gelesen und nur Unsicherheit, Lügen und Fanatismus gefunden. Ich bin beinahe so klug, was das Wesentliche angeht, wie ich als Säugling war. Ich ziehe es vor, zu pflanzen, zu säen, frei
zu sein.“

Ludwig XIII. verbaute 300.000 Livres in Versailles: Fast 40% der Summe war ihm die Anlage der Gärten wert. „Peanuts“ im Vergleich zum Sonnenkönig Ludwig XIV. Der gab im Laufe seines Lebens 300 Millionen Livres für Versailles aus – zwar nur ein Bruchteil dessen, was seine Kriege kosteten, aber immerhin: Er beschäftigte Zehntausende Menschen mit der Anlage seiner Gärten und gab ihnen damit Lohn und Brot.

Darum ist es eigentlich auch natur- bzw. gartengemäß, dass Gärtner älter werden. Der große André Le Nôtre, der den Mut hatte, die Natur umzuschaffen, und der wohl der größte Verschönerer dieses Erdteils war, wurde fast 90 Jahre alt. Antonius Castor, bei dem sich Plinius über Pflanzen unterrichtete, wurde gar über 100. Der britische Gartenbauer George Russell, der die Russell-Lupinen züchtete, pflanzte noch mit 93. Bernhard Shaw starb mit 94 an einem Unfall, den er sich zuzog, als er allzu eifrig eine Hecke beschnitt.

Die Pflanzenjäger

Um all die Freude an den Pflanzen zu haben, die wir heute so kennen, gibt es noch etwas zu beachten. Wir hätten die Freude nicht, hätte es nicht ein paar abenteuerliche, wißbegierige und manchmal wahrscheinlich auch etwas verrückte Weltenreisende gegeben, die uns die Pflanzen hierher brachten. Die ihre Gesundheit, ihr Leben, schlicht, ihr ganzes Dasein der Jagd nach unbekannten Pflanzen widmeten.

Als erste Sammelreise zur Einfuhr exotischer Pflanzen gilt die Expedition der Pharaonin Hatschepsut im 15. vorchristlichen Jahrhundert in das Land Punt, von wo Weihrauch in getopfter Form mitgebracht wurde. Im späten Mittelalter kamen Rosskastanie und Tulpe aus dem Orient nach Europa, die Mitte des 16. Jahrhunderts das Tulpenfieber in Amsterdam auslösten.

Im 18. Jahrhundert sammelte besonders die Kolonialmacht England, die Kew Gardens zu einem Forschungsgarten ausbaute. Botaniker Philibert Commerson, der 1766 bis 1768 auf der ersten französischen Weltumseglung unter Kapitän Louis Antoine de Bougainville dabei war, entdeckte die heute hierzulande beliebte Kübelpflanze Bougainvillea und benannte sie nach seinem Kapitän. Diese Reise prägte übrigens auch erheblich das europäische Bild der Südsee als unberührtes Naturparadies.

James Cook wurde von Joseph Banks und Daniel Solander begleitet, die hauptsächlich südlich von Sydney botanisierten. Die Gegend heißt noch heute Botany Bay = Botanikbucht. Der Franzose Francis Masson brachte 50 verschiedene Geranien aus Südafrika mit, Archibald Menzies verdanken wir die Araukarie.

Zeitschriften druckten die Reiseberichte, das Botanisieren wurde ein beliebtes Hobby der oberen Gesellschaftsschicht. Jean-Jacques Rousseau schrieb „Zehn Botanische Lehrbriefe für eine Freundin“, in denen er anschaulich das Sammeln und Herbarisieren beschreibt.

Im 19. Jahrhundert wurde „Pflanzenjäger“ zunehmend zu einer Berufsbezeichnung. Die Entdeckung neuer Spezies kommerzialisierte sich. Die Forschungsreisenden Englands waren überwiegend im königlichen Auftrag unterwegs. In Deutschland war das nicht so einfach. Oft fanden sich großzügige Mäzene wie der Hamburger Kaufmann Cesar Godeffroy, manchmal gründeten sich auch Aktienvereine. Die Dividende bestand aus Teilen der Sammlung, wurde also im wahrsten Sinne des Wortes in Naturalien ausgezahlt.


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